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Hansdampf(t) in allen Gassen

Nächsten Dienstag, 21.Juni, ist einer der wichtigsten Termine im Jahresrhythmus und das Gegenstück zur Weihnacht/Wintersonnwende: Sommersonnwende und ein paar Tage später das christliche Ersatzfest Johanni. Oder auch Holdertag, weil man dann Holderchüechli machte.
Urs Stieger Berneck

Nächsten Dienstag, 21.Juni, ist einer der wichtigsten Termine im Jahresrhythmus und das Gegenstück zur Weihnacht/Wintersonnwende: Sommersonnwende und ein paar Tage später das christliche Ersatzfest Johanni. Oder auch Holdertag, weil man dann Holderchüechli machte.

Für das Volk in Stadt und Land war der Termin Anlass zu Bräuchen, Festen, Arbeiten, Hochzeiten, politischen Entscheidungen, Wahlen, Ernte, Haare schneiden, Brunnen putzen, nackt im taufrischen Gras liegen, in Flüssen und Seen baden etc. Die Liste könnte seitenlang fortgesetzt werden. Der Tag ist so wichtig, dass in gewissen Gegenden Europas die Feste als Weltkulturerbe der Unesco gelten.

Im Garten blühen um diese Zeit, dieses Jahr erst an warmen Stellen, Johanniskraut (Hypericum perforatum), der Beifuss (Artemisia vulgaris), und wer grosses Glück hat, sieht Glühwürmchen, Johannischäferli leuchten. Vor zwanzig Jahren haben wir die noch vielfach gesehen, heute an den gleichen Orten, trotz ökologischer Ausgleichsflächen, sind sie nicht mehr da.

Johanniskraut ist weit bekannt als Mittel, das die Wirkung von anderen Medikamenten verstärkt oder stark vermindert. Schwangerschaften trotz Pille wurden der gleichzeitigen Einnahme von Johanniskrautpräparaten zugeschrieben. Johanniskraut macht aber auch photosensibel, man kriegt eher einen Sonnenbrand. Die mythologische Bedeutung ist aber noch viel grösser als die tatsächliche Wirkung, es gibt sehr wenige Pflanzen mit dieser Potenz.

Weit weniger bekannt ist die «Mutter aller Kräuter», der Beifuss. Keine besondere Schönheit, war die Pflanze seit den Römern in höchsten Tönen gelobt worden. Als Johannes der Täufer in der Wüste lebte, soll er einen Gürtel aus Beifuss getragen haben. Dieser sollte verhindern, dass man vom Gehen müde wurde. Der Beifussgürtel wurde auch beim Maientanz getragen und am Schluss «mit allen Anfeindungen» im Johannifeuer verbrannt. Legendär ist seine Verwendung bei Epilepsie, obwohl in neuerer Zeit der Gebrauch nicht mehr empfohlen wird.

Für nur rational denkende Menschen oder solche, die meinen, dass sie das sind, ist dieses Wermutgewächs das Gewürz bei fetten Speisen. In Japan wird er sogar zu Süssspeisen verarbeitet (Mochi), was man sich wegen der grossen Bitterkeit fast nicht vorstellen kann.

Nicht nur einen leicht bitteren Beigeschmack hat die Stadt bekommen, die so heisst wie das Kraut: Die ukrainische Stadt Tschornobyl heisst auf russisch Tschernobyl, Beifuss.

Und der Hansdampf? Das ist ein Kuchen, der zur Johannisfeier (Hansfeier) noch warm, dampfend in allen Gassen herumgetragen wurde.

Wer zu viel gegessen hat und davon Magenweh bekommt, kann dann einen Tee brühen: Beifusstee.

Das Buch «Härdöpfl und Mäzeschtärn», gesammelte Kolumnen aus «Der Rheintaler» und «Rheintalische Volkszeitung» ist im blabla-verlag.ch erschienen.

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