HEERBRUGG: «Ost trifft West» mit stimmgewaltigen Russen

Schöne Melodien und Weisen aus einem reichhaltigen Schatz russischer Kirchen- und Volksmusik haben den Zuhörerinnen und Zuhörern am Sonntag in der evangelischen Kirche grosse Freude bereitet.

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Trotz des herrlichen Wetters kamen viele Musikbegeisterte in die evangelische Kirche. (Bild: mio)

Trotz des herrlichen Wetters kamen viele Musikbegeisterte in die evangelische Kirche. (Bild: mio)

Am frühlingshaften Sonntagabend strömte eine grosse Anzahl interessierter Musikliebhaber der evangelischen Kirche in Heerbrugg zu. Kirchenvorsteher Charles Martignoni begrüsste in sympathischen Worten den St. Daniels Chor aus Moskau.

Gleich zu Beginn überbrachte der Chor die Osterbotschaft: «Christus ist auferstanden» in den liturgischen Sprachen Griechisch, Lateinisch und Russisch. Das «Gebet zur Osternacht» war getragen vom sonoren, tiefen Bass. Der Chorleiter, Vladislav Belikov, verstand sehr gut, Eigenheiten und Eigenarten der orthodoxen Liturgie vorzustellen.

Die Chöre spielen in der orthodoxen Kirche eine überragende Rolle, da die ganze Liturgie ausschliesslich a cappella ist. Das die ganze Christenheit umfassende Gebet «Unser Vater» wurde eindrucksvoll gesungen und schloss mit der Bitte um das Amen ab. Die Mutter Maria hat in der orthodoxen Kirche eine herausragende Bedeutung. Mit seinem gewaltigen Stimmenvolumen sang der Chor lautmalerisch das «Ave Maria» von Sergej Rachmaninov. Mit dem ergreifend vorgetragenen Kirchenlied «Ich bete an die Macht der Liebe», das eines der Markenzeichen des legendären Don-Kosaken-Chors war, schloss der erste Teil des Konzertes.

Pavel Klimeschev sang aus der Operette «Zarewitsch» von Franz Lehár das «Wolgalied». Er entführte mit seiner glockenreinen, variierenden Tenorstimme in die endlosen Weiten Russlands. Und er erinnerte damit an das einfache Wissen, dass überall, wo Menschen sind, tiefe Gefühle leben. Es war dem Sibirier Sergej Archangelsky vorbehalten, das Steppenlied seiner Heimat vorzutragen. Es ist getragen von tiefer Melancholie, bei dem trotz aller Härte auch die Freude am Leben sich nicht unterkriegen lässt und hervorbricht. Ein Gassenhauer aus dem letzten Weltkrieg hat es in das Volksliedgut Russlands geschafft: Es ist das Lied «Vor der Kaserne» von Lili Marlen. Mit klarer Stimme trug Michail Nor das Lied stimmig vor. Der Elvis-Presley-Song «Love Me Tender» gewann durch den zweiten Bass Sergej Archangelsky buchstäblich an Tiefe.

Nach viel Beifall auf Russisch verabschiedet

Das Lied vom «einsamen Glöcklein» läutete den Abend ein. Die glockenreinen Männerstimmen vereinten sich zu «Haare aufstellenden» Harmonien.

Beim traditionellen «Kalinka» wurde nicht gespart, nicht mit Variationen von Lautstärke, Tempo, Bewegung und Ausdruck. Beim «Katjuscha-Lied» zu Ehren der Katharina liefen die Sänger zur Hochform auf. Der orthodoxe Segenswunsch mit dem Gebet «Auf viele Jahre» schloss das hochstehende Konzert ab. Das begeisterte Publikum spendete rauschenden Beifall. Die Musiker verabschiedeten sich mit dem russischen Wiedersehensgruss: «Dos vidanje». (fib)