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Hindernisse auf dem Weg zu Jesus überwinden

Aus christlicher Sicht
Manuela Schäfer
Heute setzt man einen Hubretter ein, wenn man mit einer Bahre nicht durch die Haustür gelangen kann. (Bild: Archiv/Monika von der Linden)

Heute setzt man einen Hubretter ein, wenn man mit einer Bahre nicht durch die Haustür gelangen kann. (Bild: Archiv/Monika von der Linden)

Die Menschenmasse drängt vorwärts. Endlich ist mal wieder was los in Kafarnaum! Dieser Wanderprediger Jesus soll da sein. Einer von den vielen ist Nathan. Er drängelt nicht. Er liegt gelähmt auf seiner Trage. Seine Freunde tragen ihn und kämpfen sich vorwärts. Ihr erklärtes Ziel: Jesus soll Nathan helfen, ihn heilen. Sie haben keine Chance, durch die Menge ins Haus zu Jesus durchzukommen. Die Freunde überlegen nicht lange. Sie decken das Hausdach ab. Mauersteine krachen, Stroh fliegt um­- her. Nun sehen sie hinunter. Staub rieselt auf Jesus, der zwischen den Menschen sitzt. Alle blicken nach oben. «Entschuldigung!», ruft ein Freund. «Ich hab’s gleich! Könnt ihr ihn unten bitte abnehmen?»

Nathan weiss nicht, wohin er schauen soll. Sein Kopf ist leer. Sie lassen ihn vorsichtig nach unten. Die Freunde robben auf dem Bauch auf dem Flachdach liegend ans Loch und schauen erwartungsvoll hinunter. Sie geben ein so komisches Bild ab, dass sogar Nathan lächeln muss. Und auch Jesus lacht und schüttelt sich den Putz aus den Haaren. Er sieht Nathan an und seine Freunde. «Ich sehe euren Glauben», sagt er. Ein Schriftgelehrter flüstert dem anderen zu: «Glauben? Die habe ich noch nie in der Syna­goge gesehen!» Jesus redet unbeirrt weiter. «Kind», sagt er zu Nathan. Der lässt es geschehen, ein erwachsener Mann. «Dir sind die Sünden vergeben!» Stille.

Die Freunde atmen hörbar aus. «Als ob es darum ginge!», denken sie enttäuscht. «Also ist Jesus auch nur jemand, der fromme Sprüche macht und dann musst du sehen, wie du selbst klar kommst!» Nathan aber ist im Innersten berührt. Die körperliche Lähmung ist schlimm für ihn, aber genauso leidet er unter dem, was schief gelaufen ist in seinem Leben. Sünde, sagt Jesus dazu. Ja, das hat ihn noch mehr gelähmt, innen drin. Ironie des Schicksals: Oft ist er auf Dächer gestiegen, als er noch gesund war, um auszukundschaften, wo etwas zu holen ist. Dann ist er im Schutz der Dunkelheit zurückgekommen. Und eines Tages ist er dabei verunglückt. Vergeben, denkt Nathan, vergeben. Das hat noch nie jemand gesagt. Die Lähmung seines Körpers sieht jeder. Das innen drin hat noch niemand gesehen. Jesus spricht noch weiter: «Nimm deine Bahre und geh nach Hause!» Nathan schaut auf die Tür. «Ich habe vergessen, wo ich als erstes hinlaufen würde, wenn ich geheilt wäre», denkt er. Langsam steht er auf. Millimeter für Millimeter streckt er seinen Körper und seine Seele aus. Nathan läuft los, mitten durch die Menschenmenge. Die einen rufen laut: «Gelobt sei Gott!» Die anderen glauben an einen Trick. Nathan ist es egal.

Manuela Schäfer

Pfarrerin in Berneck

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