Ideen für die Wirtschaft

Trotz der heutigen schwierigen Situation gehe es der Schweiz nach wie vor gut, wurde am 22. Rheintaler Wirtschaftsforum festgestellt. Dies sei aber keine Garantie für die Zukunft – weitere Regulierungen dürfe es nicht geben.

Max Tinner
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750 Interessierte aus Wirtschaft und Politik liessen sich am 22. Rheintaler Wirtschaftsforum von renommierten Rednern inspirieren – und von der A-cappella-Gruppe Bliss unterhalten. (Bild: Max Tinner)

750 Interessierte aus Wirtschaft und Politik liessen sich am 22. Rheintaler Wirtschaftsforum von renommierten Rednern inspirieren – und von der A-cappella-Gruppe Bliss unterhalten. (Bild: Max Tinner)

WIDNAU. Musik wummerte zum Auftakt über die Köpfe hinweg, basslastig, dramatisch. Man spürte: Hier geht es um Wichtiges. Über 750 Interessierte aus Wirtschaft und Politik waren derselben Ansicht und darum in die Aegetenhalle gekommen. Nicht nur aus der Region. Das Rheintaler Wirtschaftsforum ist längst eine der bedeutendsten Veranstaltungen dieser Art in der Ostschweiz. Zum Meinungsaustausch, zur Kontaktpflege – und als Inspirationsquelle.

Neue Ideen werde man an diesem 22. Wirtschaftsforum zu hören bekommen, war versprochen worden. Solche, die die Schweiz wettbewerbsfähiger machen. In einer Zeit der allgemeinen Verunsicherung und wirtschaftlicher Probleme hört man sich die Vorschläge erfolgreicher Wirtschaftskapitäne und scharfsinniger Denker gerne an und sei es nur um zu prüfen, ob sie für einen selbst etwas taugen.

Vor allem machten die Redner Mut: «Bei allen Problemen, die wir haben, sind wir nach wie vor ein sehr erfolgreicher Standort», sagte bereits zur Eröffnung des Nachmittags der St. Galler Regierungspräsident und Volkswirtschaftsdirektor Benedikt Würth.

Rheintal im brasilianischen TV

Dass in der Schweiz nach wie vor Verhältnisse herrschen, wie sie im Ausland längst undenkbar sind, unterstrich die Einspielung einer brasilianischen Fernsehreportage über die Schweiz. Dass man hierzulande das Wasser aus hundert Jahre alten Brunnen am Strassenrand trinken kann, ist für Südamerikaner kaum zu glauben. Noch viel weniger, dass man in Blumenfeldern am Strassenrand selbst Lilien schneiden darf und dafür bezahlt, indem man Geld in ein nicht überwachtes Kässeli wirft. Der Lobgesang auf die schweizerischen Verhältnisse mag uns Rheintaler umso mehr freuen, als das gezeigte Blumenfeld jenes war, das an der Hauptstrasse zwischen Altstätten und Kriessern liegt.

Auch unsere Wirtschaft stehe im internationalen Vergleich noch immer gut da, meinte Hans Hess. Dies, weil sie sehr agil und anpassungsfähig sei. Dass auch rund 10 000 Stellen abgebaut und zum Teil ins Ausland verlagert worden sind, beschönigte der Swissmem-Präsident und frühere Leica-Geosystems-Chef nicht. Jede gestrichene Stelle tue weh – von einer De-Industrialisierung könne man bei 330 000 Stellen in der Branche aber nicht reden. Der Stellenabbau helfe den Unternehmen zudem, konkurrenzfähig zu bleiben. Nach einem Anpassungsprozess würden neue Arbeitsplätze geschaffen – wenn auch andere.

Auf den Kunden fokussieren

Hess gab den Wifo-Teilnehmern weiter einige Tips mit auf den Weg, die ihnen helfen sollen, aus der heutigen Situation neues Wachstum zu generieren – mit Innovation, mit der Wahl der geeignetsten Beschaffungs- und Absatzmärkte und indem sie enger mit ihren Kunden zusammenarbeiten, schnell und agil auf deren Wünsche eingehen und ihnen mit neuen Dienstleistungen noch mehr bieten.

Wirtschaftswissenschafter und Glücksforscher Bruno S. Frey von der Uni Basel plädierte ausserdem dafür, den Mitarbeitenden erfüllende Jobs zu bieten. Glückliche Mitarbeiter arbeiteten besser, schneller und produktiver. Entscheidend sei dabei nicht ein besonders hoher Lohn, sondern ein möglichst grosser Freiraum bei der Arbeit.

Nicht noch mehr regulieren

Josef Ackermann, der frühere Konzernchef der Deutschen Bank, forderte wie Hans Hess eine liberale, möglichst wenig reglementierte Wirtschaftsordnung. Mehr Bürokratie erträgt es nicht», warnte Hess. Und Ackermann forderte von der Politik zusätzlich zur Schuldenbremse auch eine Regulierungsbremse. Swiss-Verwaltungsratspräsident Bruno Gehrig wünschte sich eine geringere Regulierung im Besonderen für den Flughafen Zürich: Die Luftfahrt sei essenziell für die Wettbewerbsfähigkeit der Schweiz, betonte er und wies darauf hin, dass gemessen am Wert ein Drittel der Exporte per Luftfracht abgewickelt werde.

Der Bevölkerung wurde mehr Weltoffenheit ans Herz gelegt: «Wir sind eine Exportnation par excellence», meinte Josef Ackermann, «Weltoffenheit gehört damit zur Schweiz wie die Demokratie und der Föderalismus.» Er mahnte im Besonderen, die bilateralen Verträge nicht zu gefährden. «Süddeutschland ist für uns als Handelspartner immer noch viel wichtiger als China.»

Hans Hess rief alle Akteure auf, am selben Strick zu ziehen: «Wenn wir es schaffen, zusammenzurücken, sind wir unschlagbar!» Die Spitzenposition der Schweiz gelte es zu verteidigen, mahnte abschliessend auch René Wuffli, der Präsident des Arbeitgeber-Verbands des Rheintals. Die Schweizer Wirtschaft sei gut aufgestellt und sie wäre es noch besser ohne weitere Reglementierungen: «Denn der Erfolg ist nicht garantiert.»

? 22. RHEINTALER

WIRTSCHAFTSFORUM 42 und 43

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