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Hunderternoten verteilen

Die beiden Rheininsel-Ortsgemeinden Diepoldsau und Schmitter verteilen jeden Frühling ein paar Zehntausend Franken an Schüler und Lehrlinge. Cash auf die Hand. Aber nicht mehr lange.
René Schneider

DIEPOLDSAU. Die Bar-Geschenke an Schüler und Lehrlinge heissen Stipendien. Die Berechtigten der Ortsgemeinde Schmitter bekommen je 250 Franken, jene der Ortsgemeinde Diepoldsau je 150 Franken. Beide Ortsgemeinden haben dieses Jahr gegen hundert Berechtigte. Berechtigt zum Bezug des traditionellen Sackgeld-Zustupfs ist, wer sich in Ausbildung befindet, Ortsbürgerin oder Ortsbürger ist und in Diepoldsau wohnt. Die Stipendien-Reglemente der beiden Ortsgemeinden verlangen weiter: Die Berechtigten müssen ihr Geschenk persönlich abholen, an einem bestimmten Ort, zu einem bestimmten Termin.

Bei der Kassierin zu Hause

Der Tag des Geldsegens der Ortsgemeinde Schmitter war am 19. März. Von 9 bis 12 und von 13 bis 16 Uhr konnten die jungen Frauen und Männer bei der Kassierin zu Hause je 250 Franken abholen. Stellvertretung ist nicht erlaubt, wer den Termin verpasst, hat sein Stipendium verwirkt. Um Ausnahmen muss bis zehn Tage vor dem Termin schriftlich und begründet angesucht werden. Über die Gesuche entscheidet der Rat. Ortspräsident Anton Frei war bei der Stipendienverteilung anwesend. Er liebt den traditionellen Anlass. Er sei jeweils speziell. «Allpot» hole jemand erfreut sein Geld ab, freue sich darüber, bedanke sich herzlich. Oft ergebe sich ein kurzes Gespräch, meist zur Frage «wiam ghörscht», also über Herkunft und Sippen-Zugehörigkeit.

In der Widenau-Hütte

Die Ortsgemeinde Diepoldsau verteilt ihre «Lehrlings-Stipendien» heute Samstag, 2. April, in der Widenau-Hütte – nahe dem Diepoldsauer Zollamt. Die jungen Ortsbürgerinnen und Ortsbürger müssen sich zeitig aufmachen: Je 150 Franken gibt es nur von neun bis elf Uhr. Das Reglement der Diepoldsauer ist ähnlich dem der Schmitter, sagt Ortspräsident Georg Hutter. Man muss pünktlich sein, einen Ausweis mitbringen, persönlich erscheinen oder in Ausnahmefällen vorgängig und schriftlich um einen Ersatztermin für die Auszahlung bitten.

Warum sind die Ortsgemeinden so streng, und warum ermöglichen sie noch immer keine Banküberweisung? Die Präsidenten Frei und Hutter verweisen (voneinander unabhängig) auf die seit Generationen bestehende Tradition. Die Stipendien seien ein Geschenk, es bestehe kein Anspruch. Sie sind ein Relikt aus der Zeit, als die Ortsgemeinden Teile ihres Ertrags jährlich unter die Ortsbürger verteilten. Seit 1988 verlangt die Kantonsverfassung, dass Ortsgemeinde-Erträge der Gesamtbevölkerung zugute kommen müssen. Die Diepoldsauer wie die Schmitter durften ihre bestehenden Lehrlings-Fonds in der überlieferten Art «aufbrauchen». Bei beiden wird der «Topf» in ein paar Jahren leer sein. Danach ist Schluss. Zur Barauszahlung sagen die Präsidenten: Man wolle die jungen Ortsbürger persönlich kennenlernen. Die Bargeld-Übergabe sei zudem ein schöner Brauch.

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