Hai vor Rorschach gesichtet

Unsere Zeitung bietet mit dieser Serie regelmässige Einblicke in die faszinierende Flora und Fauna unter der Oberfläche des Bodensees. Thema ist für einmal nicht die Natur selbst, sondern Wracks; und was sonst noch versunken ist.

Rudolf Hirtl
Drucken
Teilen
Die Attrappe eines Weissen Haies sorgt in der Rorschacher Bucht für Gänsehaut-Feeling. (Bilder: Tino Dietsche)

Die Attrappe eines Weissen Haies sorgt in der Rorschacher Bucht für Gänsehaut-Feeling. (Bilder: Tino Dietsche)

BODENSEE. Okay – die Überschrift ist natürlich nur ein Gag, um Ihre Aufmerksamkeit zu bekommen, liebe Leserinnen und Leser. Aber schon so manchem ortsunkundigen Tauchtouristen ist der Schrecken ordentlich in die Glieder gefahren, wenn «Bobele» – diesen Namen hat die lebensgrosse Hollywood-Attrappe erhalten – vor allem bei nicht optimalen Sichtverhältnissen praktisch aus dem Nichts auftaucht.

Extrem viele Jungfische

Der Weisse Hai aus Plastik wurde 2008 in zwölf Metern Tiefe montiert. Er ist nur eine von mehreren Attraktionen, die die Rorschacher Bucht gegenüber des Hauptbahnhofs zu einem der beliebtesten Tauchplätze machen. Zu sehen gibt's dort auch einen mystischen Zombiegarten (Fischries) und den Märchenhügel, der mit Bildtafeln zu einem orientalischen Märchen versehen ist.

Auf dem Weg zum Weissen Hai – nach dem Einstieg Richtung Westen tauchend zu finden – erreichen Stickstoffjunkies zehn Meter vor «Bobele» zuerst das Motorboot-Wrack Starcraft. Etwas tiefer, auf 15 Metern, ist ein grösseres Wrack mit Namen Tina zu finden. Im Umkreis von 50 Metern liegen noch drei weitere kleinere Boote.

Derart gross und spektakulär wie der 1864 gesunkene Schaufelraddampfer Jura, der rund einen Kilometer vor Bottighofen in 36 Metern Tiefe liegt, sind die Wracks in der Rorschacher Bucht zwar nicht, doch einen Tauchgang sind sie allemal wert. Auffallend ist dabei, dass sich in den auf dem Grund liegenden Schiffsrümpfen extrem viele Jungfische tummeln.

Von der Natur zurückerobert

Zurückzuführen ist dies auch auf den Umstand, dass die Natur die Wracks innert kürzester Zeit in Beschlag genommen hat. Eines der Boote ist mittlerweile derart von Wasserpflanzen und Muscheln bewachsen, dass es kaum mehr zu erkennen ist und von hiesigen Tauchern Wasserschnecke genannt wird. Vorschnelle Rufe, diese Wracks zu bergen, wären also fehl am Platz, denn die meist vor vielen Jahren untergegangenen Schiffe sind heute wertvolle Behausungen für Fische und andere Bewohner des Bodensees.

Wracks liegen nicht nur in der Rorschacher Bucht; auch im Bereich Kornhaus oder im Rietli vor Goldach werden Taucher fündig. An mehreren Stellen sind versunkene Autos zu finden. Ein besonders beliebtes Objekt ist der unten abgebildete Peugeot. Aufgrund der Form vermutlich ein 404er, der in den 60er-Jahren produziert wurde. Auch ihn hat die Natur für sich eingenommen.

Ein kurzer Film von «Bobele» ist auf www.youtube.com/watch?v=itpVHH

ekLPc. zu finden

Das Motorboot Tina liegt in 15 Meter Tiefe.

Das Motorboot Tina liegt in 15 Meter Tiefe.

Der Peugeot ist vermutlich aus den 60er-Jahren.

Der Peugeot ist vermutlich aus den 60er-Jahren.

Aktuelle Nachrichten