Im Gleichschritt – aber nicht nur

Trudi Langenegger hat lange Jahre in Heerbrugg gewohnt. Seit zwölf Jahren lebt sie wieder in ihrem Elternhaus in Schachen. Deshalb treffen wir uns zu unserem Sommerspaziergang im Städeli.

Monika von der Linden
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Trudi Langenegger fühlt sich in der Landschaft, in der sie aufgewachsen ist, heute wieder wohl. Jahrzehntelang lebte sie in Heerbrugg und engagierte sich für das Rheintal auf allen Ebenen. Nun wohnt sie wieder in ihrem Elternhaus in Schachen. (Bilder: Monika von der Linden)

Trudi Langenegger fühlt sich in der Landschaft, in der sie aufgewachsen ist, heute wieder wohl. Jahrzehntelang lebte sie in Heerbrugg und engagierte sich für das Rheintal auf allen Ebenen. Nun wohnt sie wieder in ihrem Elternhaus in Schachen. (Bilder: Monika von der Linden)

SCHACHEN. Das Anwesen ist nicht zu übersehen. Vor dem Haus steht das Erkennungszeichen, eine farbig gestaltete Kuh. Sie ist eine Erinnerung an vergangene Zeiten, als in der Scheune noch vier Kühe lebten und zur Versorgung der Familie beitrugen.

«Ich wollte nie in mein Elternhaus zurückkehren», sagt Trudi Langenegger. «Ich war im Rheintal glücklich.» Nachdem das Bauernhaus drei Jahre leer gestanden hatte, keines ihrer Geschwister das Haus übernehmen konnte und einer ihrer Söhne ins Heerbrugger Haus einziehen wollte, schoben Trudi und Beat Langenegger die Idee nicht mehr beiseite.

Ein Jahr lang renoviert

«Das erste Jahr meiner Pensionierung steckte ich in die Renovation des Hauses», erinnert sich Beat Langenegger, während er durch das unter Heimatschutz stehende Wohnhaus führt. 400 Jahre sei es mindestens alt. Das erkenne er an der Verarbeitung der Holzbalken.

Auffällig sind die Pest-Löcher im ersten Stock. Durch sie hat seinerzeit der Nachtwächter Mahlzeiten gereicht. Von aussen kletterte er an einer Leiter hoch, um eine mögliche Ansteckung zu vermeiden. Für das ehemalige Mitglied der Geschäftsleitung der SFS ist die Übernahme des Anwesens zusammen mit seinem Schwager auch nach dem Umzug eine Aufgabe. Trudi Langenegger erzählt, die extensiv bewirtschaftete Wiese stehe nun, anfangs Juli, vor dem ersten Schnitt. Aus dem eigenen Wald ernte ihr Mann Feuerholz und verarbeite es. Heute ist Trudi Langenegger froh, zurückgekommen zu sein: «In Heerbrugg bezeichnete ich mich als heruntergekommene Appenzellerin. Nun bin ich wieder zu Hause.»

Manchmal eine Lückenbüsserin

Wir machen uns auf den Weg und laufen durch Schachen. Von allen Seiten werden wir freundlich gegrüsst. Man kennt sich. Im Gespräch der beiden Spaziergängerinnen wird deutlich: Das Ehepaar Langenegger ist seit jeher ein Gespann, das sowohl harmonisch im Gleichschritt gehen als auch jedem seinen eigenen Schritt zugestehen kann. Viele Ämter – Schulratspräsidium, Kantonsratsmandat, Vereinspräsidium – haben beide im Laufe ihrer politischen Karriere bekleidet – aber nie gleichzeitig. «Manchmal bin ich mir schon als eine Lückenbüsserin vorgekommen», sagt die immer noch aufgestellte Appenzellerin. «Immer, wenn Personalnot herrschte, wurde ich für ein Amt angefragt. Zum Beispiel während des Lehrermangels in den 1970er- Jahren. Als vollamtliche Primarlehrerin hatte ich Berufserfahrung in Widnau gesammelt.

Vielerorts im Rheintal war es beinahe unmöglich, Stellvertretungen für Militärdienst und Krankheit zu finden. Man konnte mich brauchen. So bekleidete ich auch das Amt der Schulpräsidentin in Heerbrugg.» So wurden Bildung und Familie für sie über die Grenzen des Privaten hinaus wichtig und Trudi Langenegger wagte den Sprung in den Kantonsrat: «Dabei durfte ich von Beats Erfahrungen profitieren. Er war 16 Jahre lang Kantonsrat.»

Ziel mit Rundumblick

Das Ziel unseres Spaziergangs liegt auf einer Anhöhe und gewährt einen Ausblick auf das Rheintal und das Appenzellerland. Ein perfekter Ort für diese Begegnung. Im Restaurant Sonne Blatten trifft sich – zufällig – eine Runde, die das Ehepaar Langenegger rein privat und nicht als Politiker kennt. Unter ihnen ist sogar Hans Hongler, einst Nachbar in Heerbrugg. Ihre Kinder gingen gemeinsam zur Schule.

Das Städeli in Schachen, Ausgangspunkt des Spaziergangs und das Elternhaus von Trudi Langenegger, hat Ehemann Beat mit eigens erworbenem Fachwissen und viel Einsatz zu einem Bijou gemacht. Die Wiese mit Hochstammobstbäumen ist ein Schatz für Natur und Gaumen. (vdl)

Das Städeli in Schachen, Ausgangspunkt des Spaziergangs und das Elternhaus von Trudi Langenegger, hat Ehemann Beat mit eigens erworbenem Fachwissen und viel Einsatz zu einem Bijou gemacht. Die Wiese mit Hochstammobstbäumen ist ein Schatz für Natur und Gaumen. (vdl)