HEERBRUGG: Schülern diplomatisch geantwortet

Am Montagnachmittag gab es an der Kanti hohen Besuch: Die amerikanische Botschafterin sprach vor allen vierten und den bilingualen dritten Klassen und gab Antworten zu aktuellen Themen.

Maya Seiler
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Nach der Fragerunde machte Suzi LeVine – gemeinsam mit ihrem Mann, Englischlehrer Patrick Strickler und den Podiumsteilnehmern – ein Selfie mit dem Smartphone. (Bild: Maya Seiler)

Nach der Fragerunde machte Suzi LeVine – gemeinsam mit ihrem Mann, Englischlehrer Patrick Strickler und den Podiumsteilnehmern – ein Selfie mit dem Smartphone. (Bild: Maya Seiler)

Suzan Gail LeVine, die im Mai 2014 vereidigte US-Botschafterin für die Schweiz und Liechtenstein, nutzt ihre Amtszeit für Besuche in Unternehmen, religiösen und politischen Organisationen. Toleranz ist ihr überaus wichtig, zwischen Geschlechtern, Religionen und sozialen Schichten. Sie war die allererste Botschafterin, die am Zurich Pride Festival teilnahm.

Auch Schule und Ausbildung sind ihr ein Anliegen, darum spricht sie so oft wie möglich zu Schweizer Schülerinnen und Schülern. Am Montag hatte sie nach einem Termin in der Ostschweiz ein freies Zeitfenster, wodurch der Besuch an der KSH zustande kam. Den Kontakt in die Wege geleitet hatte der ehemalige Kanti-Absolvent Alexander Sigrist, Spezialist für kulturelle Angelegenheiten in der amerikanischen Botschaft.

Duales Bildungssystem in den USA aufbauen

Besonders beeindruckt ist die Diplomatin von unseren Berufslehren. Mit Hilfe von Fachleuten soll in den USA ein ähnliches duales Bildungssystem aufgebaut werden, denn in den Staaten fehlen ausgebildete Fachleute für sechs Millionen Jobs. 30 Schweizer Unternehmen, darunter bekannte Firmen wie Bühler, Pilatus oder ABB, engagieren sich, um das Schweizer Modell in die USA zu übertragen.

Die Siebenundvierzigjährige ist eine grossartige Kommunikatorin, die mit ihren Zuhörern und Interviewpartnern auf Augenhöhe verkehrt. Ihr spontanes Auftreten, gemeinsam mit Ehemann Eric LeVine, sicherte ihr sofort die Sympathie des Auditoriums. Sich und ihren Mann stellte sie als ganz normales Ehepaar vor, beide berufstätig, sie Botschafterin, er Unternehmer und «Work-at-home-Dad», Hausmann, der zu den beiden Kindern schaut.

Im Podiumsgespräch fragten Schülerinnen und Schüler die Botschafterin, was sie an ihrem Beruf am meisten liebe. Suzan LeVine antwortet lachend, das sei, wie wenn man fragen würde, welches ihrer Kinder sie am liebsten habe; sie mache alle ihre Aufgaben gern. Besonders liebt sie die Kontakte, die sie dank ihres Amtes knüpfen kann. Zu den bleibenden Erinnerungen gehören Treffen mit Politprominenz; LeVine nannte aber auch die Dixie Chicks, den Drummer der Red Hot Chili Peppers oder den Velorennfahrer Fabian Cancellara. Beeindruckt hätten sie unbekannte Leute, «people who make this world run», Leute, die die Arbeit machen. Gespannt wartete man, wie die Ambassadorin Fragen zur aktuellen politischen Lage in den USA beantworten werde. Hier zeigten sich schon die Schüler sehr diplomatisch; nie fiel der Name Donald Trump. Auf alles, was unter der neuen Administration geschehen werde, antwortete sie «I simply don't know – ich weiss es nicht». Mit Blick auf das von ihr geförderte Programm der Berufslehren war sie zuversichtlich, dass die vielen Beteiligten, unabhängig von «republikanisch» oder «demokratisch», der eingeschlagenen Richtung treu bleiben werden.

LeVine wusste auch nicht, wie es im Umweltschutz weitergehe mit einem Präsidenten, der nicht an den Klimawandel glaubt. Sie vertraut aber auf das amerikanische System von «checks and balance» und auf das Engagement einzelner Bundesstaaten, die bereits viele Klimaziele unterstützen.

Eine Schülerin wollte wissen, wie die Einreise unter der der neuen Administration aussehen werde. LeVine betonte, die USA seien schon immer ein Immigrationsland gewesen; für Studenten oder Touristen werde sich nichts ändern.

Aufruf, das Stimmrecht wahrzunehmen

Auf Fragen zu der unterschiedlichen politischen Kultur in den beiden Ländern erklärte die Diplomatin, dass nur bei Präsidentschaftswahlen das Zwei-Parteien-System mit Wahlmännern zum Einsatz komme. In vielen Bundesstaaten gebe es aber mehrere Parteien; man kenne auch ein Initiativ- und Referendumsrecht analog zur Schweiz. Eric LeVine rief die Jungen auf, ihr Stimm- und Wahlrecht wahrzunehmen. In den USA wie in der Schweiz sei die Stimmbeteiligung plus-minus 50 Prozent; jeder, der nicht an die Urne gehe, bekomme etwas, was er nicht gewollt habe.

Gefragt, was die Schweiz nach ihrer Meinung ändern solle, wies Suzi LeVine auf den unterschiedlichen Umgang mit Misserfolgen: In den USA sei es möglich, «to fail and to come back; zu versagen und es nochmals zu versuchen». Wenn man nach einem Misserfolg weitermache, könne man viel erreichen.