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HEERBRUGG: Moderne Wirklichkeit im Theater

Die OMR-Theaterschüler beeindruckten mit einer zeitgemässen Fassung des berühmten «Nathan der Weise». Auch hier ging es um Toleranz zwischen verschiedenen Kulturen. Den musikalischen Rahmen bildeten die englischen Hits der Freifach-Band.
Maya Seiler
Für den Schlussapplaus riefen Akteure und Musiker Regisseurin Angelique Anderegg und Band-Leiter Wolfgang Huber auf die Bühne. (Bild: Maya Seiler)

Für den Schlussapplaus riefen Akteure und Musiker Regisseurin Angelique Anderegg und Band-Leiter Wolfgang Huber auf die Bühne. (Bild: Maya Seiler)

Maya Seiler

Lessings «Nathan der Weise» ist nicht unbedingt ein Theater für ein Laien-Ensemble. Trotzdem reizte die Geschichte um Toleranz die Theaterpädagogin Angelique Anderegg, die an der Oberstufe Mittelrheintal das Freifach Theater unterrichtet. Gerne wollte sie wieder einmal einen Klassiker inszenieren. Da ihre Truppe sich aus sechs verschiedenen Nationen zusammensetzt, drängte sich der Stoff um den muslimischen Sultan, den weisen Juden Nathan und den christlichen Tempelritter fast auf. Die Schülerinnen und Schü­ler fanden Gefallen an den existenziellen Fragen um Herkunft, Glück und Liebe und erarbeiteten den herausfordernden Stoff mit grossem Engagement. Wie es sich für einen Klassiker gehört, redeten sie Hochdeutsch, allerdings nicht in klassischen Blankversen, sondern in der Sprache der Gegenwart. Da im Lessing-Drama eine Beraterin mit dem Sultan Schach spielt, stellte die Regisseurin das königliche Spiel ins Zentrum des Stücks, denn wie dort machen auch auf dem Spielbrett Bauern, Militär und Regierung ihre Schachzüge. Intellektuelle Dialoge wechselten mit lebhaften Spielszenen, viele clevere Regie-Einfälle lockerten das anspruchsvol­- le Stück auf: PET-Flaschen als Schachfiguren, Schärpen in Blau, Gelb oder Rot, um die Zugehörigkeit der schwarz gekleideten Akteure anzudeuten, oder die Hocheinrad fahrende Nathania. Mit zeitgemässem Groove trug die zwölfköpfige Schülerband unter der Leitung von Wolfgang Huber zum modernen Remake des Klassikers bei.

Inszenierung mit modernen Mitteln

Im klassischen Drama sind es die drei grossen Weltreligionen, im Schultheater «Schachmatt» drei Völker, die in der Stadt Usa um ein friedliches Zusammenleben ringen. Regiert von den machthungrigen Slem, gehen die gewieften Denu ihren Geschäften nach, während die unerschrockenen Istenier um einen Platz in der Gesellschaft kämpfen. Diese Dreiteilung symbolisieren drei grosse Paneele, auf die wechselnde Bilder projiziert werden. Besonders eindrücklich ist der Brand des Hauses von Geschäftsfrau Nathania. Auch der Text der Ringparabel – zentrale Szene in Lessings Stück – erscheint zum Schluss auf den Paneelen. Na­thanias Tochter Recha wird vom Istenier Kurt aus dem brennenden Gebäude gerettet; sie glaubt, in ihm die Figur des Superman zu erkennen. Nicht nur ihr Retter, auch ihre beste Freundin Daja gehört zum Volk der Istenier. Zum Schluss stellt sich heraus, dass einige Hauptpersonen von unterschiedlicher Nationalität miteinander verwandt sind: Kurt und seine Schwester Hannah sind die Kinder von Saladins verschollenem Bruder Assad, und das Findelkind Recha ist eigentlich eine Slem. Darum heisst die Schlussfolgerung «Schachmatt für In­toleranz».

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