Hühner aus dem Stall mit Kufen

Eine junge Bauernfamilie setzt für ihre Masthühner auf einen mobilen Stall. Er macht die Zucht effizient und die Poulets offenbar schmackhaft: Eine Schweizer Fluggesellschaft serviert sie ihren Gästen.

Ramona Riedener
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Jennifer und Michel Bischof in ihrem beweglichen Maststall. (Bild: Bilder: rr)

Jennifer und Michel Bischof in ihrem beweglichen Maststall. (Bild: Bilder: rr)

Zwischen Ribelmaisfeld und grüner Kleewiese steht der mobile Pouletmaststall von Jennifer und Michel Bischof. Hier leben an diesem Sommertag rund 2500 Küken. Vor rund fünf Wochen sind sie eingezogen, einen Tag nachdem sie aus dem Ei geschlüpft sind. Noch ist es angenehm kühl und das Gras ist nass vom Morgentau, als sich die Stalltüren öffnen und den Tieren freien Auslauf in das eingezäunte Gehege ermöglichen.

Lustig sehen sie aus mit dem Restflaum und dem allmählich wachsenden Federkleid, nicht mehr ganz Küken, doch bei weitem noch nicht Huhn. Etwas scheu, aber auch neugierig tippelt die muntere Teenagerbande wild durcheinander auf die Wiese, wo es statt Ribelmaispellets zur Abwechslung herzhaften Klee zu picken gibt. Später, wenn der Tag heiss wird, werden sie den schattigen Stall der Wiese vorziehen. So gewöhnlich das Verhalten der jungen Hühner, so ungewöhnlich ihr Zuhause: Die Küken wachsen in einem beweglichen Stall auf, der auf dem Grundstück hin- und herbewegt werden kann. So sind mehrere Mastdurchgänge pro Jahr möglich und neue Tiere bekommen bei ihrem Auslauf stets ein frisches Stück Wiese.

Das junge Bauernpaar Bischof ist stolz auf den neu entwickelten Maststall. Im Mai vergangenen Jahres war es so weit: Nachdem der Stall an seinem Standplatz am Rötheliweg eingerichtet und mit Hilfe von Gasstrahlern auf 32 Grad aufgeheizt war, kamen die einen Tag alten Küken in ihrem Zuhause an. Ab dem 22. Tag geniessen die Tiere tagsüber freien Auslauf im Wintergarten wie auch auf der Wiese. Dazu werden die Auslaufklappen an der Längsseite hochgezogen. Zwischen 42 und 56 Tage dauert ihr Leben, bevor sie in den Schlachthof im Nachbarort Staad abtransportiert werden.

Ein grosses Anliegen der Familie Bischof ist es, den Tieren während ihrer kurzen Lebenszeit einen natürlichen, bestmöglichen Lebensraum zu bieten. «Während der Zeit hier legen wir grossen Wert darauf, dass sie es gut haben und tiergerecht gehalten werden.» Danach werden sie professionell geschlachtet, bevor sie im eigenen Hofladen und an Gourmetrestaurants verkauft oder bei der Fluggesellschaft Swiss in der First Class serviert werden.

«Das ist das Los eines Masttieres, es landet im Schlachthof und später auf einem Teller»,

sagt der Bauer. Nachdem die Tiere abtransportiert worden sind, wird der Stall innert zwei Wochen gereinigt und auf den nächsten Mastzyklus vorbereitet. Dazu werden die Gummimatten an den neuen Standort verlegt und der Stall, der auf Kufen steht, mit einem Traktor auf diese gezogen. Fünf bis sechs Mastdurchgänge können so im mobilen Stall pro Jahr durchgeführt werden. Die 28-jährige Jennifer und der 31-jährige Michel Bischof sind überzeugt von ihrem neuen Produktionszweig. «Der Stall ist effizient und passt zu uns Ribelmais-Bauern.» Die Bischofs haben sich vor zehn Jahren an einem Fest kennen gelernt, geheiratet und im Jahr 2015 im Rheinecker Rütihof die Pacht übernommen. Das Paar bewirtschaftet seinen Hof mit 28 Hektaren landwirtschaftlicher Nutzfläche mit den 30 Mutterkühen, den vier Schweinen und den Legehühnern sowie mit dem Ackerbau meist selber. In Stosszeiten hilft die Familie.