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Grosses Spektakel in kleinem Dorf

Fragt man Einheimische danach, was sie am 18. August zu tun gedenken, sehen sie einen zwar fragend an. Wird aber Fussball als Stichwort hinzugefügt, fällt der Zwanziger. – «Ah, dann ist Basel hier!»
Gert Bruderer

Genau, der FC Basel. Die Montlinger haben das ganz grosse Los gezogen.

Der FC Montlingen hat in der ersten Hauptrunde des Schweizer Cups gegen den grossen FC Basel anzutreten, den renommiertesten Fussballclub der Schweiz.

Oder besser: Montlingen darf.

Die Montlingerin Elisabeth Thurnherr ist am Montagvor­mittag gerade beim Leeren des Briefkastens anzutreffen. Auf das Ereignis angesprochen, sagt sie, dieses Losglück gönne sie dem Dorf. Das werde ein Riesenevent und belebe den Ort.

Sie selbst sowie ihr Mann sind keine Fussballfans. Trotzdem sei es durchaus möglich, dass auch sie sich am 18. August das besondere Spiel ansehen werden.

«Do momma fascht goh»

Ramona Bischof (auch kein Fussballfan) sagt sogar: «Do momma fascht goh.»

Denn die Cup-Partie zwischen dem besten Schweizer Fussballclub der letzten Jahre und dem Rheintaler Fussballzwerg ist ein Ereignis, das einmalig sein dürfte.

Die Chance, den FC Basel später wieder zugelost zu bekommen, ist minimal. Kein Wunder ist das Spiel jetzt überall ein Thema. Am Samstag, am Festival «Rock am Fels» wurde daher nicht nur Musik gehört, sondern auch über Fussball geredet, in den Montlinger Beizen ist der FC Basel derzeit sowieso das Thema.

Es herrscht Begeisterung.

Die wenigen kritischen Stimmen, die zu vernehmen sind, nehmen nicht auf das Cup-Spiel Bezug, sondern haben mit grundsätzlichen Überlegungen zu tun, mit den Machenschaften, die den Spitzensport begleiten, mit der Macht des Geldes, mit den vielen auswärtigen Spielern in jeder Mannschaft.

Aber den Spass lässt sich in Montlingen niemand verderben.

Klar, die Sicherheit müsse gewährleistet sein, sagt Hanni Nüssli. Auch sie, die sich mehrere WM-Spiele ansah, war schnell von dem Lauffeuer erfasst worden, mit dem sich die rasche Verbreitung der frohen Kunde vergleichen lässt.

Alle müssen mithelfen, dass alles bestens klappt

Auch soziale Netzwerke trugen dazu bei, dass alle bald im Bilde waren. Barbara Frei hat auf diesem Weg von der Nachricht erfahren, kaum waren die Basler den Montlingern zugelost worden.

«Super», sagt sie, habe sie gedacht. Ihr Sohn Lars spielt bei den A-Junioren, ist aber zurzeit in der Rekrutenschule.

Barbara Frei, die mit der Familie an der Kolbensteinstrasse wohnt, meint auch der Nähe zum Fussballplatz wegen: «Do mönd mer doch goh.» Und mehr noch: Falls Bedarf bestehe, sei sie gern bereit, auch mitzuhelfen, sagt Barbara Frei.

Ein Dorf wie ein einziges grosses Team

Was das Helfen betrifft: Da stehen die Montlinger zusammen wie ein einziges, grosses Team.

Bea Langenegger, die im «Hirschen» serviert, spürt einen enormen Zusammenhalt unter den vielen Vereinen. Dieser sei auch nötig, sagt sie. Denn das grosse Thema erfordert einen grossen Einsatz.

Alle müssten sich darum bemühen, dass auch alles bestens klappt.

Auch Ruedi Liebi, der jetzt zwar in Diepoldsau zu Hause ist, aber noch immer im Chor Montlingen mitmacht, relativiert die Aussage, dass er dem Spiel nicht beizuwohnen gedenke. Falls sein Verein eine Aufgabe erfülle, sagt Liebi, sei selbstverständlich auch er mit von der Partie. Eine besondere Beziehung zu Verein und Anlass hat Jürg Baumgartner, der bei einem Gespräch auf der Strasse anzutreffen ist. Er ist der erste an diesem Montagvormittag, bei dem es sofort Klick macht, als das Datum 18. August genannt wird.

«Das wird ein Volksfest», sagt Baumgartner, der für den FC Montlingen als Revisor tätig ist.

«Basel, das ist der Hauptpreis», sagt der Fussballfan.

Montlingens Cup-Gegner sei sozusagen der FC Bayern der Schweiz. Und das deutsche Mont-lingen, wenn man so will, heisst Drochtersen.

Ebenfalls am 18. August empfängt das niedersächsische Städtchen mit seinen rund 11000 Einwohnern den übermächtigen FC Bayern München.

Jürg Baumgartner hat im Fernsehen die Sendung gesehen, als der FC Bayern dem SV Drochtersen zugelost wurde. «Die haben geschrien im Studio», sagt er, «geschrien vor lauter Glück, Begeisterung und Freude.»

«Eher 6000 als 5000 Zuschauer»

Die gleiche Freude ist in Montlingen feststellbar. Auch Nadine Schmenger, die Frau eines Junioren-E-Trainers, die am Montlinger Bergli zu Hause ist und mit den Buben auf dem Kolbenstein vor dem Zmittag noch Fussball spielt (sie selbst im Tor), sieht dem Ereignis mit grosser Vorfreude entgegen.

Sie sagt: «Es herrscht ein Riesenhype.»

Als im Jahr 2009 der FC Lugano in Montlingen spielte, ebenfalls im Cup, kamen 1400 Zuschauer. Im Sommer davor hatten 3300 Zuschauer in Widnau die Cup-Partie gegen den FC Zürich gesehen.

Jürg Baumgartner geht davon aus, dass Basel noch sehr viel mehr Publikum bringen wird, 6000 Zuschauer sieht er in seiner Vorstellung eher als 5000. Die Basler Fans kommen mit einem Sonderzug bis Oberriet – und von dort zu Fuss zum Fussballplatz in Montlingen.

Die Zürcher besiegten die Widnauer 6:0, Lugano gewann gegen die Montlinger 4:0.

Mit dem Spiel gegen Basel ist Montlingen jetzt schon der grosse Gewinner.

Hinweis

Samstag, 18. August, 18.15 Uhr, Sportplatz Kolbenstein, Montlingen: 1. Hauptrunde Schweizer Cup; Montlingen empfängt den FC Basel.

www.fcmontlingen.ch

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