«Hoffmanns Erzählungen» in 75 Minuten in Widnau

Die Offenbach-Oper erfuhr in der Inszenierung als «Oper im Taschenformat» eine ganz neue Dichte.

Max Pflüger
Merken
Drucken
Teilen
Eindrückliche Szenenbilder: (von links) Nina Laubenthal als Antonia, Elisabeth Thöni als Hoffmann und Kathrin Walder als Nicklausse. (Bild: Max Pflüger)

Eindrückliche Szenenbilder: (von links) Nina Laubenthal als Antonia, Elisabeth Thöni als Hoffmann und Kathrin Walder als Nicklausse. (Bild: Max Pflüger)

Zu einer ganz besonderen Inszenierung der Oper «Hofmanns Erzählungen» von Jacques Offenbach (1819–1880) lud am Freitagabend der Kulturverein Widnau in die Büroräume der Spirig Partner AG an der Rütistrasse ein. Das Team Oper to go mit Nina Laubenthal, Sopran, Kathrin Walder, Mezzosopran, und Elisabeth Thöni, Klavier, präsentierte das Werk als eigenständige, fünfviertelstündige Kurzfassung unter dem Titel «Hoffmanns Gefährtinnen».

Herrliche Arien und bezaubernde Duette

Die drei bestausgebildeten Musikerinnen haben es sich zur Aufgabe gemacht, bekannte und beliebte Opern inhaltlich auf das Wesentliche zu reduzieren. Bühnenausstattung, Kostüme, Requisiten und Maske bleiben minimalistisch. «Alles hat in einem Koffer Platz», sagen die Künstlerinnen. Und dennoch erlebt das Publikum einen begeisternden und musikalisch eindrücklichen Opernabend mit herrlichen Arien und bezaubernden Duetten sowie virtuoser Klaviermusik.

Einer der Höhepunkte: Die bekannte und beliebte Barcarole, das zauberhafte Duett von Giulietta und Nicklausse: «Belle nuit, ô nuit d’amour.»

Im Stück schlüpfen die Sängerinnen immer wieder in andere Rollen und überzeugen dabei mit grossartiger Mimik und Gestik auch als Schauspielerinnen. Die Offenbach-Lieder singen sie in der Originalsprache Französisch, die Sprechtexte sind für alle gut verständlich auf Deutsch.

Der Inhalt der Oper basiert auf an sich unabhängigen Erzählungen des Schriftstellers und Musikers E.T.A Hoffmann (1776 –1822). Die Begegnungen mit der Sängerin Stella, der puppenhaft steif tanzenden Olympia, der psychisch kranken Antonia und der Kurtisane Giulietta werden zu persönlichen Beziehungsanekdoten Hoffmanns zusammengefasst.

Und immer wieder verhindert die eifersüchtige Muse des Künstlers in der Gestalt seines Freundes Nicklausse, dass aus einer anfänglichen Schwärmerei mehr wird. Sie will Hoffmann der Kunst allein erhalten. Das gelingt, die Muse gewinnt das Spiel. «Macht die Liebe auch gross, macht noch grösser der Schmerz.»

Die «Oper im Taschenformat» begeisterte die Zuschauer in den Widnauer Büroräumen restlos, wovon die minutenlange Standing Ovation nach fünf unterhaltsamen Viertelstunden zeugte.

Die Dichte des Geschehens, die musikalische und gestalterische Virtuosität und die Akzente der schlichten Kulissen verfehlten ihre Wirkung nicht.

Mehr Bilder auf rheintaler.ch unter «Bilderstrecken»