«Ich spiele nicht mich selbst»

Zwei Jahre Vorbereitungszeit neigen sich dem Ende zu. Am 27. Februar feiert die Kantonsschule Heerbrugg die Premiere des Musicals «Little Shop of Horrors». Nach einer Probe sprechen Akteure über ihre Rollen und das Stück.

Monika von der Linden
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Joel Küng (Seymour) und Amber Sieber (Audrey) unterhalten sich über ihre Arbeit im Blumenladen, dem «Little Shop of Horrors». (Bild: Monika von der Linden)

Joel Küng (Seymour) und Amber Sieber (Audrey) unterhalten sich über ihre Arbeit im Blumenladen, dem «Little Shop of Horrors». (Bild: Monika von der Linden)

HEERBRUGG. «Die Schauspielszenen sitzen gut, ebenso der Gesang. Nun gilt es, beide Parts zusammenzuführen, erst dann ist das Ensemble bühnenreif.» Das schrieb diese Zeitung im September vergangenen Jahres.

Nun dauert es noch fünf Wochen bis zur Premiere. Um die Bühnenreife für das Musical «Little Shop of Horrors» zu erreichen, proben die 82 beteiligten Kantischüler intensiv. Sie bewegen sich in charakteristischen Kostümen sicher auf der Bühne. Der Zuschauer blickt beim Eintreten in die Aula auf den farbigen Blumenladen. Ein Kontrast zum übrigen Grau der Bühne.

Gesang und Schauspiel

Immer wieder gehen Schüler und Lehrer eine Szene durch. Schauspiel und Gesang sollen harmonieren und der Kontakt zum noch imaginären Publikum nicht abreissen. Ausserdem sind alle Rollen doppelt besetzt. Das erhöht zwar den Aufwand, die Akteure können aber studieren, wie ihre Kollegen die gleiche Rolle ausfüllen.

Als für den Probentag die Scheinwerfer erlöschen, reden sechs Hauptdarsteller über ihren Part und das grosse Projekt. Ist es sprichwörtlich der Horror?

«Nein!», sagen alle spontan. Auf den Ausgang muss nämlich niemand verzichten. Manchmal sei es amüsant, meint Elias Segmüller (Seymor) und erzählt von einem Kommentar, den Adam Szwed über die Co-Regisseurinnen Simone Bischof und Milena Todic abgegeben hat. «Während sie darüber diskutieren, wie wir eine Szene spielen, sehen sie aus wie die beiden Opas auf dem Balkon in der <Muppet Show>», sagt Adam Szwed. «Die Regisseurinnen stecken uns an mit ihrer Freude am Stück», fügt Elias Segmüller hinzu.

«Ich finde das Projekt trotz des Zeitaufwands sehr gut», sagt Joel Küng (Seymour). Er habe dank des Vocal-Coachs Christian Büchel Fortschritte beim Singen gemacht und gelernt, sich sicher auf der Bühne zu bewegen.

Elias Segmüller tat sich anfangs schwer, den naiven und ausgegrenzten Seymour darzustellen. «Ich spiele nicht mich selbst.» Andri Graf hingegen fühlt sich wohl in der Rolle des Zahnarztes: «Er hat ein gesundes Selbstvertrauen und ist – wie ich auch – zufrieden mit sich selbst.» Jedoch grenze er sich von den heuchlerischen und sadistischen Zügen des Charakters ab.

Das Soziopathische spielen

Die Zweitbesetzung der Figur, Adam Szwed, räumt ein, er habe Hemmungen bei den handgreiflichen Szenen. «Ich kann schon mürrisch sein, reagiere aber verbal und habe Mühe, jemanden am Kragen zu packen. «Es ist interessant, das Soziopathische an ihm zu spielen.»

Im Zentrum des Stücks steht Seymours eigenartige Pflanze. Er nennt sie nach seiner Angebeteten Audrey II. Eifersüchtig sei sie nicht, sagt Corinne Mattle (Audrey). «Ich fühle mich geschmeichelt, dass Seymour die Pflanze, die ihm viel Erfolg bringt, nach mir benennt.» Audrey sei nicht gerade die Hellste», sagt die Zweitbesetzung Amber Sieber. «Ihr Auftreten ist zwar sexy, aber nur eine Fassade.» Es gibt in der Geschichte viele gruselige und skurrile Szenen. Corinne Mattle: «Die Pflanze aus dem Weltall ernährt sich von Menschenfleisch. Es ist sehr spannend zu sehen, welche Entwicklung die Menschen durchmachen.» Der Horror sei, dass eine scheinbar harmlose Pflanze eine unglaubliche Geschichte in Gang setze. Es gibt auch viel zu lachen. «Die Musik ist unterhaltsam und mitreissend. Lauter Ohrwürmer», sagt Joel Küng. Es gibt jüdischen Tanz, Polka, Balladen und romantische Stücke.

Premiere ist am Freitag, 27. Februar, 20 Uhr. Der Vorverkauf hat begonnen. Tickets gibt's bei den Poststellen und unter www.ksh.edu.