Gut – bis es nicht mehr gut geht

OBERRIET. Die US-Finanzwelt an der Wall Street entwickelt an sich innovative und gute Produkte. Aber dann dreht sie das Gute so weit, bis es nicht mehr gut ist. Jens Korte gewährte der Alpha-Rheintal-Kundschaft einen faszinierenden Einblick in die US-Wirtschaft.

René Schneider
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Stefan Frei, CEO Alpha Rheintal Bank (l.), mit Jens Korte am Donnerstag in der Oberrieter Bildstöckli-Halle. (Bild: René Schneider)

Stefan Frei, CEO Alpha Rheintal Bank (l.), mit Jens Korte am Donnerstag in der Oberrieter Bildstöckli-Halle. (Bild: René Schneider)

OBERRIET. Die Zeit verflog geradezu: Jens Korte, Wirtschaftsjournalist und US-Börsen-Korrespondent verschiedener Medien, fesselte sein Rheintaler Publikum von Beginn weg. Seine frei vorgetragenen Ausführungen lockerte er mit Bildern und Videos auf. Eingangs schilderte er, wie die Wall Street an sich gute Dinge, wie die Hypotheken-Finanzierung oder die Finanzierung von Agrar-Produktion, immer weiterdreht und verfeinert, bis es irgendwann zum Kollaps kommt. «Die machen Gutes vermeintlich immer besser, bis es nicht mehr gut ist.» Vor allem machte Jens Korte klar: Wirtschaftspolitik, Währungspolitik, das Verhalten der Banken, Staaten, der Anleger, der Finanzmärkte – alles hat einen direkten Einfluss auf uns alle und jeden.

Dazu erörterte er: Die US-Wirtschaft, die stärkste Volkswirtschaft der Welt, brummt; trotz Finanzkrise, trotz Ölkrise, trotz Rohstoffkrise. Die Arbeitslosigkeit ist auf fünf Prozent gesunken, die Löhne stiegen. Trotz allem stockt der Konsum. Warum? Vom momentanen Wirtschaftswunder profitieren eben nur etwa 20 Prozent der Bevölkerung. Der grossen Mehrheit geht es eher schlechter. Die Schere zwischen Arm und Reich geht auseinander. Vor allem die jüngeren Menschen sind stark verschuldet und setzen das wenige an Erspartem zur Schuldentilgung ein. Die grössten Schulden entstehen während der (privatisierten) Ausbildung. Viele junge Menschen starten mit Schulden ins Berufsleben. Kredite für Auto, Wohnen und anderes kommen dann dazu. Korte erwähnte, dass seine Frau und er erwägen, den achtjährigen Sohn in eine private Grundschule zu geben. Kosten: Etwa 35 000 Franken pro Jahr. Das können sich nicht viele leisten. Den anderen bleiben die weniger gut ausgerüsteten staatlichen Schulen mit den eher schlechter bezahlten Lehrkräften und den grösseren Klassen.

Das wachsende soziale Gefälle begünstige Unruhen und Unmut in der Bevölkerung. Korte: «Noch glaubt die Mehrheit der US-Bürger, im besten Land der Welt zu wohnen. Wobei die meisten nichts anderes kennen. Aber immer mehr schielen auf den wachsenden Reichtum Weniger, bei gleichzeitiger Verschlechterung der eigenen Möglichkeiten.»

Den Anlass am frühen Abend in der Oberrieter Bildstöckli-Halle besuchten über 600 Gäste aus dem ganzen Rheintal – Kundinnen und Kunden der sechs Alpha-Rheintal-Geschäftsstellen zwischen St. Margrethen und Oberriet. Im Anschluss an den 70-minütigen Vortrag lud die Bank ihre Gäste zum Apéro und zum geselligen Beisammensein.