«Ich wäre gerne gesprungen»

DIEPOLDSAU. In der Wasserrettung kooperiert die Feuerwehr mit der SLRG. Am Samstag demonstrierten sie, wo Gefahren im und am Rhein liegen und wie die Rettung abläuft. «Wir haben alle Ziele erreicht», sagte Einsatzleiter Jorge Esteban.

Monika von der Linden
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Der Schwimmer rettet den Suizidwilligen bei starker Strömung.

Der Schwimmer rettet den Suizidwilligen bei starker Strömung.

«Ich war überrascht, wie lange der Verletzte im Wasser liegen musste, bevor er aus dem Rhein geborgen wurde», sagte Jakob Weder aus Diepoldsau. Er war am Samstagmorgen auf den Rheindamm bei der Rietbrücke gekommen, um die Rettungs-Demonstration zu beobachten.

Es kam ihm lange vor, weil er das Übungsszenario kannte: Eine Person aus Kriessern wurde vermisst und man vermutete, sie sei in den Rhein gefallen. Die Suche begann dort, wo der Vermisste zuletzt gesehen worden war – 400 Meter rheinaufwärts der Rietbrücke. Feuerwehr und Wasserrettung suchten den Fluss vom Ufer und von einem Raft (Schlauchboot) aus ab. Sie fanden den Vermissten am Ufer liegend und bewusstlos vor, bargen ihn aus dem Wasser und übergaben ihn den Rettungssanitätern zur Erstversorgung.

Kooperation seit einem Jahr

Er habe nicht gewusst, dass die Kompanie Diepoldsau der Feuerwehr Mittelrheintal in die Wasserrettung involviert ist, sagte Jakob Weder. «Ich dachte die SLRG Mittelrheintal sei allein zuständig.» Das wurde nach dem Hochwasser im Juni 2013 geändert. «Es ergab für die Feuerwehr Berneck-Au-Heerbrugg keinen Sinn, eine eigene Struktur der Wasserrettung aufzubauen», sagte Enzo Termine (Mitglied des Kommandos). Seit einem Jahr kooperiert sie mit der SLRG Mittelrheintal (Schweizerische Lebensrettungs-Gesellschaft). Weitere Partner sind die Feuerwehr Mittelrheintal, die Rettung St. Gallen, das Rheinunternehmen und die Wasserrettung ennet des Rheins. Eine Ausweitung der Zusammenarbeit auf die Feuerwehren der Gemeinden Rüthi, Oberriet und St. Margrethen wird erwogen.

«Das ist gut zu wissen», meinte Jakob Weder. In den 1960er-Jahren war sein Vater Rheinholzer. Weil er zu jung war, fuhr er nie im Boot mit, sondern half am Ufer. «Um ein Haar wäre er mit dem Boot gegen einen Brückenpfeiler getrieben worden. Dann hätte die Wasserrettung auch nichts genützt.»

Zeitgefühl verloren

Es dauerte 15 Minuten nach dem Alarm, bis Michael Stöckl aus dem 11,2 Grad kalten Rhein gerettet wurde. «Mir kam es länger vor», sagte der Figurant – ausgebildeter Rettungsschwimmer und Taucher. «Ich hatte kein Zeitgefühl, weil ich nicht mitbekam, was um mich herum geschah.» Ein Ohr und ein Auge waren unter Wasser. Im Gegensatz zum Ernstfall wusste er, er würde sicher geborgen werden. «Aber ich war ja bewusstlos und hätte gar nichts gemerkt.»

Michael Stöckl bereitet es Freude, dass er mit seinem Hobby bei der SLRG Gutes tun kann. «Ich wäre gerne von der Brücke gesprungen», sagte er, als er die nächste Demonstration beschrieb: Ein Suizidwilliger wollte springen. Passanten wurden aufmerksam und alarmierten den Notruf. Er sprang dennoch. Der Rhein führte zu wenig Wasser, es wurde eine Puppe von der Brücke gestossen und Stöckl übernahm, als sie im Wasser landete.

«Ich bin überrascht, wie genau der Schwimmer ihn erwischt hat», sagte Brigitte Wälter aus Altstätten. Als Mitglied eines Samaritervereins interessiert es sie, wie die Wasserrettung arbeitet. «Was wäre, hätte er ihn nicht erwischt?» Es wäre eine Personensuche wie in der ersten Demonstration gestartet worden.

In Gefahr trotz Absperrung

Die dritte Ausgangslage: Der Rhein war ins Vorland gelaufen und führte Wasser in drei Rinnen. Obwohl das Vorland gesperrt war, gingen Passanten auf den Damm. Weil sie sich nicht aus eigener Kraft retten konnten, wurden sie von der Brücke aus über eine Leiter evakuiert. Einer hatte sich am Fuss verletzt und wurde mit dem Raft geborgen. Weil das Vorland am Samstag trocken war, demonstrierten die Retter das Vorgehen auf dem Rhein. Auch hier kamen alle Beteiligten sicher und wohlbehalten ans Ufer.

Alle Ziele erreicht

«Die Übung lief überraschend gut. Wir haben alle Ziele erreicht», sagte Einsatzleiter Jorge Esteban. «Mit der Demonstration zeigen wir der Bevölkerung, wie wir organisiert sind. Wir wollen ihr ein Sicherheitsgefühl geben.» Die Wasserrettung lagert ihre Ausrüstung im Depot der Feuerwehr Berneck-Au-Heerbrugg und fährt mit ihr zum Einsatzort. Weil sie keine Blaulichtorganisation ist, wird zuerst die Feuerwehr alarmiert. Sie bietet die SLRG bei Bedarf auf.

Vor drei Monaten erlebte Jorge Esteban einen Ernstfall. Es gab einen Suizidversuch auf der Zollbrücke in Au. «Wir wurden aufgeboten, mussten aber nicht mehr ausrücken.» Den Zöllnern war die Rettung bereits geglückt.

Die Evakuierung vom Rheindamm ans Ufer simulieren die Einsatzkräfte auf dem Rhein. (Bilder: Monika von der Linden)

Die Evakuierung vom Rheindamm ans Ufer simulieren die Einsatzkräfte auf dem Rhein. (Bilder: Monika von der Linden)

Bewusstlos und mit Schnappatmung – der Vermisste vor der Rettung.

Bewusstlos und mit Schnappatmung – der Vermisste vor der Rettung.

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