HEERBRUGG: Ungenormt und in Frage gestellt

Jonny Müller, der Pop-Art-Künstler und Video-Pionier der Ostschweizer Kunstszene, stellt vom 29. September bis 1. Oktober im Kulturraum Stellwerk aus.

Drucken
Teilen
Der Goldacher Künstler Jonny Müller stellt am kommenden Wochenende im Stellwerk in Heerbrugg aus. (Bild: pd)

Der Goldacher Künstler Jonny Müller stellt am kommenden Wochenende im Stellwerk in Heerbrugg aus. (Bild: pd)

Farbig, poppig, freundlich, strahlend, ruhig und gelassen steht der Künstler Jonny Müller in seinem Atelier in Goldach vor seinem Laptop. Sein Atelier war ursprünglich der Arbeitsraum seines Vaters, einem Velomechaniker. Nach dessen Ableben übernahm Jonny Müller die Räume und gestaltete sie für sich zu einem Atelier um. Im hinteren Teil befindet sich der Arbeitsraum, davor ein Pausenraum und zur St. Gallerstrasse hin der grosse Ausstellungsraum.

Seit bald 50 Jahren ist Jonny Müller künstlerisch tätig und wird dies mit einer grossen Jubiläumsausstellung feiern. Für sie hat er bereits zu arbeiten begonnen. Müllers Schaffen entsteht in Zyklen zu einem Thema. Zurzeit beschäftigt ihn Syd Barret, der Mitbegründer, Haupt-Songwriter, Sänger und Gitarrist der Band Pink Floyd. Der Titel des neu entstehenden Zyklus` lautet: «Das schnelle Leben und langsame Sterben des Syd Barret». Ein kleiner Vorgeschmack dieses Zyklus` wird im Stellwerk zu sehen sein. Das Hauptwerk stellt Jonny Müller aber erst in der umfangreichen Jubiläumsausstellung im Jahr 2019 vor. Müller suchte lange nach einer neuen Form der Pop Art, in der er gestalten wollte. Im Jahr 2000 fand er für sich den Zugang und mit der neuen Welt der Pop Art gleichzeitig einen Gegensatz zu seinen bisher entstandenen wilden Werken. Im Jahr 2003 wurde er gewählt, um mit einem Pop-Art-Projekt an der LandArte Rheintal «Bauern und Künstler setzen Zeichen» mitzumachen.

Seine grösste künstlerische Herausforderung war das Romstipendium im Jahr 2005, das er unter den Titel «Giovecchia Roma» setzte. Im Jahr 2006 organisierte die Galerie Siemer mit Jonny Müller eine «One Artist Show» an der Art Bodensee und 2008 erhielt er einen Werkbeitrag als erster künstlerischer Amtshausparkwächter von Rorschach.

Pionier der Video-Kunst in der Ostschweiz

Jonny Müller ist seit 1976 ­Mitglied des Berufsverbandes GSMBA/visarte und seit 1994 als komplett freischaffender Künstler tätig. Sein Werk umfasst aber nicht nur die farbige und poppige Welt der Pop-Art-Malerei. In den 1980er-Jahren galt Jonny Müller als Pionier der Video-Kunst in der Ostschweiz. Seine heute entstehenden Video-Werke sind nicht einfach Video-Clips, man muss diese Arbeiten jeweils als Ganzes betrachten – dann erkennt man Video-Skulpturen. Auch mit Installationen hat Jonny Müller die Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Bekannt sind vor allem seine «Giesskannen-Werke».

Eine neue Form seiner Pop Art, die er noch nie ausgestellt hat, zeigt Jonny Müller unter ­anderem im Stellwerk. Inkjetdrucke. Computergrafiken aufwendig auf Büttenpapier gedruckt und die wesentlichen Stellen mit Acrylfarbe übermalt. Dies ergibt eine spezielle Tiefenwirkung und strahlt mit der Einfachheit und Farbwahl viel Ruhe und Entschleunigung aus.

Ungenormt und in Frage stellend sind die farbigen Werke, die Jonny Müller an der Ausstellung im Stellwerk zeigen wird. (pd)

Die Ausstellung beginnt mit einer Vernissage am Freitag, 29. September, um 19 Uhr. Sie ist am Samstag, 30. September, und Sonntag, 1. Oktober, von 14 bis 18 Uhr geöffnet.