«Heute gibt es für jedes Detail einen Experten»

An der 21. Rheintaler Sportlerwahl im Widebaumsaal war Bernard Thurnheer als Ehrengast geladen. Im Interview von «Tagblatt»-Moderatorin Diana Bula erzählte der Sportreporter und Fernseh-Moderator aus dem Nähkästchen seiner Jahrzehnte dauernden Karriere.

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Bernard Thurnheer und Heinz Duppenthaler, stv. Verlagsleiter, stellen vor dem Auftritt des TV-Moderators die Stühle bereit. «Als Pensionierter darf ich sitzen», witzelt Thurnheer. (Bild: Henry E. Merkli)

Bernard Thurnheer und Heinz Duppenthaler, stv. Verlagsleiter, stellen vor dem Auftritt des TV-Moderators die Stühle bereit. «Als Pensionierter darf ich sitzen», witzelt Thurnheer. (Bild: Henry E. Merkli)

WIDNAU. Jeder Deutschschweizer erkennt Bernard Thurnheers Stimme sofort. Sein Sprechorgan hat eine nasale Note, ist aber dennoch fest. Sein Dialekt ist zürcherisch angehaucht, aber nicht so ausgeprägt «Züritüütsch», dass ihm das im Rest der Schweiz Sympathien kostete.

Alternative war die Mattscheibe

Die Stimme ist sein Kapital. Auch dank ihr ist er berühmt geworden. Er selbst schreibt seine Prominenz auch dem Umstand zu, dass er früher «zwangskonsumiert» worden sei: «Es gab zu Beginn meiner Fernsehzeit ja nur vier oder fünf Sender. Da musste man entweder mich hören, oder den Fernseher ausschalten.» Populär geworden ist «Beni national» aber dank seinem feinen Humor und seiner Schlagfertigkeit. Als Kommentator von Fussballmatches ist er geübt, während 90 Minuten zu unterhalten. So viel Zeit stand ihm an der Gala der Rheintaler Sportlerwahl nicht zur Verfügung. Trotzdem gelang es ihm, ausführlich und witzig über seinen grossen Erfahrungsschatz zu plaudern.

Der Beruf des Kommentators habe sich grundlegend verändert: «Früher musste ich alles erzählen», sagte Bernard Thurnherr: «Über das Stadion, das Wetter, die Mannschaften, einfach alles. Heute gibt es für jedes Detail einen Experten.» Ihm bleibe nur noch, von der ersten bis zur neunzigsten Spielminute zu kommentieren und ein wenig zu analysieren. Mit dem Satz «alles andere ist Beilage», zieht er gerne seine Kollegen auf.

In seinem Jus-Studium habe er gelernt, sorgfältig zu formulieren: «Schuldig ist nur, wer einen Fehler mit böser Absicht begeht.» Oder in einer weniger juristischen Sprache: «Wenn ein Stürmer eine Flanke hinters Tor schlägt, muss ich ihm nicht alle <Schlötterli> nachrufen, weil er das höchstwahrscheinlich nicht absichtlich getan hat.»

Kein anderer wie Beni

Für den Sender SSF hatte er in der Casting-Sendung «Einer wie Beni» selbst einen Sportkommentator gesucht. Da habe er gemerkt, dass es TV für Zeitungen gebe: «Die Sendung schauten nur 35 000 Zuschauer, aber in den Zeitungen wurde so viel darüber geschrieben, wie sonst bei keiner meiner Sendungen.»

Thurnheer hat eine Botschaft, was die Pensionierung betrifft: «Ich habe einige erlebt, die nach der Berufszeit in ein Loch gefallen sind.» Er habe eine bessere Lösung gefunden: «Ich reduzierte ab 60 um 10% im Jahr, was dank dem verständnisvollen Arbeitgeber SRG möglich ist.» Er fühle sich wie ein Wanderprediger: «Ständig erwähne ich das, aber noch nie wurde es von jemanden aufgegriffen.» (vdl, ys)

• SPORTLERWAHL 6, 7