Illegale Frauen-Abende im «Sternen»

Josef Zarriello muss 310 Franken Busse bezahlen. Er hat bei der Werbung für die «Ladies Nights» im Heerbrugger «Sternen» gegen die Alkohol-Werbe-Bestimmungen verstossen. Obwohl er alkoholfreie Drinks verschenkte. Aber er deklarierte dieses Detail nicht ausdrücklich.

René Schneider
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Josef Zarriello und Corina Lüchinger laden trotzdem jeden Donnerstag Frauen ein zur «Ladies Night». (Bild: René Schneider)

Josef Zarriello und Corina Lüchinger laden trotzdem jeden Donnerstag Frauen ein zur «Ladies Night». (Bild: René Schneider)

Heerbrugg. Mediensprecher Nicolas Rion will nichts zu den angeblich gehäuften Kontrollen der Eidgenössischen Alkoholverwaltung (EAV) im Rheintal in den letzten Wochen sagen. Kontrollen fänden «in der ganzen Schweiz statt, pointiert und risikogerecht». Aktuell ist die Verlockung für Wirte in unserer Gegend gross – auch dank des tiefen Euro-Kurses – (unverzollt) Schnäpse als «Freimenge» etwa 50 Prozent günstiger in Vorarlberg zu kaufen. Das ist für Wiederverkäufer verboten und wird als Steuervergehen geahndet. Weil es schnell um grosse Beträge geht, haben die EAV-Inspektoren und nebenamtlichen Kontrolleure ein besonderes Auge auf Detailhandel und Gastgewerbe. Nebenbei, sagt Rion, achte man eben auch auf die «Handels- und Werbebeschränkungen».

Frauen-Abende

Gegen die Werbebeschränkungen im Zusammenhang mit «gebrannten Wassern» hat Josef Zarriello im «Sternen» verstossen. Er versprach in Werbung und Getränkekarte allen Frauen einen Gratis-Cocktail. Nirgends wies er darauf hin, dass der Gratis-Cocktail alkoholfrei ist. «Mit Gratis-Alkohol lockt man keine Frauen an», sagt Zarriello. Nicht selten würde gar der jetzt offerierte Moscato (Süsswein) abgelehnt mit der Bitte um einen alkoholfreien Drink. Trotzdem verstiess die «Sternen»-Werbung gegen die Gesetze, und die Busse ist rechtens, sagt Nicolas Rion. «Werbung, die Gratis-Cocktails verspricht und dabei Spirituosen nicht explizit ausschliesst, wird als Lockvogelangebot betrachtet und muss von unseren Mitarbeitern geahndet werden.»

Busse wegen Alkoholfreiem

Die strengen Vorschriften und Auflagen in diesem Bereich seien in allen Kantonen Teil der Wirte-Ausbildung. Gastronomen in der Region bestätigen ähnliche Kontrollen der EAV. Aber keiner steht öffentlich dazu, gebüsst worden zu sein. Mancher weiss jedoch von Mitbewerbern, bei denen verbotene Flaschen in der Bar oder im Lager gefunden worden seien, wer die Getränkekarte habe ändern müssen und wer eine Tafel vor der Tür entfernen musste. Zwar gelten die Alkohol-Werbebeschränkungen schon seit dreissig Jahren, aber in den letzten fünf Jahren wurden die Kontrollen besonders bezüglich Werbung und Trink-Animationen verschärft. Ein aktuelles Urteil des Bundesgerichts bestätigt die strenge Auslegung des Gesetzes durch die EAV und die Ahndung der Betriebe, die es mit immer neuen Ideen zu umgehen versuchen.

Wie finden die Kontrolleure die «schwarzen Schafe?» Rion: «Wir verfolgen die Werbung, lesen Schilder und gehen Hinweisen aus der Bevölkerung nach.» Nicht selten würden Gebüsste über die angeblich ungeschoren davon kommende Konkurrenz jammern, die dann genauso besucht und kontrolliert werde.

Auch für Bier und Wein

Noch dürfen Bier und Wein öffentlich beworben und (unter Auflagen) gratis oder verbilligt ausgeschenkt werden. Sie gehören zu den «vergorenen Getränken». Der gesetzliche Umgang damit ist im Lebensmittelgesetz geregelt. Darum darf Zarriello den Donnerstag-Damen einen Moscato oder ein Cüpli offerieren, nicht aber ein «Rotkäppli». Weil dieses Kirsch enthält. Dies soll sich in der Neuauflage des eidgenössischen Alkoholgesetzes ändern. Die Vernehmlassung endete letzten Oktober

Jugendschutz und Steuergelder

Nicolas Rion: Die Unterscheidung von Bier und Wein oder aber Schnaps habe geschichtliche, gesellschaftliche und politische Gründe, die vor hundert Jahren bei der Gesetzgebung als wichtig erachtet wurden. Heute gehe es eher darum, den Schutz der Jugend vor den Gefahren des Alkohols aufrechtzuerhalten und «wo sinnvoll und zielführend zu erweitern». Produktions-Hemmnisse in der Schweiz sollen aber abgebaut werden.

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