HEERBRUGG: Schüler erarbeiten modernes Stück

«Homo Empathicus» stellt den Wunsch nach einer perfekten Gesellschaft und einem idealen Menschen in Frage. Die Theatergruppe der Kantonsschule Heerbrugg wagt die schweizerische Erstaufführung.

Max Pflüger
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Turbulente Szenen zwischen dem «Menschenkollektiv» und Adam und Eva, den zwei Vertretern der realen Gegenwart. (Bild: Max Pflüger)

Turbulente Szenen zwischen dem «Menschenkollektiv» und Adam und Eva, den zwei Vertretern der realen Gegenwart. (Bild: Max Pflüger)

Max Pflüger

Man stelle sich vor: Eine Gesellschaft, die alle Forderungen nach Gleichbehandlung durchgesetzt, alle ausbeuterischen Abhängigkeitsverhältnisse abgeschafft und die Sprache von allen herabwürdigenden Begriffen gereinigt hat. Es ist eine Gesellschaft, in der es nicht mehr Mann und Frau gibt, sondern nur noch «das Mensch».

Eine Gesellschaft, in der sich alle Zugehörigen mit Respekt und Wärme begegnen, in der das Miteinander regiert und Empathie für den Mitmenschen über Einzelinteresse gestellt wird. Die konfliktfreie Kommunikation des «Wegsprechenden» überdeckt hier jeden Konflikt schon im Entstehen und löst jede aufkeimende Dissonanz sofort in Wohlgefallen auf.

Erreicht wird der Zustand auch, weil das Trinkwasser dieser Gesellschaft mit Oxytocin angereichert ist, einem Hormon, das nicht nur das Verhalten zwischen Mutter und Kind sowie zwischen Geschlechtspartnern, sondern auch ganz allgemein soziale Interaktionen positiv beeinflusst.

Utopie und Gegenwart stossen aufeinander

Eine solche Utopie zeichnet das Theaterstück «Homo Empa- thicus» der Berliner Autorin Rebekka Kricheldorf nach, das sie 2014 als Auftragswerk für das Deutsche Theater Göttingen geschrieben hat.

Gestört wird darin die allgegenwärtige, aber oft oberflächliche Harmonie erst durch das Auftauchen von zwei «Wilden», einem «Mann» und einer «Frau» aus dem Alltag der aktuellen Gegenwart, von zwei Individuen, die Alkohol konsumieren, Fleisch essen und Sex haben, kurz, die das Leben in allen Facetten intensiv leben.

Solche Gegensätzlichkeiten führen schliesslich dazu, dass jeder Theaterbesucher zum Schluss für sich selbst entscheiden muss: Was ist möglich? Wie weit sollen Idealismus und Utopie führen? Was ist für den Menschen, für die Gesellschaft und für jeden Einzelnen letztlich richtig?

In der ersten Hälfte des kommenden Monats bringt die Theatergruppe der Kantonsschule Heerbrugg das Stück als schweizerische Erstaufführung auf die Bühne. Gegenwärtig ist das Theaterspiel in der Schlussphase der Vorbereitungen. Unter der Regie der Deutschlehrerin Milena Todic und der Mithilfe ihres erfahrenen Vorgängers Theo Scherrer sowie dem Regieassistenten Nando Büchel proben die 26 Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Wahlfachkurses «Theater» intensiv in der Aula. Die Schülerinnen und Schüler, aber auch die beiden Leiter sind mit Begeisterung und Spass dabei. Sie freuen sich darauf, ihre Inszenierung einem breiteren Publikum vorzustellen.

«Homo Empathicus» wird an folgenden Daten aufgeführt: Donnerstag, 9. Februar, 19.30 Uhr; Samstag, 11. Februar, 19.30 Uhr, und Sonntag, 12. Februar, 17 Uhr in der Aula der Kantonsschule Heerbrugg.

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