Hier spricht der Gemeinderat

Grosse Ausnahme: Die Redaktion überlässt diese Kolumne einem Gemeinderat. Dieser hat uns nicht nur den unten stehenden Brief zukommen lassen, sondern zugleich auf eine Publikation an dieser Stelle gedrängt. Die Redaktion hat zwar abgeraten – aber vergeblich.

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Grosse Ausnahme: Die Redaktion überlässt diese Kolumne einem Gemeinderat. Dieser hat uns nicht nur den unten stehenden Brief zukommen lassen, sondern zugleich auf eine Publikation an dieser Stelle gedrängt. Die Redaktion hat zwar abgeraten – aber vergeblich.

Liebe Bürgerinnen und Bürger

Wir, die Gemeinderäte Ihrer Gemeinde, freuen uns über die weitere deutliche Senkung des Steuerfusses, entschuldigen uns aber, dass sie so überraschend passiert. Zutiefst bedauern wir, dass der Jahresabschluss gegenüber dem Budget eine so deutliche Besserstellung in Millionenhöhe beschert. Wir hatten ja nicht wissen können, dass es auch in diesem Jahr so super läuft, nachdem wir schon im Jahr zuvor um über 2 Millionen Franken danebenbudgetiert hatten und dieses Danebenbudgetieren längst zur Gewohnheit geworden ist.

Aber eben: Möglichst treffsicheres Budgetieren ist der Anspruch der privaten Unternehmen. Die Gemeinden halten sich dagegen an die Redensart «Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste». Deshalb werden wir auch in Zukunft nicht nur vorsichtig, sondern übervorsichtig budgetieren, so überübervorsichtig, dass es möglich sein wird, auch im nächsten Jahr einen grossen – nein, grossartigen – Erfolg zu melden, eine Besserstellung der Extraklasse, denn es liegt uns nach wie vor daran, bei den nächsten Wahlen entsprechend glanzvoll bestätigt zu werden. Wir wollen das redlich verdient haben!

Mit freundlichen Grüssen

Ihr Gemeinderat

(Anmerkung der Redaktion: Wir danken für die offenen Worte und beehren den Gemeinderat mit folgendem Versprechen: Sollte er sich je dazu durchringen, mutig zu budgetieren, so dass ein grosser finanzieller Erfolg nicht überraschend käme, würde er für diese Treffsicherheit ausdrücklich gelobt!)

Gert Bruderer

bruderer@rheintalverlag.ch

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