Guapos folgenreicher Fehltritt

Eine Hundebesitzerin macht eine Thurgauer Hundeschule für die Verletzung ihres Mischlings Guapo verantwortlich. Diese aber lehnt es ab, für die mehrere Tausend Franken teure Operation aufzukommen.

Janique Weder
Merken
Drucken
Teilen
Guapo nach der Operation im Herbst 2015. Von dem Kreuzbandriss wird er sich nicht vollständig erholen. (Bild: pd)

Guapo nach der Operation im Herbst 2015. Von dem Kreuzbandriss wird er sich nicht vollständig erholen. (Bild: pd)

WEINFELDEN/GANTERSCHWIL. Der Verband ist weg, und auch das Fell am linken Hinterbein ist nachgewachsen. Doch ausgedehnte Spaziergänge und lange Wanderungen gehören für Guapo der Vergangenheit an. Von seiner Knieverletzung wird sich der Schäferhund-Mix nicht mehr vollständig erholen. «Alleine schon deswegen fände ich es angebracht, wenn sich die Hundeschule entschuldigen und die Verantwortung übernehmen würde», sagt Angela Haldemann. Die 25-jährige Tierpflegerin aus Ganterschwil ist Guapos Besitzerin. Seit über einem halben Jahr zankt sie sich mit dem Kynologischen Verein (KV) Weinfelden und dessen Versicherung, der Axa Winterthur.

An Schnur gebunden

Begonnen hat die Geschichte im vergangenen Jahr in einem Erziehungskurs des KV Weinfelden. Nötig wäre dieser für den fünf Jahre alten Guapo nicht gewesen, sagt Haldemann. «Mein Hund ist gut ausgebildet.» Sie hätten lediglich ihre Schwester und deren Hund begleitet.

An einem Tag im Mai fällt der reguläre Kursleiter aus, eine Hundeführerin springt ein. «Sie und ich haben uns von Beginn weg nicht gut verstanden», sagt Angela Haldemann. Um einem Streit aus dem Weg zu gehen, habe sie sich jedoch an die Anweisungen der Leiterin gehalten. Guapo soll das Kommando «Fuss» üben. Damit er genügend Abstand von seiner Besitzerin nehmen und trotzdem nicht weglaufen kann, bindet die Leiterin ihn an eine Schnur. «Ich habe ihr versichert, dass das nicht nötig sei. Guapo läuft nicht weg.» Trotzdem besteht die Leiterin auf der Schnur – auch dann noch, als sich Guapo bereits mehrmals darin verheddert hat. «Der entscheidende Fehler aber war, dass sie die Leine zu kurz gehalten hat», sagt Haldemann. Der Mischling rennt abermals los. Ein Fehltritt, er stolpert über die straff gespannte Schnur, sein linkes Hinterbein wird nach hinten gerissen. Guapo stürzt.

Obwohl das Tier die kommenden Tage hinkt, macht sich Haldemann wenig Sorgen. «Ich dachte, es sei eine überdehnte Sehne. Da kann man nichts machen, nur warten.» Als Guapo nach zwei Wochen immer noch nicht richtig läuft, geht Haldemann zum Tierarzt. Auch dieser tippt auf die Sehne, verschreibt Medikamente. Monate vergehen. Guapos Zustand bessert sich nicht. Im September lässt Angela Haldemann ihren Hund nochmals untersuchen. Diesmal folgt die Diagnose Kreuzbandriss. Die Operation kostet 3000 Franken. Für die Ganterschwilerin ist klar, dass die Hundeschule die Kosten übernehmen wird. «Schliesslich war es die Kursleiterin, die auf der Schnur bestanden und diese zu kurz gehalten hat.»

Doch beim KV Weinfelden stösst die Ganterschwilerin auf taube Ohren. «Man sagte mir, ich sei selber schuld.»

Mit Risiko verbunden

Angela Haldemann wendet sich an die Versicherung der Hundeschule. Doch auch die Axa Winterthur will für die Schadensumme nicht aufkommen. «Sie sagten mir, dass beim Besuch einer Hundeschule immer eine Verletzungsgefahr bestehe.» Ausserdem zweifelt die Versicherung den Zusammenhang zwischen dem im Mai erfolgten Sturz und dem im September diagnostizierten Kreuzbandriss an. Gegenüber dieser Zeitung wollte die Axa Winterthur mit Hinweis auf den Datenschutz keine Stellung nehmen. Auch Ernst Schärrer, Präsident des KV Weinfelden, weist auf die lange Zeitspanne zwischen Sturz und Operation hin. «Frau Haldemann hat mit Guapo weiterhin unsere Übungen besucht. Die Verletzung wurde erst Monate später festgestellt. Dazwischen kann vieles passiert sein», sagt er, fügt aber an: «Uns wäre es auch lieber, wenn Frau Haldemann die Kosten nicht alleine tragen müsste.» Dies sei jedoch Sache der Versicherung.