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HEERBRUGG: Irdischer Ärger wegen «Star Wars»

«Star Wars» ist ein Kassenschlager. Doch ein kleines Kino wie das «Madlen» nützt das wenig. Die Ticketeinnahmen gehen zu 65 Prozent an Disney.
Gert Bruderer
So hart wie der Kampf der Jedi-Ritter im fiktiven Star-Wars-Universum ist der reale, aussichtslose Kampf der Kinos gegen hohe Abgaben. (Bild: Keystone/Lucasfilm)

So hart wie der Kampf der Jedi-Ritter im fiktiven Star-Wars-Universum ist der reale, aussichtslose Kampf der Kinos gegen hohe Abgaben. (Bild: Keystone/Lucasfilm)

Nie zuvor hätten die Kinos dem Filmverleiher einen so hohen Anteil abtreten müssen, schreibt der Zürcher «Tages-Anzeiger». Dem «Madlen» bleibt pro Eintritt ziemlich genau ein Fünfliber.

Das ist nicht einmal das Schlimmste. «Madlen»-Betreiber Pascal Zäch sagt, eine zweite Bedingung mache einem kleinen Haus, hinter dem keine Kette ­stehe, das Leben sogar noch schwerer: Disney verlangt, dass «The Last Jedi», der neue Film der Star-Wars-Reihe, mindestens drei Wochen im «Madlen»-Programm bleibt.

Auch der Zwang, sich für die Vorführung eines neuen Films zu verpflichten, bevor die Bedingungen genau bekannt sind, bereitet Pascal Zäch keine Freude. So wird zwischen den Grossen der Branche und dem Verleiher über die exakten Konditionen für «The Last Jedi» noch immer verhandelt.

Für ein kleines Kino besonders hart

Pascal Zäch weiss aus Erfahrung, dass ein Kassenschlager vor allem zu Beginn die Kassen füllt. Nach einer Woche lasse der Besuch bereits stark nach. Müsse der Film trotzdem im Programm bleiben, stehe er anderen neuen Filmen im Weg.

Für ein kleines Lichtspieltheater sei das natürlich eine ­besondere Erschwernis. Der «Tages-Anzeiger» spricht sogar davon, dass die Konditionen sich als «geschäftsschädigend erweisen» könnten, sofern ein kleines Kino nicht genug Zuschauer in seiner Umgebung hat, als dass eine mehrwöchige Laufzeit sich im grössten – oder einzigen – Saal rechtfertigen liesse.

Mehr Spielraum dank Lotteriefonds

Dank eines Beitrags aus dem Lotteriefonds hat das Heerbrugger «Madlen» nun wenigstens etwas mehr Handlungsspielraum. Fortan ist es möglich, den modernen Anbau ebenfalls als «Kinosaal» zu nutzen. Hierfür war ein spezieller Beamer für 60000 Franken anzuschaffen. Der Unter­stützungsbeitrag von 100000 Franken aus dem Lotteriefonds ermöglichte die nötigen Investitionen in die Technik sowie in die Einrichtung, vor allem Stühle und spezielle (lichtundurchlässige) Vorhänge.

Obschon «The Last Jedi» drei Wochen lang fix im Heerbrugger Kinoprogramm zu bleiben hat, kann Pascal Zäch den deutschen Film «Das bescheuerte Herz» also trotzdem zeigen – halt eben im zweiten, kleineren Raum.

Wird «The Last Jedi» wegen der harten Bedingungen den Eintrittspreis nach oben treiben? – Nein, antwortet Pascal Zäch. Die Konditionen hätten keinen Einfluss auf den Ticketpreis, hingegen könne die Spielfilmlänge sich auswirken. Seit jeher wird für Filme mit «Überlänge» etwas mehr verlangt, was logisch ist: Dauert ein Film nicht die üblichen eineinhalb Stunden, sondern eine Stunde und fünfundvierzig Minuten oder länger, entstehen höhere Personalkosten.

Öffentlich zum ersten Mal wird der neue Film der Star-Wars-Reihe in Heerbrugg am Freitag, 15. Dezember, gezeigt. Der Termin ist fix. Tags zuvor hat das Kinotheater Madlen die Versicherungsgesellschaft Zurich zu Gast, die einen Kundenanlass durchführt. So startet «The Last Jedi» bei vollem Haus.

Das «Madlen» hat keine Wahl

Solche Zusagen sind natürlich eine finanzielle Wohltat für ein kleines Kino. Dessen Abhängigkeit ist ja umso grösser, als die fünf weltweit erfolgreichsten ­Filme im letzten Jahr alle von ­Disney stammten, unter ihnen «Captain America 3» oder «Rogue One: A Star Wars Story». Auch in diesem Jahr schwingt ­bisher eine Disney-Produktion obenaus; die Realverfilmung des Trickfilmklassikers «Beauty and the Beast».

Hoch war der Anteil, den das «Madlen» dem Verleiher abzugeben hat, schon immer. 50 Prozent seien das Minimum, sagt Pascal Zäch, in aller Regel sind es mehr. 55 Prozent sind keine Seltenheit, auch 60 Prozent kamen schon vor. Die Protestmöglichkeit gegen die nun festgelegten 65 Prozent für «The Last Jedi» erschöpft sich darin, dass jeder Kinobetreiber auf den Film verzichten könnte. Aber wirklich eine Wahl hat auch das «Madlen» nicht. Das Publikum würde es kaum verstehen, bliebe ihm ausgerechnet der mutmassliche Hit des Jahres vorenthalten.

Gert Bruderer

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