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Heiliggrab wird in der Kirche gezeigt

Auch nach mehreren Jahrzehnten hat das Heiliggrab von Kobelwald seine Faszination nicht verloren. Vom Hohen Donnerstag bis Ostersonntag kann die bildliche Darstellung vom Tod und der Auferstehung Jesu Christi in der Pfarrkirche Kobelwald besucht werden.
Ruedi Loher
Das Heiliggrab ist während der heiligen Woche in der Pfarrkirche Kobelwald aufgestellt. (Bild: Ruedi Loher)

Das Heiliggrab ist während der heiligen Woche in der Pfarrkirche Kobelwald aufgestellt. (Bild: Ruedi Loher)

KOBELWALD. Diese Woche gibt es für die 500 Seelen zählende Korporation Holzrhode/Kobelwald positive Schlagzeilen. Diese gibt es nicht etwa wegen der baldigen Saisoneröffnung der Kristallhöhle oder wegen der schönen Aussicht vom oberen Rand des alten Steinbruches ins Tal. Auch nicht die aktiven Dorfvereine, der legendäre Bauernbund-Abend in der Mehrzweckhalle oder der grössere Fasnachtsumzug geben nicht den Grund dazu. Nein, kirchliches Brauchtum wird hervorgeholt – angeregt durch den lokalen Pfarreirat Hubert Kluser und seinen Helfer Hanspeter Zäch, Mesmer. An vier Tagen – vom Hohen Donnerstag bis und mit Ostersonntag – wird nämlich das noch existierende Heiliggrab im Chor der Pfarrkirche St. Sebastian aufgestellt und zu besichtigen sein.

Verzapft, verschraubt, verkeilt

Gemäss der Passions- und Osterliturgie hat das Heiliggrab, die bildliche Darstellung vom Tod und der Auferstehung Christi, in den katholischen Gotteshäusern ausgedient. Ein Beschluss, der heutzutage vielerorts noch immer nicht verständlich ist. Der bühnenhafte Kulissenbau wurzelte vor Jahrhunderten, als die Sitte entstand, nach der Kreuzverehrung am Karfreitag das Kruzifix oder den abgelösten Christus-Korpus in ein Tuch zu hüllen und symbolisch in ein Grab zu legen. Je nach Kirchen- und Chorgrösse entstanden im Laufe der Zeit – besonders im Barock – gewaltige, szenische Grabnachbildungen. Bald nahmen sich Spezialfirmen deren Herstellung an. Die Firma Kraft-Meyer aus dem oberbayrischen Freising und später auch in Oberwil bei Zug niedergelassen – war zum Beispiel im vorletzten Jahrhundert auch für sanktgallische Pfarreien eine gute Adresse. Andere Kirchgemeinden liessen die verzapften, verkeilten und verschraubten Kulissen-Konstruktionen von einheimischen Schreinermeistern und Kunstmalern herstellen und bemalen. Mit der Einführung des elektrischen Lichtes wurden die Grabanlagen sanft beleuchtet. Schnell verdrängten sie die zahlreich aufgestellten Talg- und Kerzenlichter. Das Kobelwälder Heiliggrab stammt aus dem Kraft-Mayrischen Atelier und ist bald hundertdreissig Jahre alt. Volkskundlich gesehen also eine kostbare Rarität.

Anbetung des Allerheiligsten

Besonders das ältere Volk mag sich an die drei höchsten, heiligen Tage der Karwoche erinnern. Stets wurden sie streng in Ehren gehalten. Der Heiliggrab-Besuch in den Pfarrkirchen war volksbräuchlich überliefert. Zum Ausdruck der Trauer knieten die schwarz gekleideten Gläubigen im Gottesdienst wie auch während den Anbetungsstunden vor dem Allerheiligsten in der Kirchenbank.

Heiliggrab blieb erhalten

Als Ersatz für die verstummten Glocken waren Klappern und Raffeln im Einsatz. Erst während der Auferstehungsfeier am Samstagabend erklang das Glockengeläut wieder über die Hausdächer. Auf der oberen Empore stampfte zuweilen der Dorflehrer auf die Pedale und stimmte zu Ehren des vom Tod auferstandenen Christus die jubelnden Gebetsrufe «Halleluja» und «Grosser Gott wir loben Dich» an. So erlebten die Katholiken das Ende der Karwoche Jahr für Jahr stimmungsvoll und unvergesslich.

Infolge Platzmangels nach der Kirchenrenovation 1951 blieb das Kobelwälder Heiliggrab unbenutzt. Nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil verlor es seine weitere Verwendung in der Liturgie. Alt Mesmer Ammann verstaute seinen geliebten Kulissenbau auf dem Dachboden der Kirche, «Himmlete» genannt. So blieb die kostbare Rarität erhalten.

Alte kirchliche Tradition

Bereits vor 15 Jahren baute der Museumsverein Oberriet die Kulissenanlage für drei Tage in der Dorfkirche im Sinne einer Ausstellung auf. Da jedoch nur die Kulissen erhalten waren und das Gestell und die mechanischen Teile zur Bedienung fehlten, wurden die Bilder an ein provisorisches Gestell gehängt. In der Liturgie kam das Heiliggrab nicht zum Einsatz. Mehr als 1000 Besucher kamen damals, um die traditionsreiche Anlage zu bestaunen.

Nun hat Hubert Kluser mit seinen Söhnen und mit Hanspeter Zäch das Gestell und die Mechanik rekonstruiert, so dass dieses Jahr das Heiliggrab in seiner vollen Funktionalität zum Einsatz kommen kann. Im Verlauf der feierlichen Osternachtsmesse am Samstagabend wird wie von Geisterhand der aufgebahrte Leichnam Christi aus der Grabkammer verschwinden, um einige Augenblicke später, begleitet vom Jubelklang der Kirchenglocken und der Orgel, welche mit allen Registern zum Gloria ansetzt, als Auferstandener schwebend über den Wolken zu erscheinen.

Besuchsmöglichkeiten in der Pfarrkirche Kobelwald: Hoher Donnerstag, 5. April, von 17 bis 20 Uhr und Karfreitag bis und mit Ostersonntag von 8 bis 20 Uhr.

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