«Ich umarme Sie gerade!»

ST. MARGRETHEN. Das Mineralheilbad St. Margrethen ist gerettet. Die ITW Ingenieurunternehmung AG aus Balzers hat es gekauft, wird es sanieren und weiterführen. Die Freude bei den Badegästen und Mitarbeitenden ist gross.

Monika von der Linden
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Blick aus dem Ratssaal in St. Margrethen: Die Rettung des Mineralheilbads hat Gemeindepräsident Reto Friedauer nie aus den Augen verloren. (Bilder: Monika von der Linden)

Blick aus dem Ratssaal in St. Margrethen: Die Rettung des Mineralheilbads hat Gemeindepräsident Reto Friedauer nie aus den Augen verloren. (Bilder: Monika von der Linden)

«Jetzt gehe ich mit Freude Eier suchen», sagte Gemeindepräsident Reto Friedauer am Ende der Medienorientierung am Donnerstag. Kurz zuvor hatten er sowie der inzwischen ehemalige Inhaber und Verwaltungsratspräsident Jakob Bolt die Botschaft verkündet: Ralf Hora, Geschäftsführer der ITW, hat die Aktien des Mineralbads am Mittwoch gekauft.

Lange Schlange an der Kasse

Wenige Minuten vor der Orientierung nahm die Journalistin Augenschein beim Mineralheilbad. Die Parkplätze waren gut belegt. Es herrschte reges Treiben. Viele Gäste kamen vom Baden zurück oder standen in der Schlange vor der Kasse. Sie wollten noch ein wohltuendes Bad geniessen – so wie es in St. Margrethen seit Jahrzehnten üblich ist. Auch war es Ziel, so viel wie möglich der gelösten Eintrittskarten oder Abos in einen Gegenwert umzuwandeln. Seit Monaten war klar, am Ostersamstag wird das Mineralbad schliessen – für immer. So schien es – bis am Donnerstag.

Um einen fairen Deal gekämpft

«Wir haben mit Hochdruck und mit Herzblut gekämpft. Das Mineralbad gehört zu St. Margrethen wie der Ribel zum Rheintal», sagte Friedauer. «Wir haben auf partnerschaftlicher Ebene einen Deal erkämpft. Mit der Totalsanierung ändern sich die Marktchancen.» Es sei höchst erfreulich, dass die Arbeitsplätze am Ort bleiben, denn kompetente Kräfte brauche das Bad wieder.

«Ich bin froh, haben wir eine Lösung gefunden», sagte Jakob Bolt. Von klein auf sei das Bad für ihn mit Herzblut verbunden. Er sprach mit Stolz von seinen Mitarbeitenden. Speziell in den letzten Monaten, die sehr schwer für alle waren, haben sie sich für das Bad eingesetzt. Zum Schluss seien pro Tag etwa 400 Besucherinnen und Besucher gezählt worden.

Bolt blickte zu Friedauer hinüber: «Er hat sich in jeder Hinsicht eingesetzt. Ich glaube, das hätte nicht jeder so gemacht.» Dieser Äusserung war die Frage vorausgegangen, ob eine Rettung durch die Gemeinde zur Diskussion gestanden habe. Sie sei schon diskutiert worden. Er habe stets gesagt, die Gemeinde komme als Investor nicht in Frage. Er sei als Vermittler aufgetreten und hätte Hand geboten, antwortete Friedauer.

Szenenwechsel

Erneut ein Augenschein am Eingang des Bades. Die Schlange vor der Kasse ist eher länger geworden. Die Neuigkeiten, dass die Schliessung nur befristet sein werde, hatte sich noch nicht herum gesprochen. «Das finde ich gut», sagte Lina Bischofberger aus Oberegg, als sie die Nachricht von der Journalistin erfährt. Sie wirkte ein wenig verunsichert, weil überrascht. Erst als sie verstand, dass die Gutscheine und Abos nicht verfallen werden, sagte sie: «Schön, geht es weiter!»

«Ich umarme Sie gerade!», rief Isolde Mayer und liess nicht lange auf diese Geste der Freude warten. «Ist das wahr, das wäre ja wahnsinnig. Dann erzählte sie, sie komme seit 30 Jahren jede Woche aus Nenzing, um einen Gesundheitstag im Mineralheilbad zu geniessen. In der Zwischenzeit kam ihre Kollegin, Ida Skulhala, durch die Tür. «Es geht weiter», rief sie ihr begeistert zu. «Wir kommen wieder!»

Friedrich Dofner aus Lindau ist ebenfalls Stammgast. Die soeben erfahrene Neuigkeit mochte er sofort weitergeben. Er drehte sich zu der Mitarbeiterin an der Kasse und rief ihr zu: «Es geht weiter!», dreht sich erneut, «das soll sie wissen.» Er sei 81 Jahre alt und schon gekommen, als es noch kein Aussenbecken gegeben hatte. Im Vergleich zu anderen Heilbädern habe das in St. Margrethen ein grosses Problem, fachsimpelte er.

Das Wasser mit den Mineralien sei gut, aber kalt. Es müsse aufgeheizt werden, und das sei teuer. Er habe schon überlegt, in welches Bad er nach der Schliessung ausweichen könnte. Jetzt sei ihm aber klar, nach der Sanierung komme er wieder.

Esther Nufer aus Altstätten ist eine der Mitarbeiterinnen, die noch keine neue Stelle gefunden haben. Diese Woche sei sie beim RAV gewesen. Sie empfinde den Zusammenhalt im Team als gut und angenehm. «Wir sind füreinander da. Eine Extraschicht zu machen, damit jemand anders einen RAV-Kurs besuchen kann, ist für mich selbstverständlich.» Viele hätten bis zuletzt gehofft, dass es weitergehe. Sie könne sich vorstellen, sich wieder zu bewerben.

Sie sind von der Zukunft des Mineralheilbads überzeugt: Reto Friedauer (von links), Ralf Hora (ITW) und Jakob Bolt (Mineralheilbad).

Sie sind von der Zukunft des Mineralheilbads überzeugt: Reto Friedauer (von links), Ralf Hora (ITW) und Jakob Bolt (Mineralheilbad).

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