«Hände weg von Pilz-Apps» – Experten raten davon ab

Die Körbe der Pilzsammler waren ordentlich gefüllt. Vom Einsatz sogenannter Pilz-Apps raten die Experten ab.

Benjamin Schmid
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In diesem Jahr gehörten Steinpilze und Eierschwämmli zu den Klassikern unter den Sammlern.

In diesem Jahr gehörten Steinpilze und Eierschwämmli zu den Klassikern unter den Sammlern.

Bild: Archiv/hb

Die Pilzsaison ist nach Ansicht von Experten eher durchwachsen verlaufen. Während sie im unteren Rheintal und Appenzeller Vorderland gemäss Pilzkontrolleur Friedrich Matzer im Schnitt der letzten 20 Jahre eher überdurchschnittlich ausfiel, stuft sie Robert Neff, Pilzkon­trolleur im oberen Rheintal mittelmässig ein.

Wie im letzten Jahr gehörten Steinpilze und Eierschwämme zu den Klassikern. «Es gibt überaus vorsichtige Sammler und andere, die beinahe um jeden giftigen Pilz mit mir streiten wollen», sagt Friedrich Matzer.

Hexeneier und getropfte Schleimschirmlinge

Pilze spriessen bei mildem Klima, feuchten Böden und wenig Wind. Bis Ende August war es eher zu trocken und der Föhn blies häufiger als in anderen Jahren, weshalb nur wenige Pilze zu finden waren. Seither haben sich die Bedingungen laut Robert Neff verbessert. Es wurden Täublinge, Lachsreizker, Herbsttrompeten und Gemeine Riesenschirmlinge, aber auch Exoten wie Hexeneier oder getropfte Schleimschirmlinge gesammelt. «Leider verirren sich jedes Jahr ungeniessbare und giftige Pilze wie Haarschleierlinge und Pantherpilze in die Körbe der Sammler», sagt Robert Neff, «die Symptome einer Pilzvergiftung können innerhalb von Minuten bis Tagen eintreten und äussern sich meist durch Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Schwindel und Herz-Kreislauf- Beschwerden.» Zu einer Pilzvergiftung kommt es, wenn man Pilze verzehrt, die giftige Substanzen enthalten. Der Verzehr einiger Giftpilze, wie der Fliegenpilz, der Grüne Knollenblätterpilz und der Orangefuchsige Raukopf, kann sogar tödliche Folgen haben.

Apps zur Pilzbestimmung sind nicht verlässlich

In den letzten Jahren streiften zunehmend junge Leute und Familien durch die Wälder, um Pilze zu sammeln. So weit, so gut. «Doch immer mehr Sammler verlassen sich dabei auf sogenannte Pilz-Apps, mit teils fatalen Folgen», sagt Robert Neff.

Die Pilzkontrolleure sind erstaunt, wie naiv gewisse Sammler mit ihrer Gesundheit umgehen. Gleich mehrere Apps bestimmten im «Kassensturz»- Test Giftpilze als essbar – eine lebensgefährliche Verwechslung. Auch für Friedrich Matzer gilt daher: «Hände weg von Pilz-Apps». Mit den Apps können nur optische Merkmale bestimmt werden – und auch diese nur mangelhaft.

«Pilzesammeln will gelernt sein», weiss Robert Neff, «wer Pilze nicht mit absoluter Sicherheit bestimmen kann, soll sie in jedem Fall dem Pilzkontrolleur vorlegen». Bei der Bestimmung spielen viele Faktoren eine Rolle. Nebst dem Aussehen sind Farbe, Geruch und Struktur entscheidend. Auch der Standort sei wichtig: Wächst er an lebendem oder totem Holz, auf dem Erdboden oder auf anderen Substanzen, als Einzelgänger oder in Gesellschaft?

Sowohl Friedrich Matzer als auch Robert Neff möchten Pilzfreunde dazu aufrufen, gewisse ungeschriebene Regeln einzuhalten. Es gelte, Pilze mit Korb oder Stofftasche zu sammeln, sich mit Rücksicht in der Natur zu bewegen und unbekannte Pilze stehen zu lassen. Rohe Pilze sollen nicht gegessen und das Sammelgut natürlich einem Pilzkontrolleur vorgelegt werden.