Porträt
«Ich wollte immer Polizist werden»: Ein Kriessener über seinen Traumberuf

Patrick Dietsche aus Kriessern hat seinen Traumberuf gefunden: Er arbeitet bei der mobilen Polizei in Thal.

Benjamin Schmid
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Patrick Dietsche liebt die Abwechslung und Vielseitigkeit seines Berufes.

Patrick Dietsche liebt die Abwechslung und Vielseitigkeit seines Berufes.

Bild: pd

Es war ein normaler Einsatz. Zwei Betrunkene gerieten aneinander, Patrick Dietsche und sein Kollege schlichteten und verhörten die beiden Unruhestifter getrennt voneinander. Die Stimmung war ruhig und keiner war aggressiv, sodass sich die Polizisten verabschiedeten. «Ich lief die Treppe hinunter, als ich hinter mir einen lauten Knall hörte», sagt Patrick Dietsche. Kaum hatte er sich umgedreht, sah er ein kleines Schuhregal auf sich zufliegen.

Vorfälle wie dieser sind Grund dafür, weshalb der Kriessener seinen Job bei der Polizei als Traumberuf bezeichnet. «Er ist sehr abwechslungsreich und es passiert jeden Tag etwas Neues», sagt der 28-Jährige. Es sei toll, bei Arbeitsbeginn nicht zu wissen, wo man lande. Je nach Einsatz oder Auftrag verändere sich die Tätigkeit in kürzester Zeit.

Die Gefahr ist ständiger Begleiter

Seit 2015 ist der gelernte Konstrukteur bei der Kantonspolizei St.Gallen angestellt. Bevor er im Sommer letzten Jahres zur mobilen Polizei Thal wechselte, hatte er drei Jahre in Mels gearbeitet. Schon früh wusste er, dass er einmal Polizist werden würde. Auch wenn der Beruf nicht nur erfreuliche Aspekte mit sich bringe, könnte er sich momentan keine andere Arbeit vorstellen. Dieser Beruf ist statistisch nicht gefährlicher als andere, die Gefahr aber ständiger Begleiter. Eine Schiesserei sei glücklicherweise nicht alltäglich, doch wie im genannten Beispiel könne die Stimmung bei jedem Einsatz kippen. Damals war sein Glück, dass der Betrunkene nur das Treppengeländer, nicht aber ihn getroffen hatte.

Ein weiterer Aspekt, der nicht vernachlässigt werden dürfe, seien die teils belastenden Einsätze. Wie damals, als er als erster zu einem Verkehrsunfall ausrückte: «Die Ambulanz war noch nicht vor Ort und wir mussten zu zweit mit drei schwer verletzten Personen klarkommen», sagt Patrick Dietsche. Vor allem als er hörte, dass es eine Person nicht überlebt hatte, beschäftigte ihn das tragische Ereignis eine Weile und er brauchte Zeit, es zu verarbeiten. Wenn möglich versuche er, solche Erlebnisse nicht zu nahe an sich herankommen zu lassen, was noch schwerer falle, wenn Kinder beteiligt sind. Dann helfe es ihm, mit seiner Frau zu reden.

Dank Ruhestörung Idol kennen gelernt

Ablenkung findet Patrick Dietsche in der Familie mit seinem neugeborenen Kind oder bei der Planung des neuen Hauses. Darüber hinaus liebt er es, am St.Anton zu biken oder sich bei einem Eishockeymatch seines Lieblingsvereins HCD zu entspannen. In seiner Freizeit dreht sich vieles um Sport – einerseits übt er verschiedene Sportarten aus, andererseits präsidiert er seit 2016 den KTV Kriessern. Doch auch in seinem Beruf war es ein Sportler, der ihm einen unvergesslichen Einsatz bescherte. «Wir wurden zu einer Ruhestörung gerufen – dort begegnete ich meinem Lieblingseishockeyspieler», erzählt der Polizist.

Es gibt viele weitere schöne und sehr spezielle Erlebnisse. Grundsätzlich ist Patrick Dietsche dann zufrieden, wenn es seine «Kundschaft» auch ist. Umso schöner sei es, wenn Einsätze auch zu lachen geben, wie damals in Mels, als er an der Fasnacht zu einer Liegenschaft ausrücken musste, wo eine junge Frau angeblich in einem Schrank eingesperrt war. «Kaum angekommen, hörten wir die weinerliche Frau um Hilfe schreien», sagt Patrick Dietsche. Als er im Haus der Stimme folgend um eine Ecke bog, traf er auf eine Frau im Superwoman-Kostüm, die, auf einem Schuhregal sitzend, vergeblich versuchte, die Wohnungstüre zu öffnen. Dabei schrie sie, man möge sie aus der misslichen Lage befreien. Das taten die Polizisten, indem sie der betrunkenen Superwoman den Weg nach draussen zeigten.

Die Augen zudrücken und mit Blaulicht fahren

Abgesehen von den speziellen Einsätzen bestehe seine Aufgabe darin, Sicherheit, Ruhe und Ordnung zu schaffen und die Einhaltung der Gesetze durchzusetzen. Da nütze es auch nichts, wenn die verdächtige Person sympathisch sei. «Jede Person ist gleich zu behandeln», sagt Patrick Dietsche. Während man beispielsweise bei einer Verkehrskontrolle aufmüpfigen und unfreundlichen Zeitgenossen gegenüber sicher kein Auge zudrücke, könne es aber sein, dass man es bei anständigen Personen eher einmal mache.

Im Zuge von Routinekontrollen im Strassenverkehr sei es schon vorgekommen, dass er Bekannte oder Freunde angehalten habe. Zu einer Anzeige sei es dabei noch nie gekommen. Und falls doch, müsste sein Arbeitskollege die Anzeige entgegennehmen, da er voreingenommen wäre. «Selbstverständlich dürfen wir auch einmal das Blaulicht einschalten, um einigen Kindern eine Freude zu bereiten», sagt der Polizist, «nicht aber, um früher in den Feierabend zu kommen.»