Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

HINTERFORST: «Eine Orgel macht die Kirche komplett»

Die Bruderklausen-Kirche hat ihre erste neue Orgel bekommen. Die Investition von 380000 Franken war nur wegen einer Erbschaft von 100000 Franken möglich. Am Kirchenfest vom 24. September wird das Pfeifeninstrument eingeweiht.
Monika von der Linden
Sibylle Spichiger und William Canal werden den Klang der neuen Orgel erstmals am Kirchenfest Bruder Klaus hören. (Bild: Monika von der Linden)

Sibylle Spichiger und William Canal werden den Klang der neuen Orgel erstmals am Kirchenfest Bruder Klaus hören. (Bild: Monika von der Linden)

Monika von der Linden

Wer die Lebensgeschichte Nikolaus von Flües kennt, bemerkt sofort beim Eintreten, dass er der Patron dieser Kirche ist. An der Decke ist der Landesheilige in acht Szenen abgebildet. Der Alt­stätter Künstler Ferdinand Gehr hatte die Deckengemälde beim Bau der Kirche im Jahr 1951 geschaffen. Seither bestimmen die Bilder den typischen Charakter der Bruderklausen-Kirche. Er lädt zum Beten, Meditieren und Betrachten ein.

Geht man bis zum Chor vor, dreht sich um und schaut zur Empore hinauf, erblickt man die neue, schön anzusehende Orgel mit ihren 865 Pfeifen. Das im Vergleich zur Vorgängerin grössere Instrument sollte so beschaffen sein, dass es die Deckengemälde nicht konkurrenziert. «Das ist gelungen», sagt Kirchenpräsident William Canal. Auch Franziska Gehr, die Tochter des Künstlers, sei mit der Gestaltung einverstanden.

Welche Klangerlebnisse die Orgel mit siebzehn Registern birgt, weiss William Canal noch nicht. Lauschen wird er ihr aber schon bald, eingeweiht wird das Pfeifeninstrument am Kirchenfest vom 24. September. «Unsere Organisten haben alle Freude», weiss William Canal. Sie vermögen das Potenzial des Instrumentes auszuschöpfen.

Jede Pfeife entsteht in reiner Handarbeit

Als Bewohnerin des benachbarten Pfarrhauses hat Pastoralassistentin Sibylle Spichiger den Entstehungsprozess der Orgel genau verfolgt. «Es war spannend, beim Abbau der alten sowie beim Aufbau und Intonieren der neuen Orgel dabei zu sein», sagt sie. Sie sei überrascht gewesen, dass jeder Arbeitsschritt in Handarbeit erfolge und von Mitarbeitern einer einzelnen Firma geleistet wird.

Jede einzelne Pfeife wurde aus Orgelmetall, einer Legierung von Zinn und Blei, gegossen, zusammengerollt und -gelötet. Eine Kleinigkeit kann den Ton bereits verändern. «Es stehen viele Leute, viel Leidenschaft und eine lange Zeit hinter der Entstehung», sagt Sibylle Spichiger. «Und dann solch ein Resultat.» Die Orgel verschmelze optisch mit ihrer Umgebung.

«Eine Orgel gehört zu unserer Kultur. Sie macht eine Kirche komplett», sagt die Pastoralassistentin und drückt damit ihre Freude darüber aus, dass die lange Wartezeit auf ein passgenaues Instrument vorbei ist. Als die Kirchgemeinde das Gotteshaus gebaut hatte, kaufte sie ein Occasionsinstrument aus dem Priesterseminar in Chur. Das Provisorium hat nach 66 Jahren ausgedient.

Die Pastoralassistentin ist überzeugt, dass die Musik in der Liturgie festlicher wird. In musikalischer Hinsicht wird mehr möglich sein: Die Organisten können auch anspruchsvolle Literatur spielen, wenn sie Solisten, die Gemeinde oder den Chor begleiten. «Mir fällt besonders am Karfreitag auf, wie gut die Orgel Gefühle ausdrücken kann. Denn dann schweigt sie in der Liturgie», sagt Sibylle Spichiger. In den letzten Monaten war es ähnlich während der Gottesdienste. Seit man im Mai mit dem Abbau der alten Orgel begonnen hatte, wurde sie durch ein Keyboard ersetzt.

Bis zum Kirchenfest müs­- sen sich die Gläubigen und Musikfreunde aber noch gedulden. Zu Beginn des Gottesdienstes schweigt die Orgel zunächst noch. Erst nachdem Pfarrer Roman Karrer sie geweiht hat, wird der Organist die Register ziehen und zum Vorspiel des Glorias einsetzen. In den Lobgesang stimmen dann ein Streichquartett, der Chor und die Festgemeinde ein.

100000-Franken-Erbe war die Grundlage

William Canal erfüllt es mit Freude und Dankbarkeit, dass der Orgelneubau realisiert werden konnte – und ausgerechnet in dem Jahr, in dem der Patron Bruder Klaus 600 Jahre alt geworden wäre. Möglich wurde das nur, weil die Kirche eine Erbschaft von 100000 Franken bekam, über die sie frei verfügen kann. Ausserdem gingen fast die erhofften 40000 Franken Spenden ein. Die Differenz von 240000 Franken zahlen die Kirchbürger via Kirchensteuer. Das Budget bewilligten sie im April 2015. Darüber hinaus haben sich viele Kirchgemeindemitglieder unter der Federführung von Verwaltungsrätin Andrea Stähli mehrere Jahre mit dem Orgelprojekt befasst.

«Das alles zeigt, dass der Bevölkerung die Orgel etwas bedeutet», sagt William Canal. «Wir investieren in ein Werkzeug, mit dem unsere Feste noch feierlicher werden.»

Künftig wird die Pfeifenorgel auch ausserhalb der Liturgie häufiger klingen. Erstmals im Oktober lädt die Pfarrei zu Emporenkonzerten ein, jeweils nach der Messe um 11.45 Uhr. Am 1. Oktober spielt Bartholomäus Prankl, am 8. Gertrud Längle, am 15. Bernhard Loss und am 22. Oktober der 15-jährige Simon Frei.

Eingeweiht wird die Orgel am Kirchenfest Bruder Klaus am Sonntag, 24. September, um 11 Uhr. Um 12 Uhr beginnt das Pfarreifest mit einer Orgelführung, um 14 Uhr gibt Helmut Binder ein Festkonzert.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.