HEERBRUGG: Psychisch krank am Arbeitsplatz

Psychisch erkrankte Mitarbeiter sind eine grosse Herausforderung für die Chefs. Eine gemeinsame Veranstaltung des AGV Rheintal und der Psychiatrie-Dienste Süd gab den Arbeitgebern wertvolle Informationen und Tipps.

Max Pflüger
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Mit kurzen Referaten informierten (von links) Patrick Buner, Leiter Care Management Swica St. Gallen, Bernhard Kohler, Facharzt für Psychiatrie, und Thomas Bolt, Rechtsanwalt. (Bild: Max Pflüger)

Mit kurzen Referaten informierten (von links) Patrick Buner, Leiter Care Management Swica St. Gallen, Bernhard Kohler, Facharzt für Psychiatrie, und Thomas Bolt, Rechtsanwalt. (Bild: Max Pflüger)

HEERBRUGG. Im Rahmen seiner regelmässigen Informationsveranstaltungen lud der Arbeitgeberverband Rheintal (AGV) am Dienstagabend gemeinsam mit den Psychiatrie-Diensten Süd zum Fachaustausch «Schwierige Mitarbeiter – Was ist hilfreich?» ein. Im Auditorium des Psychiatriezentrums Heerbrugg sprachen zum Thema Dr. med. Bernhard Kohler, Facharzt für Psychiatrie, Patrick Buner, Leiter Care Management Swica St. Gallen, und lic. iur. Thomas Bolt, Rechtsanwalt.

Interdisziplinäre Diskussion

Der Umgang mit psychisch erkrankten Mitarbeitern bewegt sich im Schnittpunkt unterschiedlichster Fachgebiete. Besonders medizinische, versicherungstechnische und rechtliche Fragen sind dabei von Bedeutung. Die Veranstalter stellten für den Informationsanlass ein entsprechendes Programm zusammen, das den interessierten Arbeitgebern die verschiedenen Aspekte des Themas näher brachte.

Unter dem Titel «Persönlichkeitsstörungen am Arbeitsplatz, Auswirkungen auf die Zusammenarbeit» gab Bernhard Kohler einen Überblick über die häufigsten Persönlichkeitsstörungen. Er zeigte, wie sich diese manifestieren und im Arbeitsklima auswirken. Patrick Buner erläuterte das umfassende Care Management der Swica. Arbeitsrechtlich relevante und für die Arbeitgeber wichtige Gesetzesbestimmungen waren das Thema von Thomas Bolt. Im Anschluss an die drei Kurzreferate stellten sich die Redner den offenen Fragen der Teilnehmer.

Persönlichkeitsstörungen

Persönlichkeitsstörungen definierte Bernhard Kohler als mehr oder weniger stabile und überdauernde Fehlorganisation einer Person als Resultat genetisch-biologischer Voraussetzungen und psychosozialen Umgebungsbedingungen. Von der Kindheit bis ins Alter dauert die Fehlentwicklung und die Reifung der Störung oft ein Leben lang. In kurzen Abrissen zeichnete er dann die Charakterveränderungen der unterschiedlichen Persönlichkeitsstörungen nach. Er erklärte narzisstische, zwanghafte, paranoide und andere Krankheitsbilder. Er warnte aber zugleich davor, in jedem Charakterzug gleich ein Krankheitsbild zu sehen: «Nicht jeder, der stört, ist gestört.»

Care Management

In das betriebliche Gesundheitsmanagement und in das Care-Management führte Patrick Buner ein: «Der Care Manager betreut und begleitet arbeitsunfähige oder von Arbeitsunfähigkeit bedrohte Mitarbeitende mit dem Ziel, sie nachhaltig wieder in den Arbeitsprozess zu integrieren und eine Invalidisierung zu verhindern.» Er zeigte vor allem, dass frühe Erkennung von psychischen Problemen und damit frühzeitiges Handeln zu günstigeren Erfolgsprognosen führen. Care Management im Unternehmen sichert so wertvolles Know-how, senkt Lohnausfall- und Absenzenkosten und senkt nachhaltig die finanziellen Belastungen der Pensionskassen.

Aus dem Arbeitsrecht

Im dritten Referat erläuterte Thomas Bolt die arbeitsrechtliche Gesetzgebung im Zusammenhang mit Krankheit, krankheitsbedingten Absenzen und Arbeitsunfähigkeit.

Ein brennendes Thema bei den Arbeitgebern, denn im Wesentlichen konzentrierten sich ihre Fragen in der anschliessenden offenen Diskussion schwerpunktmässig auf dieses Thema. Arztzeugnis und ärztliche Schweigepflicht sowie die Möglichkeit eines Arbeitgebers, einen Vertrauensarzt beizuziehen, standen dabei im Zentrum.

Die rechtliche Problematik stellt sich nicht ganz einfach dar. Jeder Fall ist anders gelagert und muss individuell betrachtet werden. Thomas Bolt gab den Arbeitgebern daher auch den Rat mit, besser Entscheide mit Umsicht zu treffen und im Zweifelsfall den Rat des Fachmanns zu suchen.