Hochwasserschutz Littenbach-Äächeli: Eine Allzweckwaffe wäre erwünscht

Der Hochwasserschutz Littenbach-Äächeli kann nicht sämtliche Probleme lösen, nur soweit es die Natur zulässt.

Hildegard Bickel
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Das Gesamtinteresse steht beim Hochwasserschutz im Vordergrund. Die Besucher nahmen sich nach den Ausführungen Zeit, individuelle Fragestellungen zu diskutieren.

Das Gesamtinteresse steht beim Hochwasserschutz im Vordergrund. Die Besucher nahmen sich nach den Ausführungen Zeit, individuelle Fragestellungen zu diskutieren.

Bild: Hildegard Bickel

Wer zum ersten Mal teilnahm, erhielt am Dienstagabend in der Aula des OMR-Schulhauses am Bach anschauliche Einblicke zum Zwischenstand des Hochwasserschutzprojekts in den Gemeinden Au und Berneck. Stammgäste wiederum wandten sich mit Fragen auf Augenhöhe an die Experten.

An der dritten Infoveranstaltung legten die Projektverantwortlichen den Finger auf die Details. Pläne wurden seit letztem Herbst konkreter und zeigten, wie der Naturpark Kobel den Littenbach als revitalisierten Lebensraum aufwerten könnte. Mit Landwirten fanden Einzelgespräche statt, um das Meliorationsprojekt voranzubringen. Grossmehrheitlich erfährt das Projekt Unterstützung.

Bis im Sommer werden die Ergebnisse zu einem Vorprojekt ausgearbeitet. Zudem ist eine Analyse zum Grundwasserspiegel in Auftrag, die nächsten Monat Ergebnisse liefern soll.

Der Naturpark Kobel nimmt Gestalt an

Der Hochwasserschutz nahm vor rund 150 Jahren seinen Anfang, sagte der Auer Gemeindepräsident Christian Sepin. Ziel sei es, die nächsten Schritte in der Entwicklung zu machen und den Schutz zu verbessern.

Auch das Auge kommt bei den geplanten Massnahmen nicht zu kurz. Wie die ökologische Gestaltung aussehen könnte, führte Georg Möller von der beauftragten IUB Engineering aus. Beim Naturpark Kobel sollen Grillstellen, Sitzbänke und Stege erstellt werden. Wurzelstämme, Kiesbänke und Steine für Wasserlöcher begünstigen die Artenvielfalt und unterstützen die Fischwanderung.

Ob dies fischfreundlich sei, wenn die Bäche, die bereits jetzt zu gewissen Zeiten wenig Wasser führen, breiter werden, folgte ein Einwand. Das sei fraglich, gab Möller zu, doch mit Vertiefungen wie Wasserlöchern und kanalisierten, engeren Flächen sollen sich Rückzugsmöglichkeiten und kühle Stellen im Sommer bilden. Ein Besucher nannte Wasser im Keller als Problem, das wegen des Grundwassers nur langsam versickert.

Grundsätzlich lasse sich die Grundwasserproblematik mit dem Hochwasserschutz nicht lösen, antwortete Georg Möller. Die geplante erhöhte Kapazität der Bäche hingegen soll ermöglichen, dass mehr Wasser abfliessen kann. «Wie wird mit der schlammigen Sohle des Äächeli verfahren?», folgte eine weitere Frage. Sie soll mit Kies neu gestaltet werden. Die Tendenz von Ablagerungen bleibt bestehen, da wenig Gefälle vorhanden ist. Auch die finanzielle Beteiligung am Projekt interessierte. Grundeigentümer müssen jedoch keine Kosten übernehmen.

Bauzeit schwierig einzuschätzen

Das Vorprojekt geht von Kosten von über 32 Mio. Franken aus. Bund und Kanton beteiligen sich mit zwei Dritteln, den Rest finanzieren Au und Berneck. Die Dauer der Bauzeit wird auf fünf bis zehn Jahre geschätzt. Vorerst sind verschiedene Verfahren zur komplexen Ausgangslage im Gang. Bis im Sommer 2021 soll das Auflageprojekt bereit sein.

Um die Bevölkerung Schritt für Schritt an den Entwicklungen teilhaben zu lassen, findet die nächste Infoveranstaltung mit Mitwirkungsverfahren am Mittwoch, 1. Juli statt.

Hinweis

www.littenbach.ch