«I werd narrisch»

Rot-weiss-rot wird Weltmeister. Nicht die Schweiz, die sind doch eine Nation von Skifahreren. Nein, Österreich – seit der Zeit von Matthias Sindelar in den 1920er-Jahren die Fussballnation schlechthin. Nur geriet das in den nächsten 50 Jahren in Vergessenheit – bis 1978 Córdoba kam.

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Rot-weiss-rot wird Weltmeister. Nicht die Schweiz, die sind doch eine Nation von Skifahreren. Nein, Österreich – seit der Zeit von Matthias Sindelar in den 1920er-Jahren die Fussballnation schlechthin. Nur geriet das in den nächsten 50 Jahren in Vergessenheit – bis 1978 Córdoba kam. Das war zwar ein wertloser 3:2-Sieg gegen Deutschland, der Ausruf des Kommentators Edi Finger senior erlangte Weltberühmtheit: «I werd narrisch!» Unvergessen sind auch die Stars aus dieser Zeit: Wenn im

österreichischen Fussball ein Posten zu vergeben ist, werden Hans Krankl und Herbert Prohaska sicher als erste Kandidaten genannt.

Närrisch ist dieser Schreiber auch, werden Sie sagen – ist doch Österreich in Südafrika gar nicht an der WM dabei. Beckmessereien sind das, sag ich! Denn der Meldeschluss für die jeweils 23 Spieler umfassenden Aufgebote war nämlich am 1. Juni um Mitternacht. Nun hat der dafür zuständige Fifa-Angestellte am 31.

Juli vor dem Feierabend vergessen, die Papierrollen im Fax einzusetzen, weshalb alle Kaderlisten mit einigen Minuten bis Stunden Verspätung in Blatters «Schloss Versailles» am Zürichberg angekommen sind. Weil dies ein klarer formaljuristischer Verstoss gegen die Fifa-Reglemente ist, wird die WM um ein Jahr verschoben und alle 32 qualifizierten Teams werden für zwei Jahre gesperrt.

So wird für die WM 2011 in Simbabwe eine Blitz-Qualifikation gespielt, in der sich Österreich knapp gegen Ungarn, Aserbaidschan, Litauen, Luxemburg und Andorra durchsetzt. An der WM erreicht man durch drei Unentschieden gegen Kolumbien, Togo und China mit Ach und Krach die Achtelfinals. Dort wird Rumänien sensationell 4:1 besiegt – und in Wien herrscht plötzlich Euphorie. Knappe Siege gegen Malta und Tunesien bringen Österreich ins Final gegen das übermächtige Russland. Die Ösis mauern den Strafraum zu und in der Nachspielzeit gelingt Erwin Hoffer der Siegtreffer.

Österreich ist Weltmeister; I werd narrisch! Jakob Hölzl