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Güllen bei der Hitze ist «ein Irrsinn»

ALTSTÄTTEN. Bei Temperaturen von über 30 Grad tun Landwirte gut daran, keine Gülle auf Äckern zu verteilen. Auch der Nachbarn wegen. Im Altstätter Quartier an der Rundstrasse hat am Freitag ausgebrachte Gülle für Ärger gesorgt.
Kurt Latzer
Wegen des Geruchs ist Werner Engler am Freitag die Lust vergangen, seinen Gartensitzplatz zu geniessen. (Bild: Kurt Latzer)

Wegen des Geruchs ist Werner Engler am Freitag die Lust vergangen, seinen Gartensitzplatz zu geniessen. (Bild: Kurt Latzer)

Es ist ein Quartier mit schmucken Einfamilienhäusern, das direkt an die Landwirtschaftszone grenzt. An der Rundstrasse versteht man sich gut mit den Nachbarn. Man respektiert sich und geniesst den Blick in die freie Natur. Ganz hinten an der Rundstrasse, unmittelbar neben Wiesen und Äckern, sind Werner und Rita Engler zu Hause. Seit 1979.

Vom Gestank geweckt

«Ich bin selbst in einer Bauernfamilie aufgewachsen und kenne daher die Arbeit in der Landwirtschaft», sagt der ehemalige Stadtrat. Immer haben er und seine Frau Rücksicht genommen, wenn rings um die Rundstrasse gegüllt wurde. Bis vergangenen Freitag jedenfalls. «Erstmals seit wir hier wohnen, sind wir durch den Gestank geweckt worden», sagt Engler. Seine Frau Rita nickt nachdenklich. Sie sei zum Bauern hingegangen und habe im gesagt, güllen sei bei den Temperaturen verboten. «Den interessierte das nicht. Er hat nur gemeint, er dürfe Gülle ausbringen», sagt Rita Engler.

Nicht gesetzlich geregelt

Werner Engler glaubt, sich aus seiner Amtszeit als Stadtrat an eine Vorschrift zu erinnern. «Meines Wissens hat die Stadtverwaltung Inserate in die Zeitungen gegeben und Güllen bei zu grosser Hitze verboten», sagt der ehemalige Stadtrat. Zumindest heute ist die Sachlage eine andere. Ruedi Mattle, Stadtpräsident von Altstätten, hat von dem Vorfall an der Rundstrasse schon gewusst und das mit der Gülle abgeklärt. «Die Stadt hat keine Handhabe, rechtlich keine Möglichkeit, ein Verbot auszusprechen», erklärt Mattle. Gleiches gilt für den Kanton, auch ihm sind die Hände gebunden. Fredy Trefny, Leiter Landwirtschaftlicher Umweltschutz im Amt für Energie und Umwelt St.Gallen: «Jetzt zu güllen, ist ein Irrsinn. Jeder Bauer weiss das und sollte sich dementsprechend verhalten.» Die Böden könnten den Dünger in der Gülle nicht mehr aufnehmen. Nitrat könne direkt in den Boden versickern, bei Gewittern etwa abgeschwemmt werden und das freigesetzte Ammoniak (umweltgefährdendes Stickstoffgas) steige in die Luft.

«Bei besseren Verhältnissen ist sicherlich das Güllen am Abend und diese zu verdünnen, zu bevorzugen», meint Trefny.

Einsichtiger Landwirt

Der Altstätter Landwirt Markus Segmüller hat die Gülle am Freitagmorgen auf dem abgeernteten Weizenfeld in der Nähe des Quartiers Rundstrasse ausgebracht. Sind ihm die Nasen der Nachbarn egal? «Nein, sicher nicht», sagt der junge Bauer. Nachdem ihm Frau Engler gesagt hatte, er dürfe bei der Hitze nicht Güllen, habe er zunächst weitermachen wollen. «Das Ganze habe ihm dann aber keine Ruhe gelassen, weshalb er das Güllen eingestellt habe.» Er wolle die gedüngte Fläche gleichentags umpflügen, dann rieche man nichts mehr.

Und warum hat er nicht in der Nacht die «Bschütti» aufs Feld gebracht, wie von AfU und Bauernverband empfohlen? «Das war eine Fehlüberlegung von mir. Ich dachte, die Leute haben während der Nacht die Fenster offen, um zu lüften, und machten sie morgens wieder zu, damit die Hitze nicht ins Haus kommt», meint Markus Segmüller.

Viel mehr wünscht sich Werner Engler eigentlich nicht: Gegenseitige Rücksichtnahme. Vor allem an Wochenenden, wenn sich die Leute im Garten ausruhen oder Grillieren wollen.

Und die Stadtverwaltung könne jederzeit die Landwirte bei anhaltender Hitze auffordern, nicht in der Nähe von Wohnquartieren zu güllen – Handhabe hin oder her.

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