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Heilige Seelen

Aus christlicher Sicht
Carsten Wolfers
Kerzen leuchten gegen die Trauer. (Bild: Monika von der Linden)

Kerzen leuchten gegen die Trauer. (Bild: Monika von der Linden)

Der graue Monat November beginnt mit dem christlichen Festtag Allerheiligen, verbunden mit dem Gedenken an unsere Verstorbenen. Allerheiligen ist ein freier Tag in vielen Kantonen, und die Kirche gedenkt dann all denen, deren Glaube so fest und stark gewesen ist, dass wir uns nicht vorstellen können, dass sie nicht bei Gott im Jenseits wären.

Allerseelen am darauffolgenden Tag ist kein freier Tag. Die Kirche zieht darum das Gedenken an die seligen Verstorbenen vor. Wie nah die Seelen auch seiner Heiligkeit sind, wir beginnen mit dem November eine Zeit, in der wir an die verstorbenen Freunde und Familienangehörigen denken. Viele waren Tage vorher bereits auf dem Friedhof, um den Grabschmuck zu verschönern, ausgerechnet in dieser Zeit, wo wenig noch wächst. Viele stellen Kerzen aufs Grab, im Gedenken an die Liebe, die uns mit ihnen verbindet, um gleicherweise der Trauer wie dem Wetter zu trotzen.

Das Christentum hat eine klare Vorstellung davon, wie es nach dem Tod weitergeht. Ein Pfarrer hat mir vor vielen Jahren erzählt, mit wem er hofft in der Ewigkeit noch manche Partie Karten zu spielen. Diese Vorstellung ist nicht unbegründet. Die Bilder Jesu über das Leben nach dem Tod beschreiben ein grosses Fest, eine Hochzeit, eine Ernte, mit Frieden, Freude und vor allem Gemeinschaft. Christlicher Glaube kennt diese Balance des guten Lebens im Diesseits und der Hoffnung auf ein anderes Leben im Jenseits. Christen diskutieren gelegentlich darüber, was es denn braucht, um dieses ewige Leben zu erreichen, ob streng die göttliche Gerechtigkeit sein mag und wie stark die Hoffnung auf eine grosse allgemeine Versöhnung sein kann. Man traut diesem Gott der Liebe viel Barmherzigkeit zu. Unterm Strich findet sich in den Bildern Jesu und im biblischen Gottesverständnis der Grund zu hoffen, dass letztlich alles gut kommt, wie auch immer. Wie genau das funktionieren wird, davon hat das Christentum keine Vorstellung. Das ist seltsam vage geblieben in der Bibel, was nicht überraschen mag, so wenig es menschliche Neugier befriedigt.

Die Vorstellungen, wie es nachher weitergeht, sind heute vielfältiger geworden. Oftmals sind sie aber auch vager geworden. Ob nun der Gott der Bibel oder Jesus Christus die Tür zur Ewigkeit öffnen, oftmals herrscht die nebulöse, allgemeine Vorstellung vor, es gehe schon irgendwie weiter. Irgendwie gäbe es vielleicht eine göttliche Dimension, in der es halt weitergeht, oder eben auch nicht. Man fragt sich, wodurch solche Hoffnung begründet ist. Ob wir modernen Menschen da nicht immer noch unser Feuer nehmen von einer Glut, die wir gleichzeitig als erloschen deklarieren? Der eine hat bislang selten länger darüber nachgedacht, der andere mag sich ohnehin nicht festlegen. Weniger vage und klar ist da der Glaube vieler Atheisten, dass der Tod das endgültige Ende ist, oder auch das Bekenntnis vieler Muslime, dass der Tod uns vor Gottes Richterstuhl bringt und der Stab über unser Handeln gebrochen wird.

Der christliche Glaube bekennt klipp und klar, dass das ewige Leben kommt, zu dem Gott all seine Heiligen und Seligen versammelt. Das ist eine positive Nachricht, die Hoffnung schenkt im Tod wie in der Trauer. Da mag ich Gott getrost verzeihen, dass er bislang nicht deutlicher erklärte, wie er das machen wird. Aber wir zünden ja auch keine Laterne am Mittag an, sondern entzünden Kerzen auf Friedhöfen im grauen Monat November.

Carsten Wolfers

Diakon in Balgach

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