«Hätte man es mir gesagt, wäre ich üben gekommen»

RÜTHI. Dem neuen Kantonsratspräsidenten Markus Straub wurde am Dienstag am Bahnhof seines Wohnorts ein grandioser Empfang bereitet. Kaum aus dem Sonderzug ausgestiegen, stimmten die Rüthner Schulkinder ein Lied an. Ein fröhliches – aber offenbar ausgesprochen anspruchsvolles.

Max Tinner
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Schmied Christoph Friedrich mit dem Ehepaar Straub.

Schmied Christoph Friedrich mit dem Ehepaar Straub.

RÜTHI. Dem neuen Kantonsratspräsidenten Markus Straub wurde am Dienstag am Bahnhof seines Wohnorts ein grandioser Empfang bereitet. Kaum aus dem Sonderzug ausgestiegen, stimmten die Rüthner Schulkinder ein Lied an. Ein fröhliches – aber offenbar ausgesprochen anspruchsvolles. Denn die zum Mitsingen eingeladenen Honoratioren hatten ihre liebe Mühe mit den ihnen in die Hand gedrückten Noten. Bei dem Lied, das hörbar noch mehr forderte als oftmals der Schweizerpsalm, war das «Rüthner Lied». August Kobler hat es 1969 geschrieben. «Das war vor meiner Zeit», rechtfertigte Gemeindepräsident Thomas Ammann seine Misstöne. Regierungspräsident Benedikt Würth fand das Ergebnis allerdings gar nicht mal so übel fürs erste Mal, ganz ohne Probe. «Hätte ich's gewusst, wäre ich schon zum Üben gekommen», meinte er, «ich habe aber halt kein Aufgebot bekommen.» Schulleiterin Tanja Schneider wird sich dies hoffentlich merken und das nächste Mal, wenn ein Kantonsrat aus Rüthi Ratspräsident wird, die Regierung beizeiten zur Probe herbeizitieren.

Benedikt Würth sah man dafür später während des Apéros auf dem Schulhausplatz Bündt gleich mehrere Glas Sonnenbräu aufs Mal vom Bierwagen holen. Nicht dass der Regierungspräsident vom Singen und anschliessenden Umzug durchs Dorf selbst dermassen Durst bekommen hätte. «Ich bin den alt Präsidenten zu Diensten», erklärte er. Einstige Regierungspräsidenten waren tatsächlich einige an den Empfang gekommen, so auch der Oberrieter Alex Oberholzer. Ob dieser sein Bier in nützlicher Frist bekommen hat, ist dem selbst durstigen Autor dieser Zeilen allerdings entgangen.

Das sommerliche Wetter machte nicht nur Durst, sondern nahm vielen auch die Lust, aufmerksam die Ansprachen zu verfolgen. Victor Rohner, der durch den Abend führte, hatte seine liebe Mühe, das Publikum bei der Stange zu halten. Wäre er früher Sessionsberichterstatter gewesen statt Sportreporter beim Schweizer Fernsehen, wäre er womöglich auf diese Situation gefasst gewesen. Es ging ihm allerdings auch mehr um die Ansprachen der Festredner als um seinetwillen. «Ich habe früher ja auch nie gewusst, ob die Leute zu Hause am Fernseher mir zugehört haben oder nicht», meinte er.

Victor Rohner setzte selbst am Abend seine Sonnenbrille nicht ab. Nicht weil er am Vorabend zu lange gefestet hätte, sondern aus medizinischen Gründen: Er habe erst am Vortag seine Augen operieren lassen müssen – und bereits am Folgetag sei er wieder an der Arbeit. «Gesundheitschefin Heidi Hanselmann dürfte es freuen, so etwas zu hören.»

Am Empfang für Markus Straub in Rüthi sah man einiges an Politprominenz: Regierungs- und Kantonsräte, altgediente, amtierende sowieso, aber auch Parteikollegen Straubs aus der nationalen Politik sind gekommen, Nationalrat Thomas Müller etwa, sogar SVP-Schweiz-Präsident Toni Brunner. «Rüthi ist für einmal der Nabel der Politik», meinte Rüthis Gemeinderatsschreiber Philipp Scheuble, «schön, dass dies auch möglich ist, ohne dass dauernd vier, fünf Helikopter am Himmel herumsurren.»

Während Markus Straub am Dienstag im Kantonsratssaal seiner Pflicht als Ratspräsident nachkam, hat man bei ihm zu Hause in Rüthi eine vom Sennwalder Hammerschmied Christoph Friedrich geschaffene Säule in den Garten gestellt. Ohne Straubs Wissen, aber in Absprache mit dessen Frau, Catinella. Schön zu wissen, dass selbst beim höchsten St. Galler zu Hause die Frau das Sagen hat.

Das Haus Markus und Catinella Straubs in Rüthi sei eigentlich «nicht so sehr ein Einfamilienhaus, sondern mehr eine mit einer Wohnmöglichkeit versehene Garage für ihr Wohnmobil», verriet SVP-Kantonalpräsident (und Architekt) Herbert Huser. Dies erklärt, warum viele Rüthner die Zugezogenen auch nach zwei Jahren noch nicht kennengelernt haben. Huser beruhigte aber: «Ihre neue Heimat Rüthi werden die beiden sicher immer wieder gerne ansteuern.»

«Rüthi hät's», meinte Regierungspräsident Benedikt Würth, «nämlich Kantonsräte zuhauf.» Bei zurzeit drei Kantonsräten (Markus Straub, Peter Eggenberger, Thomas Ammann) komme auf etwa 700 Einwohner ein Kantonsrat. Das werde kantonsweit nur noch von Hinterforst überboten: Dort komme auf nur 600 Einwohner ein Kantonsrat (Werner Ritter).

Kam auch gratulieren: SVP-Schweiz-Chef Toni Brunner.

Kam auch gratulieren: SVP-Schweiz-Chef Toni Brunner.

Victor Rohner: Am Vortag an den Augen operiert.

Victor Rohner: Am Vortag an den Augen operiert.

Regierungspräsident Würth an der Bierquelle.

Regierungspräsident Würth an der Bierquelle.

Das «Rüthner Lied» braucht schon etwas Übung, bis man es so gut kann wie die Rüthner Schüler. Von links: Thomas Ammann, Benedikt Würth, Catinella und Markus Straub. (Bilder: Max Tinner)

Das «Rüthner Lied» braucht schon etwas Übung, bis man es so gut kann wie die Rüthner Schüler. Von links: Thomas Ammann, Benedikt Würth, Catinella und Markus Straub. (Bilder: Max Tinner)

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