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HEERBRUGG: Auf der Suche nach dem Glück

Mit Vera Bauer und deren Programm «Ich Narr des Glücks – Heinrich Heine» präsentierte die Rheintalische Gesellschaft für Musik und Literatur das Fragment eines literarischen Porträts des Dichters.
Gerhard Huber
Vera Bauer bereitete den Besuchern mit ihrem Sprech- und Gesangsvortrag ein literarisch-musikalisches Vergnügen. (Bild: Ulrike Huber)

Vera Bauer bereitete den Besuchern mit ihrem Sprech- und Gesangsvortrag ein literarisch-musikalisches Vergnügen. (Bild: Ulrike Huber)

Gerhard Huber

«Denk ich an Deutschland in der Nacht / Dann bin ich um den Schlaf gebracht / Ich kann nicht mehr die Augen schliessen / Und meine heissen Tränen fliessen.» Welcher Literaturliebhaber kennt sie nicht, diese prophetischen Zeilen, die der «letzte Romantiker», Lyriker und Begründer des politischen deutschen Feuilletons, Heinrich Heine, 1843 in seinem selbst gewählten Pariser Exil geschrieben hat. Jener Heine, der ein Zerrissener war. Zerrissen zwischen seiner jüdischen Herkunft und der freiwilligen, aus opportunistischen Gründen erfolgten Taufe zum Christentum. Zerrissen zwischen seinem deutschen Vaterland und dessen unerträglichem Nationalismus und der fortschrittlich-libertären französischen Gesellschaft der post-napoleonischen Zeit.

Von der Zensur Zeit seines Lebens verfolgter Freigeist

Vera Bauer porträtierte in ihrem einstündigen Programm den scharfzüngig-brillanten und Zeit seines Lebens von der Zensur verfolgten Freigeist mit dem Vortrag seiner Texte, Gedichte und Reisebilder. Nach ihren eigenen Angaben noch als «Werkstattaufführung». Denn die Künstlerin war in den letzten Wochen Opfer eines grippalen Infekts und ihre Konzeption und Interpretation dieses neuen literarisch-musikalischen Bühnenprogramms noch nicht ganz stimmig und rund. Der grossartigen Stimmakrobatin und Cellospielerin fehlte es sichtlich an Verve und Energie. Dennoch, auch eine sich nicht auf der Höhe ihres Könnens befindliche Vera Bauer ist immer noch ein Erlebnis für jeden Kulturfreund.

Es waren intensive 60 Minuten in der leider nur spärlich besetzten Kanti-Aula. Eine musikalische Lesung mit den berühmten Liedvertonungen der Texte Heines durch Robert Schuhmann. Mit kurzen Intermezzi, in denen die Künstlerin auf ihrem Violoncello eindringliche Stücke zum Besten gab, in denen sie zeigte, dass sie auch eine begnadete Cello-Interpretin ist. In einem ganz eigentümlich klingenden, aussergewöhnlich klar artikulierten Sprechgesang trug sie die Texte von Heinrich Heine vor. Immer wieder die dramatischen Stellen mit Zupfern und Strichen auf dem Cello betonend. Eine musikalische Lesung ganz eigener Art. Eine vielschichtige, nuancenreiche, szenenhafte Darstellung des Lebens von Heinrich Heine.

Eines Dichters und Literaten, der immer wieder dem Glück nachzujagen schien, es aber letztlich nicht einzufangen vermochte. Während er in seinen romantischen Frühwerken noch vom «wunderschönen Monat Mai» fabulierte und der reinen Liebe ein Kränzlein wand, ernüchterte ihn das Leben. Die politische Zensur sowie die Ablehnung seiner Werke aus antisemitischen Gründen machten ihn verbittert und trieben ihn nach Frankreich – «das Glück ist eine leichte Dirne».

Vera Bauer schaffte es trotz ihrer etwas spürbaren Indisponiertheit, die wechselnden Stimmungen des Heineschen Oeuvres einzufangen und den Besuchern ein literarisch-musikalisches Vergnügen zu bereiten.

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