Halbe Taste

Die Musikschule Unterrheintal hat einen Flügel gekauft. Die Hausbank steuert zwar 10 000 Franken bei, der Flügel kostet aber dreimal mehr.

Gert Bruderer
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Die Musikschule Unterrheintal hat einen Flügel gekauft. Die Hausbank steuert zwar 10 000 Franken bei, der Flügel kostet aber dreimal mehr.

Die kulturfreundlichen nahen Ortsgemeinden haben bisher keinen Beitrag zugesichert. Zum Teil herrscht die Meinung vor, ein Flügel sei Luxus und somit nicht nötig. Die Haltung ist legitim, denn ein taugliches Klavier ist auch zum halben Preis zu haben.

Nicht jeder Luxus ist allerdings reine Verschwendung. Lieder klingen anders, wenn ein Musikschüler sie auf einem Flügel spielt. Das verschönert bei Konzerten das kulturelle Erlebnis und ist jedem fleissig übenden Kind ein besonderer Ansporn.

Weil die Lust finanzstarker Institutionen, sich an den Flügelkosten zu beteiligen, weitgehend fehlt, «verkauft» die Musikschule nun einzelne Tasten für je 100 Franken. Bei Präsident Marcel Sieber läutete deswegen eine 83-jährige Frau. Sie überreichte ihm zu seiner Überraschung ein Couvert, in dem er 50 Franken vorfand. Mehr könne sie nicht geben– leider, sagte sie.

Als Vater zweier Musikschüler im oberen Rheintal (der Sohn spielt zufällig Klavier) überweise ich gern 50 Franken – und mache aus der halben Taste der alten Frau eine ganze.

Dem klanglichen Luxus der Nachbarn zuliebe.

gert.bruderer@rheintalmedien.ch