«I tuo, so lang i muos»

WIDNAU. Das sagt die 92-jährige Resi Fehr auf die Frage nach der Zukunft. Zusammen mit weiteren sieben Widnauerinnen und Widnauern wurde sie von Andrea Federer über ihr Leben befragt.

Maya Seiler
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Zur Filmpremiere gemeinsam auf dem Sofa (von links): Die Filmemacher Peter und Jolanda Sonderegger, Ruth Sieber-Sieber, Resi Fehr-Kuster alias Bak-Resi, Klara Sieber-Valgoi, Franz Frei-Köppel, Interviewerin Andrea Federer und Josef Frei alias Opel Sepp. (Bild: Maya Seiler)

Zur Filmpremiere gemeinsam auf dem Sofa (von links): Die Filmemacher Peter und Jolanda Sonderegger, Ruth Sieber-Sieber, Resi Fehr-Kuster alias Bak-Resi, Klara Sieber-Valgoi, Franz Frei-Köppel, Interviewerin Andrea Federer und Josef Frei alias Opel Sepp. (Bild: Maya Seiler)

Am Sonntag lud der Kulturverein zur Premiere der acht Film-Interviews.

Die Gespräche von Andrea Federer, ehemalige Präsidentin des Kulturvereins, mit acht Widnauer Dorforiginalen waren von den Bernecker Amateurfilmern Jolanda und Peter Sonderegger auf behutsame Art gefilmt worden. Entstanden sind acht berührende Porträts von Personen, die das Dorf aus früheren Zeiten kennen. Über 80 Besucher kamen, um die Film-Interviews zu sehen. Die Befragten erzählten von früher, von Kindheit, Schule und Beruf. Zu hören waren typische Widnauer Familien-Übernamen: Bäblers, Rote-Klaras, Philomenas oder Emilies. Öfter fielen auch die gleichen Lehrernamen: Köppel, Lämmler, Graf. Wie alte Filmaufnahmen zeigten, arbeiteten die Väter in der Viscose, die Töchter fanden dort Verdienst, wenn sie als Mädchen keine Lehre machen konnten; zu sehen war auch das Tram, das früher von Diepoldsau nach Berneck fuhr.

Es gab viel zu lachen

Immer wieder mussten die Zuschauer lachen, wenn zum Beispiel Resi Fehr erst auf beharrliches Nachfragen zugab, dass in ihrem Lädeli neben Tabakwaren und Schoggi auch Pariser erhältlich waren. Sie führte viele Jahre einen Tabakladen an der Bahnhofstrasse. Aus dem Publikum war zu hören, dass sie unter dem Ladentisch auch Sexheftli hatte und im Dorf heimlich «Gummi-Resi» genannt wurde.

Die beiden anderen Widnauerinnen, Klara Sieber-Valgoi und Ruth Sieber-Sieber, beide Jahrgang 1932, erinnern sich an ihre Kinderzeit in der Nachbarschaft von kinderreichen Familien. Klara ging nach der Schulzeit in die Viscose, wo sie mit Akkord-Arbeit einen Stundenlohn von 1.03 Franken verdiente.

Ruth Sieber-Sieber hätte die Sekundarschule besuchen dürfen, wollte aber nicht, «weil ich den Lehrer Broder fürchtete». Von ihrem Hochzeitsfest erzählte sie, die Trauung sei morgens um sieben Uhr gewesen, anschliessend sei man zum Zmorge mit einem Köppel-Car nach Hause gefahren. Dann machte man eine Ausfahrt zum Heidi-Brunnen.

Albert Wider oder «Hecht»-Ida

Der kürzlich verstorbene Karl Würth, 50 Jahre Widnauer Dorfarzt, staunte im Film selber, wie er bei seinem ungeheuren Arbeitspensum so vieles unter einen Hut hatte bringen können. Werner Spirig-Vogel ist noch nicht lange in Pension. Er erinnert sich, wie er als kleiner Bub mit dem Tram manchmal nach Heerbrugg fuhr, wo ihn der Tramführer, der ihn kannte, wieder zurück nach Widnau schickte. Schreiner Franz Frei-Köppel, geboren 1926, hatte Kontakt zu den Künstlern Albert Wider und Siegfried Herforth (Maler der Fresken in der katholischen Kirche). Zehn Jahre jünger ist Johann Kühnis, Pfarrer in Oberegg, den viele Widnauer noch als Kaplan Kühnis in bester Erinnerung haben. Gefragt nach einer markanten Persönlichkeit aus seiner Widnauer Zeit nannte er «Hecht-Ida, die immer sagte, was sie dachte, auch zum Herrn Kaplan». Einer ganz anderen Berufung folgte Josef Frei-Zotz, besser bekannt als Opel-Sepp, der als jüngstes von 13 Kindern im Bünteli aufgewachsen war.

Nach der Automechaniker-Lehre kam Josef 1963, als die «Schäfli»-Garage frei wurde, als Garagist nach Widnau.