«Ich wohnte einst in Oberriet»

Der CEO der Raiffeisen-Gruppe Schweiz referierte gestern vor Kriessner Gewerblern. Danach gab uns Pierin Vincenz folgendes Interview.

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Pierin Vincenz gestern in Kriessern. (Bild: René Schneider)

Pierin Vincenz gestern in Kriessern. (Bild: René Schneider)

Pierin Vincenz, haben Sie Kriessern ohne Navi gefunden?

Pierin Vincenz: Natürlich. Ich kenne Kriessern gut, weil ich vor über dreissig Jahren während drei Jahren in Oberriet gewohnt habe. (lacht) In einer sehr einfachen Wohnung an der Hauptstrasse, für 180 Franken Miete pro Monat. Wir sparten für gemeinsame Reisen.

Wo arbeiteten Sie?

Vincenz: Bei einem Treuhandunternehmen in St. Gallen. Meine Frau war damals Lehrerin in Oberriet, und darum lebten wir dort.

Warum kamen Sie heute zu den Kriessner Gewerblern?

Vincenz: Die Raiffeisenbank Kriessern hat mich eingeladen, und der Kontakt zum Gewerbe ist uns als Raiffeisen-Gruppe sehr wichtig. Wenn ich dazu einen Beitrag leisten kann, komme ich gern. Ich schätze bei solchen Anlässen den direkten Kontakt mit Kunden und Angestellten vor Ort.

Nehmen Sie öfters solche Termine wahr?

Vincenz: Ja, regelmässig. Es ist wichtig, dass man als Banker rausgeht zu den Leuten und zu den Kunden, Kontakte pflegt und mit allen diskutiert. Das gilt natürlich auch für die eigenen Leute vor Ort. Ich bin ein- bis zweimal pro Woche irgendwo in der Schweiz an solchen und ähnlichen Anlässen.

Müssen Sie sich nicht um den Bundesrat, das Parlament und die Abmachungen mit den USA kümmern?

Vincenz: In meiner Funktion habe ich natürlich auch eine Verantwortung, die manchmal über diejenige gegenüber Raiffeisen hinaus geht. Im Moment sind wir in einer solchen Phase. Man muss sich in solchen Zeiten halt noch etwas besser organisieren. Aber auch diese Dinge sind dann irgendwann geregelt, und dann kann man sich wieder auf die Zukunft konzentrieren.

Der sogenannte Banken-Deal mit den USA war das Hauptthema der Kriessner Gewerbler heute in der Diskussion. Hat Sie eine der Fragen überrascht?

Vincenz: Es ist für mich immer wieder interessant zu erleben, dass die Fragen im Zusammenhang mit dem Finanz- und Werkplatz Schweiz nicht nur die Bankenwelt und die Industrie interessieren, sondern alle. Umso wichtiger ist es, dass wir hinausgehen zu den Menschen und ihnen unser Handeln und unsere Standpunkte erklären. Dies durchaus zusammen mit den Politikern, aber wir dürfen das nicht den Politikern allein überlassen.

Patrick Quauka, der Leiter der Raiba Kriessern, hat schalkhaft angemerkt, die Initiative 1:12 sei in Kriessern und seiner Bank kein Thema. Gilt das genauso für die Raiffeisen-Gruppe?

Vincenz: Wir haben ein anderes Konzept, indem wir eine maximale Limite festlegen. Das haben wir schon vor Jahren in Diskussionen mit den Genossenschaften so etabliert. Ich finde es wichtig, dass jedes Unternehmen für sich ein eigenes Konzept festlegen und nach aussen auch zeigen kann. Aber eine staatliche Verordnung dazu braucht es nicht.

Sie haben in Ihrem vergnüglichen Referat viel Privates preisgegeben. Daher die Frage: Was machen Sie heute Nachmittag und am Abend?

Vincenz: Heute Nachmittag habe ich eine Sitzung in St. Gallen, und ab fünf Uhr werde ich an der Maturafeier meiner Tochter sein. Ich musste mich entscheiden zwischen diesem Anlass und der Arena des Schweizer Fernsehens am Abend zum Finanzplatz Schweiz. Ich freue mich auf die Maturafeier.

Sie kamen zu Fuss zum Pfarreizentrum. Wo steht Ihr Auto?

Vincenz: Ich kam mit dem Chauffeur her. Er wird das Auto wohl irgendwo in den Schatten gestellt haben, nehme ich an.

Interview: René Schneider

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