Vandalismus
Das fast alltägliche Velo-Massaker am Bahnhof Heerbrugg

Am Bahnhof Heerbrugg sind oft zerstörte Velos zu sehen. Wer etwas auf sein Fahrrad hält, stellt es woanders ab.

Yves Solenthaler
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Mutwillige Zerstörung: So wie auf diesem Bild ergeht es vielen Bahnhof-Velos in Heerbrugg.

Mutwillige Zerstörung: So wie auf diesem Bild ergeht es vielen Bahnhof-Velos in Heerbrugg.

Bild: PD

Am Samstagmorgen bot sich Passanten beim Bahnhof Heerbrugg ein beschämender Anblick: Viele der im Veloständer abgestellten Fahrräder sind mutwillig zerstört worden. Wer über Nacht das zerstörerische Werk verrichtet hat, ist nicht bekannt. Es wird auch nie bekannt werden, denn die meisten Velo-Sachbeschädigungen werden der Polizei gar nicht gemeldet. Gemäss einer Umfrage von Pro Velo Schweiz vom Jahr 2018 waren 16 Prozent der Velofahrerinnen und Velofahrer schon von Vandalismus betroffen.

Meistens lohnt es sich nicht, Anzeige zu erstatten

Dennoch: Nur selten führe Velo-Vandalismus zu einer Anzeige, sagt Hanspeter Krüsi, Mediensprecher der Kantonspolizei St. Gallen: «Zerstörte Velos sind in unserer Arbeit kein Schwerpunkt im Gebiet des Vandalismus.» Der Grund liegt auf der Hand: Bei den beschädigten Fahrrädern handelt es sich oft um «Bahnhof-Velos», also billigen Zweirädern. Wer die Beschädigung gegenüber der Versicherung geltend machen möchte, muss zwar bei der Polizei Anzeige einreichen – aber die meisten haben einen Selbstbehalt über 200 oder 300 Franken – das lohnt sich nicht bei einem Velo, das nur ein paar hundert Franken gekostet hat.

Oft wechseln solche Fahrräder den Besitzer auch unter der Hand, das heisst: Es gibt keinen Kaufbeleg. Und weil Velos in der Schweiz nicht registriert sind, kann der Besitzer oder die Besitzerin nicht beweisen, dass es sein oder ihr Velo ist. Allerdings gibt’s, gerade mit dem E-Bike-Boom, auch viele teurere Fahrräder, bei denen ein Kaufbeleg vorhanden und auch ein finanzielles Interesse gegeben ist, um den Schaden gegenüber der Versicherung geltend zu machen. Krüsi sagt:

«Besitzerinnen und Besitzer von teureren Fahrrädern stellen diese an einem sichereren Ort als an einem Bahnhof ab.»

Weil man nicht damit rechnen kann, dass das Velo die Nacht am Bahnhof in fahrtauglichem Zustand übersteht, stellt man es lieber nicht dort ab. Das wissen viele und handeln danach – aber ist das ein hinnehmbarer Zustand?

Für hochwertige Velos gibt’s die abschliessbare Station

Für Pendlerinnen und Pendler, die regelmässig am Bahnhof das Velo abstellen, haben die Gemeinden Au, Berneck, Widnau und Diepoldsau vor mehr als zehn Jahren in Heerbrugg eine gedeckte und abschliessbare Veloparkanlage geschaffen. Die Anlage bietet Platz für 64 Velos. Gemäss Marcel Fürer, Stellvertreter des Auer Gemeindepräsidenten in Verwaltungsangelegenheiten, könnte die Kapazität jederzeit verdoppelt werden, wenn die Nachfrage bestünde: «Die Plätze sind gut, aber nicht übermässig belegt.»

Wer dort sein Fahrrad sicher aufbewahren möchte, zahlt 100 Franken pro Jahr. Und seit 2015 betreiben die SBB auf der nach Widnau gerichteten Seite (Ächeli) des Bahnhofs eine Velostation. Dort stehen die Fahrräder zwar ebenso ungesichert wie auf der anderen Bahnhofseite – aber die Unterführung dient offenbar als Hemmschwelle für Velo-Zerstörer: Dort sind deutlich seltener mutwillig zerstörte Fahrräder anzutreffen.

Der oft von Vandalen heimgesuchte Veloständer vis-à-vis des Busbahnhofs wird von der Gemeinde Au betrieben. «Wir wissen, dass dort oft Velos zerstört werden. Regelmässigen Bahnhofnutzern mit einem hochwertigen Velo empfehlen wir daher die abschliessbare Velostation», sagt Marcel Fürer. Er ist selbst Amateur-Radrennfahrer und sagt: «Zum Bahnhof gehe ich immer zu Fuss.»