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«Ich bin kein Militärkopf»

BERNECK. Anfang Januar wurde Gregor Metzler aus Berneck zum Oberst im Generalstab (i Gst) befördert. Im Interview mit dem «Rheintaler» äussert sich Metzler zu verschiedenen Aspekten im Spannungsfeld von Armee und Gesellschaft.
Gregor Metzler 2008 mit seinem «Bataillonswein» vom Weingut Kaspar Wetli, Berneck. (Bild: pd)

Gregor Metzler 2008 mit seinem «Bataillonswein» vom Weingut Kaspar Wetli, Berneck. (Bild: pd)

Erst mit 30 Jahren entschied sich Gregor Metzler für ein Leben als Berufsoffizier und gab den Beruf als Bauingenieur auf. Trotz häufig wechselnder Einsatzorte ist sein privater Lebensmittelpunkt in Berneck geblieben. «Das Rheintal ist für mich der schönste Fleck der Schweiz» sagt der 42-Jährige. Metzlers Militärkarriere verlief steil. Im November letzten Jahres wurde er Kommandant der Panzerschulen 21 in Thun, was die Beförderung zum Oberst i Gst nach sich zog.

Mit 42 – dem Mindestalter für einen Oberst – gehört Metzler zu den jüngsten Obersten in der Armee. Für ihn verändern sich die Anforderungen an einen Offizier in dem Masse, wie sich die Gesellschaft selbst verändert.

Was hat Sie bewogen, 1998 den Ingenieurberuf an den Nagel zu hängen und Berufssoldat zu werden?

Gregor Metzler: Ich befand mich 1997 in einem WK als Miliz-Hauptmann. Da wurde mir klar, dass ich das noch lieber mache, als den Beruf als Bauingenieur.

Kurz darauf ergab sich für mich die Möglichkeit, an der Militärischen Führungsschule Wädenswil einen einjährigen Ausbildungslehrgang zum Berufsoffizier zu besuchen.

Welche Eigenschaften sind für den Berufsoffizier besonders wichtig?

Metzler: Freude am Umgang mit Menschen und die Motivation, junge Leute auszubilden, sind am wichtigsten. Ein Berufsoffizier sollte zudem vor allem flexibel sein, da die Einsatzstandorte häufig wechseln.

Auch zeitliche Flexibilität sollte vorhanden sein: an manchen Tagen ist man bereits morgens um 4 Uhr im Gelände, man hat Wochenendeinsätze oder Aufgaben, die phasenweise eine hohe Präsenz erfordern.

Sie sind in den letzten Jahren an wechselnden Standorten tätig gewesen. Wie organisiert man da das Familienleben?

Metzler: Meine Familie kennt es nicht anders – das ist wohl der Schlüssel zum Erfolg.

In der Regel bin ich einmal pro Woche zu Hause in Berneck sowie von Freitagabend bis Montagmorgen vier Uhr. Meine Frau und ich sind der Auffassung, dass Qualität vor Quantität kommt. Unsere Wurzeln sind im Rheintal, deshalb haben wir entschieden, dass die Familie in Berneck bleibt und nicht mit mir an wechselnde Einsatzstandorte kommt. Ich bin sicher, dass meine Familie gut funktioniert, auch wenn ich nicht hier bin. Dazu braucht es natürlich auch eine selbständige Frau, die habe ich glücklicherweise.

Wie kommt man in den Generalstab?

Metzler: Generalstabsoffiziere sind in Schlüsselfunktionen in Stäben der grossen Verbände eingesetzt. Auch Milizoffiziere können bei entsprechender Vorbildung eine Generalstabsausbildung machen. Ich war ungefähr 30 Jahre, als ich überlegte, in den Generalstab zu gehen. Es ist die anspruchsvollste Ausbildung in der Armee. Seit 1999 habe ich vier Generalstabslehrgänge absolviert. Bis vor einem Jahr war ich selbst Ausbilder an der Generalstabsschule in Kriens.

Sie waren sieben Jahre lang Präsident des Rheintalischen Offiziersvereins (ROV). Welchen Zweck haben Offiziersvereine?

Metzler: Ich war 15 Jahre im Vorstand und darf sagen, dass es mich freut, 2007 zum Ehrenmitglied ernannt worden zu sein. In den Statuten steht, oberster Vereinszweck sei es, den Wehrwillen des Volkes hochzuhalten – das muss drinstehen. Der Verein dient heute jedoch mehr der Pflege der Kameradschaft und der Kontaktpflege allgemein. Man kennt sich und hilft sich.

Auch der ROV kämpft mit sinkenden Mitgliederzahlen, wie viele andere Vereine. Durch das gesenkte Austrittsalter für Offiziere in unteren Dienstgraden auf 35 Jahre werden leider die aktiv Eingeteilten weniger. Der Rheintalische Offiziersverein ist ein gesunder Verein mit 200 Mitgliedern. Zum Wildenmann-Schiessen kommen zwischen 70 und 80 Vereinskameraden.

Wie kommt Ihr Beruf in der heutigen Zeit bei der Jugend an?

Metzler: Ich sehe bei der Akzeptanz – auch von Jugendlichen – keine Probleme. Bei einigen Nachbarn ist mein Beruf nicht einmal bekannt. Hier in Berneck kennen mich viele. Ich habe nicht das Image des konservativen Militärs, denn ich bin kein «Militärkopf». Ich bin ein Bürger wie alle anderen. Seit zwei, drei Jahren findet die militärische Ausbildung auch wieder mehr Beachtung.

An Schweizer Hochschulen werden Teile der Generalstabsausbildung im Rahmen des Bologna-Modells anerkannt. Leadership- und Management-Vorlesungen müssen dann nicht mehr belegt werden. Die Armee bietet auch Kurse für Zivilpersonen an, zum Beispiel in Luzern zum Thema «Führen in der Krise». Es geht dabei um die Entwicklung von Lösungsstrategien, denn Problemlösungen sind im militärischen und im zivilen Bereich durchaus vergleichbar. Ebenso die Führungstätigkeiten in Wirtschaft und Armee.

Wie würden Sie den militärischen Führungsstil beschreiben?

Metzler: In vielen Köpfen ist noch der Stil von früher verankert: Einer befiehlt, die anderen gehorchen. Sinnlose Befehlserteilung ist aber zum Glück selten geworden. Natürlich werden auch heute Befehle umgesetzt. Ich als Chef würde aber nie allein einen Befehl erfinden und den umsetzen. Der Führungsgrundsatz lautet, dass mein Stab und meine Mitarbeiter mir helfen, die beste Lösung für ein Problem zu finden.

Unterstellte, die den Befehl umsetzen müssen, werden wenn möglich in die Entscheidungsfindung einbezogen. Dabei muss nicht jeder Soldat mit allem einverstanden sein. Anders als zum Beispiel die US-Armee, die der Befehlstaktik folgt, arbeitet die Schweizer Armee nach der Auftragstaktik. Das Ziel ist dabei vorgegeben, aber es gibt einen Gestaltungsfreiraum zur Zielerreichung, der – je höher die Führungsstufe – grösser wird.

Es geht nicht darum, eine Entscheidung von oben nach unten durchzudrücken, sondern durch Persönlichkeit und Sozialkompetenz zu überzeugen. Hier liegt auch das Schwergewicht der militärischen Ausbildung.

Fliesst Ihr Dienstverhalten auch ins Privatleben ein?

Metzler: Ich denke nicht. Es ist aber zum Beispiel bei der Kindererziehung so, dass ich nicht erst drohe und dann nichts mache. Was ich festgelegt habe, wird dann auch durchgezogen.

Im Beruf und im Privatleben sind es doch die menschlichen Grundeigenschaften, die unser Handeln prägen. Es soll Berufsoffiziere geben, die sagen «die Kinder tragen den Tarnanzug», und es gibt die Kampfbahn im Garten. Das ist bei mir nicht der Fall.

Wie haben Sie in den letzten Jahren gesellschaftspolitische Diskussionen über Sinn und Zweck der Armee empfunden?

Metzler: Oft mit einem schalen Beigeschmack. Medien und die Boulevardpresse benutzen häufig das Militär, um ihre Auflage zu erhöhen.

Da werden Themen ausgerollt, die kein Problem sind, aber die Auflage steigern. Auch von der Politik bin ich oft enttäuscht. Ob es die Armee braucht oder nicht, ist ein rein politischer Entscheid. Es gilt das Primat der Politik, wo Parlament und Regierung über den Auftrag der Armee entscheiden. Wer die Politik kennt, weiss, dass es da völlig verschiedene Ansichten gibt. Die Armee versucht, sich von einer Legislatur zur anderen zur Decke zu strecken. Dann wechselt die Crew in Bern und es gibt neue Richtungen.

In diesem System ist es schwierig, langfristig zu planen. Zum Beispiel muss jedes Rüstungsgeschäft, über die Anschaffung neuer Helme bis zum Kampfflieger, durch die Räte gehen. Das Parlament entscheidet erst am Schluss des Evaluationsprozesses. Die Planer sind deshalb gezwungen, mehrere Projekte gleichzeitig voranzutreiben. Dies führt zwangsläufig zu unnötig hohen Planungskosten.

Meines Erachtens wäre es besser, wenn sich das Parlament mehr mit Sicherheitspolitik befassen würde und klare, greifbare Aufträge formulieren würde. Für diese Aufträge respektive Leistungen müssten dann die Finanzen bereitgestellt werden. Anschliessend müsste das Militär bestimmen, welche Mittel es dazu braucht, um die Aufträge zu erfüllen. Heute entscheiden in der Regel militärische Laien.

Wie politisch darf ein Offizier sein?

Metzler: Wenn er die Uniform nicht trägt, so politisch wie jeder Schweizer Bürger sein sollte. Man darf und soll als Berufsoffizier in der Politik tätig sein, das heisst, auch auf lokalpolitischer Ebene als sicherheitspolitischer Experte mitdiskutieren. Ich versuche beide Bereiche zu trennen.

Welche Ihrer bisherigen Stationen hat den nachhaltigsten Eindruck bei Ihnen hinterlassen?

Metzler: Alle Stationen haben mir gut gefallen.

Meine Ausbildung in Fort Knox, USA, war allerdings speziell. Ich sage dazu: It was the best year of my life! Obwohl es Arbeit war und kein Urlaub. Nicht zuletzt deshalb, weil unser Sohn Dominik dort im November 2003 im Armee-Spital zur Welt kam – er ist Doppelbürger.

Interview: Andrea Plüss

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