«Ich kämpfe weiter, solange ich lebe»

Oberriet. Seit gestern darf Hans Raab seine Fischfabrik wieder betreten. Sein Medienberater Peter Ziegler hat ihm abgeraten, gleich vor die Medien zu treten. Aber für Raab ist das eingestellte Konkursverfahren mehr als nur eine Genugtuung.

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Hans Raab ist zurück, mit viel neuem Kampfgeist. (Bild: Max Tinner)

Hans Raab ist zurück, mit viel neuem Kampfgeist. (Bild: Max Tinner)

Oberriet. Seit gestern darf Hans Raab seine Fischfabrik wieder betreten. Sein Medienberater Peter Ziegler hat ihm abgeraten, gleich vor die Medien zu treten. Aber für Raab ist das eingestellte Konkursverfahren mehr als nur eine Genugtuung. Es ist für ihn ein kleiner Triumph, ein Etappensieg im dauernden Kampf gegen Behörden, Tierschützer und eben auch gegen die Bauunternehmer, mit denen er seit dem Bau der Fischfabrik in den Jahren 2007 und 2008 im Streit liegt und die das Konkursverfahren angestrengt haben.

Neu erwachter Kampfgeist

Dass das Konkursamt ihm die Verfügungsgewalt über seine Fischfarm zurückgegeben hat, gibt ihm neue Kraft. Zuletzt sah die Öffentlichkeit den deutschen Putzmittelmillionär mit Liechtensteiner Wohnsitz nach einer Hüftoperation 2009 im Rollstuhl. Ein Medientermin 2010 wurde abgesagt, nachdem Hans Raab einen Herzinfarkt erlitten hatte. Gestern Mittag nun tritt er wieder vor die Kameras, auf einen Rollator abgestützt zwar, aber aufrecht, Kraft und Willen demonstrierend.

«Ich kämpfe weiter, solange ich lebe», spricht er rebellisch in die Mikrophone, wohl auch an die Adresse von Kantonstierarzt Thomas Giger gerichtet. «Giger und Raab werden sich in diesem Leben kaum je einig werden», umschreibt Raab-Berater Ziegler das Verhältnis zwischen den beiden. Sogar einen EU-Kommissär hat man aus Brüssel einfliegen lassen, ein Isländer und laut Raab Experte für Fischzucht. Doch dieser gibt sich wortkarg – er will sich die Anlage erst ansehen und sich erklären lassen, warum Raab in seiner Fischfabrik die Fische nicht so schlachten darf, wie dieser es als richtig und tiergerecht empfindet.

Inmitten der Medienschaffenden steht Oberriets Gemeindepräsident, Rolf Huber. «Ich steh hier schon seit elf Uhr rum», sagt er um halb eins. Man habe ihn bereits auf die Schlüsselübergabe eingeladen, dann aber doch nicht hineingelassen. «Isch jo gliich», meint er. Weniger gleich ist ihm der Verlauf der Medienkonferenz. Huber wäre lieber, es würde über das auf dem Dach der Fabrik geplante Solarkraftwerk (siehe «Rheintaler» und «Volkszeitung» von gestern) geredet anstatt über die leide Fischgeschichte.

Raab scheint ein Einsehen zu haben und lädt zum Kaffee. Dann sticht ihm ein noch nicht entferntes Klebesiegel des Konkursamtes am Haupttor-Schlüsselschalter ins Auge. Es leistet ihm Widerstand. Gemeindepräsident Huber hat Erbarmen: «Lassen Sie nur, ich kratz es weg», meint er, «dann müssen Sie dem Konkursamt keine Rechnung dafür stellen.» Raab überhört die als Scherz gedachte Stichelei.

«Immer für Spässe zu haben»

Minuten später signiert Hans Raab den Anwesenden seine kürzlich erschienene Biographie, «70 Jahre im Dienst der Umwelt: damit Mensch, Tier und Natur eine Chance haben». Ein TV-Reporter fragt: «Signieren Sie auch eine für Kantonstierarzt Giger?» Raab schaut säuerlich drein. «Ich bin immer für Spässe zu haben», sagt er. Für diesen offenbar nicht. Max Tinner

ostschweiz 27

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