Im Internet blossgestellt

Beat S. ist berühmt – obwohl ihn keiner kennt. 500 000 Leute haben das Video auf YouTube gesehen, in dem er lustvoll stöhnt. Der Mann leidet unter der unfreiwilligen Zurschaustellung.

Thomas Ammann
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Über 500 000-mal angeklickt auf YouTube: Das Porno-Casting des Thurgauers Beat S. (Bild: Reto Martin)

Über 500 000-mal angeklickt auf YouTube: Das Porno-Casting des Thurgauers Beat S. (Bild: Reto Martin)

Sirnach. Er hat eine Dummheit gemacht und muss jetzt – sieben Jahre später – schwer dafür büssen. Ahnungslos meldete sich Beat S. 2004 beim Casting für die Sendung «Die Schweiz sucht den Pornostar» an. Warum weiss er heute nicht mehr genau: «Ich hatte die Werbung im Fernsehen gesehen und mir gedacht, da könnte ich mitmachen», erzählt der Sirnacher der «Thurgauer Zeitung». Obwohl er irgendwie ahnte, dass die Sache nicht seriös war, machte er brav mit und befolgte die Anweisungen der vermeintlichen Pornoproduzenten.

Von der Agentur hat er seither nichts mehr gehört. Doch im Dezember letzten Jahres tauchten im Internet Videos von ihm auf, wie «20 Minuten online» berichtet. Darauf ist Beat S. oben ohne beim Casting zu sehen. Er stöhnt, verwendet Porno-Ausdrücke, lacht zwischendurch.

Der Film wird zum Renner auf YouTube. Einige der Videos sind zwar mittlerweile vom Onlineportal entfernt worden. Nach wie vor ist der 43-Jährige aber dort zu sehen. Er wurde im Internet blossgestellt. Etwas, das vielen passieren kann.

Ehrverletzung ist strafbar

Grundsätzlich ist das Hochladen von Videos einer anderen Person strafbar, wenn dadurch deren Ehre verletzt wird. Im konkreten Fall können die Macher des Videos jedoch nicht strafrechtlich belangt werden. Denn Beat S. hatte gewusst, dass er gefilmt wird und schriftlich seine Zustimmung gegeben, dass das Filmmaterial verwendet werden darf. «Wenn er ohne Erlaubnis im Geheimen gefilmt worden wäre, hätte er Strafanzeige einreichen können», erklärt der Thurgauer Generalstaatsanwalt Hans-Ruedi Graf.

Anders sieht der Fall zivilrechtlich aus. Im Zivilgesetzbuch wird der Persönlichkeitsschutz geregelt. «Wenn jemand durch den Inhalt eines Films in seiner Persönlichkeit verletzt wird, kann der Betroffene die Beseitigung des Films verlangen», sagt Graf. Ob dies auch bei Beat S. möglich ist, kann Graf nicht sagen. Denn mit seinem Einverständnis hat der Sirnacher viele Rechte abgetreten.

Ehrverletzendes muss weg

Hätte Beat S. seine Zustimmung zur Veröffentlichung nicht gegeben, wäre auch die Koordinationsstelle zur Bekämpfung der Internet-Kriminalität eine Lösung gewesen.

Sie kann ehrverletzende Inhalte direkt dem Betreiber der Website melden und die Entfernung veranlassen, wie Mediensprecher Stefan Kunfermann erklärt. «Dies geschieht vor allem bei kleineren Delikten von anonymen Tätern, bei denen eine Identifikation nicht möglich ist.»

Beat S. leidet sehr unter dem Cyber-Mobbing. «Ich habe ein schlechtes Gefühl und traue mich kaum mehr aus dem Haus», sagt er. Nur noch zur Arbeit geht er. Nochmals würde der Lagerist nicht mehr an ein solches Casting gehen. Doch, gutgläubig wie er ist, meint er: «Ein Modelcasting wäre schon noch was.»

Über 500 000-mal angeklickt auf YouTube: Das Porno-Casting des Thurgauers Beat S. (Bild: Reto Martin)

Über 500 000-mal angeklickt auf YouTube: Das Porno-Casting des Thurgauers Beat S. (Bild: Reto Martin)