Hohe Blumen schränken die Sicht im Verkehr ein

Der Sicherheit wegen sei der Bewuchs in Grünstreifen niedrig zu halten, antwortet die Regierung Meinrad Gschwend.

Max Tinner
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So schön könnte ein Strassenrand sein: Üppige Blumenpracht entlang des Gewerbeareals an der Industriestrasse 12 in Altstätten.

So schön könnte ein Strassenrand sein: Üppige Blumenpracht entlang des Gewerbeareals an der Industriestrasse 12 in Altstätten.

Bild: Max Tinner (September 2020)

Altstätten/Heerbrugg Während der Junisession hat Meinrad Gschwend, Kantonsrat der Grünen Partei aus Altstätten, einen Vorstoss eingereicht, in dem er seinem Ärger über den Strassenunterhalt des Kantons Luft machte. Manchenorts werde durch eine zu häufige Mahd die zuvor entlang der Strasse angesäte Wildblumenpracht zunichte gemacht. Als Beispiel nann­- te Gschwend den Grünstreifen entlang der Kantonsstrasse von Heerbrugg nach Berneck. Dort werde nun sogar noch häufiger gemäht als früher, nach Ansicht Gschwends ohne sicherheitsrelevanten Grund.

«Sichtweiten müssen gewährleistet bleiben»

Genau mit der Sicherheit argumentiert die Regierung nun aber in ihrer Antwort. Zur Gewährleistung der Verkehrssicherheit müsse der Bewuchs niedrig gehalten werden. Die Regierung verweist auf eine Norm des Schweizerischen Verbandes der Strassen- und Verkehrsfachleute (VSS). «Leiteinrichtungen, Reflektoren und Wildwarner müssen jederzeit erkennbar und frei von Bewuchs sein, und die Überhol- und Anhaltesichtweiten müssen ebenfalls dauernd gewährleistet bleiben», heisst es in der Antwort der Regierung.

Im von Meinrad Gschwend beanstandeten Fall des Grünstreifens in Heerbrugg schreibt die Regierung von einer «Umnutzung»: Eine breite, für Aufwertungen geeignete Rabatte zwischen der Karl-Völker-Strasse und der Brändlistrasse sei als Versuchsstrecke bepflanzt worden; dafür habe man eine schmalere und nach Ansicht des Kantons ökologisch ungünstige Rabatte zurückgebaut. Grundsätzlich würden ökologische Aufwertungen an Kantonsstrassen aber nicht zerstört.

Der Kanton will im Rahmen der Biodiversitätsstrategie des Kantons zudem künftig noch mehr Vorbild sein und die Biodiversität im Siedlungsraum fördern, schreibt die Regierung weiter. Im Hochbau würden die für den Unterhalt zuständigen Leute seit letztem Jahr dahin gehend weitergebildet. Dasselbe sei für die zweite Etappe der Strategieumsetzung in den Jahren 2022 bis 2025 auch für das Tiefbauamt vorgesehen, sodass die Strassenränder, Böschungen und Gräben vermehrt berücksichtigt werden könnten, verspricht die Regierung. Im Zuge der Umsetzung der Biodiver­sitätsstrategie sollen auch die Pflegepläne und Leistungsstandards für die Grünpflege entlang den Kantonsstrassen überarbeitet werden.

Ökostreifen im Unterhalt bis viermal teurer

Die Regierung verweist aber auch auf die Kosten: Die Pflege ökologisch aufgewerteter Strassenränder sei drei- bis viermal teurer als die Pflege herkömmlicher Strassenränder.