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«Ich dürfte noch lauter hupen»

REGION. In einem Leserbrief beklagt sich Rolf Studer vor allem über nächtliche Sirenen-Fahrten des Rheintaler Notarztes. Nachstehend ein Interview dazu mit Notarzt Rolf Schück.
Notarzt Rolf Schück an einem Unfallplatz. (Bild: pd)

Notarzt Rolf Schück an einem Unfallplatz. (Bild: pd)

Rolf Schück, Leser Rolf Studer fragt in seinem Leserbrief in der Mittwoch-Ausgabe: Muss es so laut sein? Was antworten Sie ihm?

Rolf Schück: Die Sirene des Notarzteinsatzfahrzeuges des Notarztdienstes Rheintal ist so laut, wie sie ist: 111,5 dB in 7 m Abstand (amtlich gemessener Schallpegel). Die «Dezibelkapazität» eines kampfbereiten Düsenjets beträgt ca. 145 dB in 7 m Abstand. Falls das jemand überleben sollte, hätte er dieses Geräusch kurz vor der bleibenden Schwerhörigkeit mindestens 8× lauter empfunden.

Was sagen Sie zu Studers Vorschlag nach einer «Nachtsirene»?

Schück: Unsere Sirene hat keine Möglichkeit der Nachtabsenkung. Andere Systeme haben das vielleicht. Diese Reduktion dürfte jedoch höchstens auf 105 Dezibel erfolgen.

Warum ist die Notarzt-Sirene lauter als jene von Feuerwehr, Krankenwagen oder Polizei?

Schück: Das Gesetz schreibt vor, dass die Sirenenverstärker einen Schalldruck von 105 dB bis 115 dB in sieben Metern Abstand erzeugen müssen. Dies bedeutet, dass die lauteste zugelassene Sirene gerade doppelt so laut ist wie die leiseste. Bekanntlich handelt es sich um eine logarithmische Skala. Der Rest ist Psycho-Akustik, die Lautheit eines Geräusches wird also auch subjektiv empfunden. Vermutlich erfüllen, wohl auch aus Spargründen, die Sirenen der Polizei-Streifenwagen knapp die Mindestanforderungen. Da braucht es dann auch keine Nachtabsenkung mehr. Wie erwähnt, erzeugt die Notarzt-Sirene einen Schalldruck von 111,5 dB in sieben Meter Abstand. Ich verfüge folglich noch über eine hörbare Ausbau-Reserve.

Die Polizei fährt, wenn es sinnvoll erscheint, in der Nacht nur mit Blaulicht, ohne Sirene. Warum tun Sie das nicht?

Schück: Auch hier ist die Gesetzeslage klar: nachts müssen Blaulicht und Sirene eingeschaltet werden, wenn das Einsatzfahrzeug dringlich unterwegs ist und den Vortritt gegenüber anderen Verkehrsteilnehmern beansprucht. Das Gegenteil von Sinnlosigkeit seitens der Polizei ist somit nicht gefragt. Nur, die Führer von Polizeifahrzeugen fahren nachts oft mit Autobahngeschwindigkeit durch die Dörfer. Da spielt es überhaupt keine Rolle mehr, was sie alles ein- oder ausgeschaltet haben, die Zeit reicht weder zum eigenen Bremsen noch anderen zum Ausweichen… Da warne ich weitere Verkehrsteilnehmer, auch torkelnde Fussgänger, lieber rechtzeitig vom Herannahen eines Einsatzfahrzeuges mit erhöhter, aber immer noch verantwortbarer Geschwindigkeit. Die höchste, je von einem Radarkasten erfasste Geschwindigkeit des Notarzt-Einsatzfahrzeuges in einem Rheintaler Dorf betrug übrigens in all den Jahren 74 km/h. Selbst Ambulanzfahrzeuge wurden in unserer Region schon mit 100 km/h innerorts geblitzt…

Sehen Sie eine Möglichkeit, auf den Wunsch des Leserbriefschreibers Studer einzugehen?

Schück: Ich rate dem Leserbriefschreiber, in Zukunft nachts seine Fenster gut verschlossen zu halten. Nicht, dass er sich noch in der vermeintlich still gewordenen Dunkelheit einen Einbrecher reinsaugt. Ein solcher würde die Nachtruhe wohl empfindlicher stören als mein Martinshorn.

Mail-Interview: René Schneider

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