Guten Appetit mit Frohsinn

Fünf Stammgäste bewerten ihre Lieblingslokale – am Montag im «Frohsinn» (Oberriet), gestern im «Landhaus» (Rheineck). Noch bis Freitag läuft die Rheintaler Serie der Sendung «Mini Beiz, dini Beiz». Die Restaurants sind fast zu gut oder die Tester zu gutmütig, um Spannung aufkommen zu lassen.

Claudio Donati
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Überlässt das Kochen lieber der Frau oder dem Wirt: Erich Marquart aus Oberriet, diese Woche in «Mini Beiz, dini Beiz» zu sehen. (Bild: Claudio Donati)

Überlässt das Kochen lieber der Frau oder dem Wirt: Erich Marquart aus Oberriet, diese Woche in «Mini Beiz, dini Beiz» zu sehen. (Bild: Claudio Donati)

Fünf Tage als Fernsehstar, so sieht die Woche von Erich Marquart aus. Der Oberrieter ist seit Montag in der Sendung «Mini Beiz, dini Beiz» des Schweizer Fernsehens zu sehen. Als einer von fünf Stammgästen speist er in den jeweiligen Lieblingslokalen, testet sie auf Herz und Nierli und vergibt danach Punkte von eins bis zehn.

«Mini Beiz, dini Beiz» ist nicht gerade eine Sendung für TV-Gourmets, sondern tischt eher leicht verdauliche Kost auf. Die Dramaturgie kann schon mal darin bestehen, dass einer der Stammgäste Leberli nicht mag und dies dann immer wiedergekäut wird. Die Rheintaler Staffel aber sollte den Appetit anregen, schliesslich sind Gaststätten mit gehobenem Anspruch dabei. Ausser beim fünften Lokal (in St. Margrethenberg), dort haben sich die Macher wohl in der Adresse geirrt.

Forelle mit Zuckerwatte

Den Auftakt zum fröhlichen Beisammensein der temporären Restaurantkritiker machte die fünfköpfige Runde in Erich Marquarts Stammbeiz, dem «Frohsinn» in Oberriet (2002 letztmals 15 Gault-Millau-Punkte, nun mit «Mini Beiz, dini Beiz» zurück im Punktgeschäft). Das Jugendstilhaus, in dem Lisette Hutter wirtet und ihr Mann Peter Hutter kocht, liegt an der Hauptstrasse. Die Tafel beim Parkplatz fällt deshalb auf, weil seit Jahren fast immer dasselbe draufsteht: «Forellen». Die Spezialität des Hauses. Das sollte es dann auch für die Fernsehgäste geben. Auf spezielle Art und Weise zubereitet, als Forelle blau (ganzer Fisch im Sud gegart). Selbst Erich Marquart hat die Forelle so noch nie gegessen, wie er im Nachhinein verrät.

«Frohsinn ist die Süsse des Lebens», ist in der Gaststätte zu lesen. Vor allem die erste Hälfte der Ausstrahlung vom Montag ging runter wie Zuckerwatte. Ein Gruess us da Chuchi voller Harmonie und Frohsinn: Erich Marquart begrüsst das Wirtepaar. Sie tauschen sich gegenseitig Komplimente aus (die beste Beiz, der beste Gast, der beste Fisch usw.). Die Szenen sind offensichtlich gestellt. Das ist auch, was dem Stammgast von den Aufnahmen in Erinnerung geblieben ist. Immer wieder dieselben Sätze, dieselben Gesten, zum Teil fünfmal wiederholt. Von Mittag bis nach Mitternacht sei gedreht worden. Und am Ende bleiben davon knapp 25 Minuten übrig.

Mit dem Eintreffen der Gäste gewinnt die Sendung an Fahrt. Das liegt vor allem an Charles (Weinexperte und Präsident Stv. im Männerchor Au Berneck). Der fröhliche Frührentner mit dem lustigen Zwirbelbart und den noch lustigeren Sprüchen bietet im Duo mit Wädi, dem «Züri Schnorri» des Quintetts, häppchenweise Unterhaltung vom Feinsten. Ihnen schmeckt auch die Forelle blau vorzüglich, und sie bewerten das «Frohsinn» mit je neun Punkten, während die jüngeren Teilnehmer Karin und Michael je sieben Punkte vergeben. Für Stammgast Erich Marquart ist klar: Es hätten mehr als die 32 Punkte sein dürfen. Aber der 63-jährige Betriebsplaner nimmt den Wettbewerb auch nicht allzu ernst, schliesslich handle es sich um eine Unterhaltungssendung, und die Restaurants seien zum Teil schwer zu vergleichen.

Wirtin Lisette Hutter hat sich über die Reaktionen aus dem Umfeld gefreut. Das Telefon habe ununterbrochen geklingelt, viele hätten zu ihrem Auftritt gratuliert. Sie findet aber, die Bewertung hätte besser ausfallen können. Die Punktzahl von Wädi und Charles habe gestimmt. Und die anderen zwei seien ja auch nicht wirklich drausgekommen.

Noch mehr Harmonie geht kaum

Die erste Sendung «Mini Beiz, dini Beiz» war nur das Amuse-Bouche, gestern um 18.15 Uhr folgte die zweite Auflage der fünfteiligen Serie. Die Stammgäste dinierten im Landhaus in Rheineck. 37 Punkte erhielt es von den Testessern für den Gaumenschmaus. Ein Leckerbissen für die Zuschauer war aber auch das nicht (zu viel Harmonie). Aber immerhin eine geniessbare Vorspeise zum Znacht.

Heute folgt das Restaurant Grüntal, Altstätten, morgen das «Büdeli», Berneck, und am Freitag das Finale im «Buura-Beizli», St. Margrethenberg.