Heute wird weniger konsumiert

Seit 1. Mai 2010 ist das Rauchen in der ganzen Schweiz in den Restaurants und Bars verboten. Wie beurteilen die Gastronomen die Situation fünf Jahre nach der Einführung des Rauchverbots? Eine Umfrage in Rheintaler Restaurants.

Susi Miara
Merken
Drucken
Teilen
Im Restaurant Wiedenau in Widnau sitzen die Gästen lieber im geschlossenen Fumoir als im rauchfreien Restaurant. (Bild: Susi Miara)

Im Restaurant Wiedenau in Widnau sitzen die Gästen lieber im geschlossenen Fumoir als im rauchfreien Restaurant. (Bild: Susi Miara)

Man wolle in der Gastronomie nicht jammern, aber ein Umsatzrückgang wegen des Gesetzes sei schon spürbar. «Im ersten Jahr nach der Einführung des Rauchverbots sank der Bierumsatz um 20 000 Franken», sagt Erika Schwinger vom Restaurant Rosengarten in Widnau. Vor allem nach dem Feierabend spüre man dies besonders. Raucher trinken weniger, weil sie zum Rauchen nicht in die Kälte, sondern lieber wieder nach Hause gehen. Die Wirtin hat 8000 Franken in ein Fumoir investiert und ist heute froh, diesen Schritt gemacht zu haben. Stünden die Gäste nämlich draussen, bekomme sie sofort Reklamationen von den Anwohnern. Schade findet Erika Schwinger, dass die Geselligkeit durch das ewige Hin und Her der Raucher verloren geht. «Heute kommt ein richtiges Gespräch gar nicht mehr auf, weil es die Raucher regelmässig vor die Tür zieht.»

Rettung Fumoir

Auch Beatrice Rupp vom Restaurant Wiedenau in Widnau bereut den Schritt nicht, ein Fumoir eingebaut zu haben. «Ich habe zwar rund 10 000 Franken investiert. Ohne Fumoir hätte ich aber das Restaurant vermutlich schliessen müssen.» 90 Prozent des Umsatzes werde im Fumoir erzielt, sagt Beatrice Rupp. «Dort wird Bier und Wein getrunken. Im rauchfreien Restaurant eher Kaffee und Tee. Weil ihr Restaurant direkt zwischen mehreren Mehrfamilienhäusern stehe, seien Reklamationen der Anwohner wegen Lärmbelästigung programmiert. Auch sei es schwer zu unterscheiden, ob die Gäste hinausgehen zum Rauchen oder ob sie das Restaurant ohne zu bezahlen verlassen.

Speiselokal ohne Rauch

Als Wirtin eines typischen Speiselokals kennt Maria Mulas-Arnold vom Restaurant Traube in Rebstein solche Probleme nicht. «Unsere Gäste, auch Raucher, sind sogar froh, dass während des Essens im Restaurant nicht geraucht wird. In der <Traube> müssen die Raucher hinaus. «Im Winter haben wir dort eine Feuerstelle, damit unsere Gäste nicht frieren», sagt Maria Mulas. Kehren am Abend Vereine ein, werde jedoch weniger konsumiert. «Früher wurden zwei und auch drei Runden bestellt. Heute geht man nach der erste Runde nach Hause», sagt Maria Mulas.

Doch nicht nur das Rauchverbot macht den Gastronomen heute zu schaffen. Viele Vereine haben eigene Vereinslokale, wo sie nach einer Probe oder nach dem Training zusammensitzen. «Man muss sich immer etwas Neues einfallen lassen, um den gleichen Umsatz wie früher zu erzielen», erklärt Maria Mulas.

Auch Madeleine Oesch vom Restaurant Hecht in Widnau hört von den Gästen nur Lob, weil während des Essens nicht geraucht wird. «In Österreich, wo in den Restaurants kein Rauchverbot besteht, fühlen sich die Leute nicht mehr wohl», sagt Madeleine Oesch. Trotzdem wird über das Rauchen auch nach fünf Jahren am Stammtisch regelmässig diskutiert. Sie habe auch Gäste verloren. Vor allem Arbeiter, die zum Znüni kommen, hätten keine Lust, draussen zu rauchen. «Sie gehen dorthin, wo es ein Fumoir hat.»

Sommer- und Wintergäste

Liselotte Inauen vom Restaurant Bahnhof in Altstätten stellte fest, dass bei ihr im Sommer andere Gäste als im Winter einkehren. Im Sommer darf natürlich im Garten geraucht werden. Im Winter müssen die Gäste ins Freie. Reklamationen höre sie aber nicht. «Unsere Stammgäste haben sich daran gewöhnt, finden es sogar angenehm, dass im Restaurant nicht geraucht wird.» Liselotte Inauen kämpft hingegen mit einem anderen Problem. Wer bei ihr einkehrt, muss auf dem gebührenpflichtigen Parkplatz das Auto abstellen. «Ein Arbeiter, der zum Znüni kommt und dafür einen Franken für den Parkplatz bezahlen muss, wählt ein anderes Restaurant», sagt Liselotte Inauen.

Bediente Fumoirs

Im Hin und Her um Fumoirs in den Restaurants und Bars im Kanton St. Gallen sind die Vorschriften etwas gelockert worden. Bisher durfte das Personal dort nur abräumen, aber nicht bedienen. Diese Regelung galt gesamtschweizerisch als sehr streng. Seit 1. Januar 2014 dürfen die Gäste in Fumoirs wieder bedient werden – allerdings muss das Servicepersonal schriftlich zustimmen.