Heidi Krauser wartet weiter

HÖCHST. Noch immer wartet die Besitzerin des Grenzkiosks auf den Entscheid, was mit ihrem Laden neben dem Zollamt Höchst geschieht. Es wird wohl einen Neubau ganz in der Nähe geben.

Remo Zollinger
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Kiosk-Besitzerin Heidi Krauser: «Man schläft nicht gut mit einer solchen Ungewissheit.» (Bild: Remo Zollinger)

Kiosk-Besitzerin Heidi Krauser: «Man schläft nicht gut mit einer solchen Ungewissheit.» (Bild: Remo Zollinger)

«Ich sehe es jetzt positiver. Ich dachte zwar nicht, dass ich mit 50 Jahren nochmals bauen und Schulden machen muss, doch wenn es nicht anders geht, mache ich das halt», sagt Heidi Krauser, die den Grenzkiosk in Höchst in dritter Generation führt. Lange Zeit musste sie um die Zukunft des kleinen Ladens bangen, nun sieht es danach aus, als hätte der Grenzkiosk doch eine Zukunft. Ein paar Meter weiter hinten.

Wann kommt der Entscheid?

Sechs neue Lastwagenabstellplätze direkt neben dem Zollamt Höchst sollen die Grenzabfertigung erleichtern. Dem anzupassenden Veloweg ist der Grenzkiosk im Weg, ein kleines Häuschen mit Glasfassade, wo die Leute aus dem Dorf sich treffen und Schweizer die Zigaretten günstiger kaufen. In den ursprünglichen Plänen des Strassenbauamtes war für den Grenzkiosk kein Platz mehr. Nun scheint sich aber eine Kompromisslösung anzubahnen, die die Verlegung des Kiosks um einige Meter vorsieht.

Definitiv ist das aber noch nicht, die Behörden lassen sich mit der Kommunikation des Entscheides Zeit. Seit zwei Jahren werde sie hingehalten, sagt Heidi Krauser, «das stört mich weit mehr als ein allfälliger Umbau. Ich kann so doch gar nichts machen, weder neue Baupläne schmieden noch Offerten einholen.» Jeden Tag könne der Bescheid eintreffen, die Wartezeit sei zermürbend.

«Geht um unser Lebenswerk»

Krauser findet die Kommunikation des Bürgermeisters ohnehin unglücklich. Man habe ihr zuerst gesagt, der Kiosk sei kein Thema, dann habe sie von einem Stammgast erfahren, dass er weg sollte. «Man lässt mich im Ungewissen, dabei könnte der Bürgermeister doch einfach dazu stehen, was Sache ist», seufzt die 50-Jährige.

Die meisten ihrer Kunden nennt sie beim Vornamen. Man kennt sich, Krauser ist hier aufgewachsen: «Meine Mutter hat mich hierhin mitgenommen, da habe ich noch kaum über die Ladentheke gesehen. Es geht um unser Lebenswerk.»

Schon ihr Grossvater führte gleich gegenüber einen Laden für Südfrüchte. Die Familie Krauser ist in Höchst bekannt und beliebt. Über 2000 Unterschriften konnte Heidi zur Rettung ihres Ladens und des über 100 Jahre alten Kastanienbaumes vor dem Häuschen sammeln. Dass dieser stehen bleibt, bezweifelt Krauser: «Bei diesem Plan für Radweg und Parkplätze geht das gar nicht.»

Jeder drücke ihr die Daumen, sagt sie, auch die Einkaufstouristen von ennet der Grenze. Diese sind froh, können sie ihre Zigaretten wenige Meter neben dem Grenzübergang einkaufen – das Tabakgeschäft hat Lotto als Krausers Haupteinnahmequelle abgelöst.

Kämpferische Einstellung

Krauser meint es mit dem Kampf um ihre Existenzgrundlage ernst. «Ich würde sicher irgend eine andere Stelle finden», sagt sie, kann aber nicht verbergen, dass sie sich ein Leben fernab des Kiosks nicht gerne vorstellt. So kämpft sie mit allen Mitteln um ihn, will bei negativem Entscheid abermals «auf die Barrikaden gehen» und eine Volksbefragung – eine Gemeinde-Abstimmung ohne rechtliche Bindung für die Verwaltung – erzwingen. 800 Unterschriften bräuchte sie dafür.

Es geht ihr nicht nur darum, den Standort nahe der Grenze (die Lage ist für den Einkaufstourismus entscheidend) zu erhalten, sondern auch darum, einen langfristigen Vertrag zu erzielen. Krauser verlangt einen Kontrakt über 30 bis 50 Jahre, «sonst kommt der nächste Bürgermeister und hat wieder den Plan, den Grenzkiosk abreissen zu lassen.»