Thomas Eugster, der neue Kantonsrat aus dem Rheintal: «Ich bin nicht so der Polderi»

Thomas Eugster ist als Kantonsrat vereidigt worden. Er ist für Mike Egger nachgerückt, der jetzt Nationalrat ist. Obwohl auch Eugster überzeugter SVPler ist, will er nicht polarisieren, sondern Brückenbauer sein.

Interview: Max Tinner
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«Ich bin eher der stille Schaffer im Hintergrund»: Thomas Eugster ist für Mike Egger im Kantonsrat nachgerückt. Gestern wurde er vereidigt. (Bild: Max Tinner)

«Ich bin eher der stille Schaffer im Hintergrund»: Thomas Eugster ist für Mike Egger im Kantonsrat nachgerückt. Gestern wurde er vereidigt. (Bild: Max Tinner)

Mit welchem Gefühl sind Sie aus dem Rheintal an Ihren ersten Sessionstag nach St. Gallen gefahren?

Mit einem gemischten Gefühl. Einerseits freut es mich natürlich, dass ich jetzt, drei Jahre nach den letzten Wahlen, doch noch in den Kantonsrat darf. Andererseits ist da ein gewisses Gefühl der Unsicherheit, weil man ja nicht weiss, was alles auf einen zukommt.

Die Politik ist Ihnen nicht fremd. Sie sind Ortsparteipräsident der SVP Altstätten. Als was sehen Sie sich im Rat eher: als SVPler oder als Altstätter?

Als Rheintaler. Schliesslich bin ich nicht nur von Altstättern gewählt worden und auch nicht nur von Mitgliedern der SVP.

Auf die Session hin haben Sie ein dickes Päckli mit Unterlagen bekommen. Haben Sie alles gelesen?

Ich gebe zu: nicht alles; vielleicht etwa einen Viertel des Stapels. Ich habe mich auf das konzentriert, was meine Fraktion als besonders wichtig beurteilt hat und vertraue dabei auch auf die Kollegen in den Kommissionen.

Wann finden Sie Zeit fürs Studium der Unterlagen?

Nicht während der Arbeitszeit. Wie in der Privatwirtschaft üblich ist die Zeit, die ich für das Amt aufwende, nicht bezahlt. Ich bereite mich darum vor allem abends vor, wenn die Kinder im Bett sind. Das heisst aber nicht, dass ich nicht bereit wäre, mich zu engagieren. Ich habe mich darum auch bereiterklärt, in vorberatenden Kommissionen mitzuarbeiten. Und ich werde beispielsweise auch als Kantonsrat dem Altstätter Stadtrat helfen, an der Rhema Unterschriften für das Spital Altstätten zu sammeln.

Ach ja? Dabei war es doch vor ein paar Jahren die SVP, die sich statt für die Erneuerung des Spitals Altstätten für einen Spitalneubau auf der grünen Wiese stark machte.

Den wird es kaum mehr geben, nachdem die Bauarbeiten am Spital in Grabs schon weit fortgeschritten sind. Ich stehe hinter dem Vorschlag des Stadtrats für das Spital Altstätten. Es ist wichtig fürs Rheintal, nicht nur für die Gesundheitsversorgung, sondern auch als Wirtschaftsfaktor.

Heute wurden viele Vorstösse von Kantonsräten behandelt. Brennt Ihnen auch schon etwas unter den Nägeln, zu dem Sie nächstens einen Vorstoss einreichen wollen?

Ich möchte mich erst mit dem Ratsbetrieb vertraut machen und einarbeiten. Später ist es durchaus möglich, dass ich den einen oder anderen Vorstoss einreichen werde.

In welchen Themen möchten Sie im Kantonsrat etwas bewirken?

Ich möchte mich da nicht festlegen. Mir ist wichtig, mich für das Wohl der Bevölkerung und besonders der Büezer einzusetzen. Ich bin auch nicht der Polderi, den manche vielleicht in einem SVP-Politiker sehen, sondern eher der stille Schaffer im Hintergrund, der Brücken baut. Auch zu Politikern anderer Parteien.

Auch zur SP? Remo Maurer als Präsident der Rechts­pflegekommission hat sie vor der Vereidigung speziell willkommen geheissen: als Nachbar und als Kollege im Altstätter Oberstufenschulrat. Die freundschaftliche Geste ist umso bemerkenswerter, als er der SP angehört.

Das hat mich sehr gefreut, und ich habe mich auch schon bei ihm bedankt. Remo Maurer und ich verstehen uns gut – auch wenn wir in politischen Fragen oft nicht derselben Meinung sind. Das ist auch nicht nötig. Wir diskutieren solche Themen jeweils bei einem Bier freundschaftlich aus.