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«Ich bin nicht der Typ, der rumsitzt»

Wenn Linus Hanselmann an der Europameisterschaft in Fontainebleau (F) startet, hat er eine Finalteilnahme im Visier. Das ist nicht unrealistisch, ist der 14-jährige Oberrieter doch zurzeit schweizweit der Jahrgangsbeste. Und er ist erst am Anfang seines Wegs.
Remo Zollinger
Linus Hanselmann mit For Me von Wichenstein. Das Pferd, mit dem er an der EM in Fontainebleau an den Start geht, hat den gleichen Jahrgang wie er: 2004. (Bild: Bilder: Remo Zollinger)

Linus Hanselmann mit For Me von Wichenstein. Das Pferd, mit dem er an der EM in Fontainebleau an den Start geht, hat den gleichen Jahrgang wie er: 2004. (Bild: Bilder: Remo Zollinger)

Heute, kurz nach Mitternacht, fährt Familie Hanselmann ab, um eine Woche in Frankreich zu verbringen. Dort steht Linus Hanselmann im Einsatz. Er ist einer von fünf Reitern, die der Verband in der Kategorie Children für die EM ausgewählt hat.

Für Linus Hanselmann ist das nicht neu, er war schon 2017 bei der EM in Šamorín (SVK) dabei. Er hatte noch wenig Erfahrung, war erst gerade auf eine neue Höhe gewechselt. Den Final erreichte er nicht, aber einen respektablen Platz in der Tabellenmitte. Jetzt, ein Jahr, viele Trainings und viele Turniere später, ist eine Finalteilnahme realistischer. Linus Hanselmann klingt wie ein Profi, wenn er sein Ziel formuliert: «Ich will möglichst gute Runden und möglichst wenig Fehler machen – und wenn das klappt, den Final erreichen.»

Sechsmal Reittraining, einmal Geräteturnen

Der Familie Hanselmann gehört das Gestüt Wichenstein. Linus ist dort aufgewachsen, sagt, er habe zum ersten Mal auf einem Pferd gesessen, kurz nachdem er laufen gelernt habe. Heute trainiert er sechsmal pro Woche – nur nicht am Dienstag, da geht er ins Geräteturnen beim KTV Oberriet. Der Aufwand macht ihm nichts aus. «Ich bin nicht der Typ, der einfach rumsitzt», sagt er. Er bewege sich gern.

Die Motivation ist Linus Hanselmanns Jahresplan abzulesen. Er hat 2018 an zehn Turnierwochenenden im In- und Ausland teilgenommen, hat verschiedene Pferde, verschiedene Höhen getestet. Er holte viele Podestplätze und drei Siege. Nach Gewinnpunkten ist Linus Hanselmann im Jahrgang 2004 die Nummer eins der Schweiz. Mit 3898 hat er fast doppelt so viele Punkte wie Géraldine Straumann auf Rang zwei und viermal so viele wie Lynn Müller auf Rang drei.

Im Kanton gehört Linus Hanselmann altersübergreifend zu den besten zehn Reitern. Sein Vater Samuel belegt in dieser Tabelle den fünften Rang. Mutter Karin den ersten. Dabei hat sie einige Starts ausgelassen, um mit dem Sohn zu trainieren.

Der grosse Traum ist eine Karriere als Profireiter

Ab August besucht der 14-Jährige die Kanti in Heerbrugg. Weil er von Swiss Olympic eine Talent Card bekommen hat, darf er sich für die musischen Fächer dispensieren und die Trainingszeit als Schulzeit anrechnen lassen. Er muss Leistungsnachweise erfüllen, das sei aber kein Problem, er mache ja nichts lieber als das.

Linus Hanselmann sagt: «Es ist mein Traum, Profireiter zu werden.» Klappt das nicht, kann er sich auch eine Ausbildung zum Tierarzt vorstellen.

Doch vorerst gilt der Fokus dem Sport, in dem er sich längst einen Namen gemacht hat. Der Oberrieter kennt einige Grössen der Szene persönlich, beispielsweise den 25-jährigen Shooting-Star Martin Fuchs, der mehrere Schweizer Meistertitel gewonnen und auch international Aufsehen erregt hat. Linus Hanselmann erzählt, es sei abgemacht, dass er nach der Kanti ein Jahr in Fuchs’ Stall in Wängi verbringen wird.

Das ist die Zukunft. In der Gegenwart reist der Oberrieter nach Fontainebleau, um Erfahrung zu sammeln, vielleicht einen nächsten Karriereschritt zu tun. Das Städtchen 70 Kilometer südöstlich von Paris ist ein Pferdesport-Mekka, die noble Anlage liegt herrlich im Wald. An der EM stehen Nachkommen bekannter Reiterdynastien wie der Leprevosts (F) oder der Whitakers (UK) am Start. Und Linus Hanselmann, auf For Me von Wichenstein.

Das Pferd hat den gleichen Jahrgang wie sein Reiter. Es wird deshalb vielleicht bald in Pension gehen – ganz im Gegensatz zu Linus Hanselmann.

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