Grosses Lob für Schüler und Lehrer: Rheintaler Schulsozialarbeiter haben während der Coronakrise unerwartet positive Erfahrungen gemacht

Schulsozialarbeiter waren auch während der Coronazeit im Einsatz. Und machten unerwartet positive Erfahrungen. «Die Schüler haben es gut gemacht, einzelne fast zu gut», sagt Yves Munz, Bereichsleiter Schulsozialarbeit bei den Sozialen Diensten Mittelrheintal.

Andrea C. Plüss
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Das Homeschooling war für Lehrer und Schüler eine besondere Herausforderung.

Das Homeschooling war für Lehrer und Schüler eine besondere Herausforderung.

Bild: Donato Caspari

Plötzlich kein Unterricht mehr an den Schulen. Tagesstrukturen brechen von heute auf morgen weg, und eine Zeit der Ungewissheit beginnt – für die Schülerinnen und Schüler aller Klassenstufen, für Lehrpersonen, Eltern und auch für die Schulsozialarbeiter, die an den Rheintaler Schulen im Einsatz sind.

Bei vielen Kindern, die sie durch ihre Arbeit kenne, habe sie «Schlimmes befürchtet», sagt Marion Heeb, die als Schulsozialarbeiterin für die Oberstufe Rebstein-Marbach sowie das Schulhaus Feld in Altstätten zuständig ist. Über die Schulleiter erhielt Heeb die Mailadressen der Jugendlichen oder deren Eltern, um überhaupt die Möglichkeit einer Kontaktaufnahme sicherzustellen. Vor allem um Kinder, die bereits vor der Coronapandemie als benachteiligt galten, sorgten sich Marion Heeb und ihre Berufskollegen.

Benachteiligte Schüler nicht vergessen

Von Beginn an konnte Marion Heeb erleben, dass sich die Schulleiter selbst intensiv um (lern-)benachteiligte Schüler kümmerten. «Sie haben jeden Tag angerufen, sich erkundigt, wie die Schülerin oder der Schüler beim Homeschooling zurecht kommt – und sie haben viel gelobt», sagt Heeb.

Auch Yves Munz, Bereichsleiter Schulsozialarbeit bei den Sozialen Diensten Mittelrheintal (SDM), findet lobende Worte für Lehrerinnen und Lehrer, die sich «sehr engagiert, kreativ und vorbildlich» der anspruchsvollen Aufgabe einer Beschulung ohne Präsenzunterricht gewidmet hätten.

In der Anfangsphase ab 18. März sei es auch darum gegangen, eine Strukturbildung in den Familien zu unterstützen. Einige Anfragen von Eltern, die sich danach erkundigten, wie das Homeschooling funktioniert, erreichten Munz. In einer ersten Phase baten vereinzelt Lehrer um Unterstützung für lernbenachteiligte Kinder; die Zahl lasse sich an einer Hand abzählen, so der Sozialpädagoge.

Die Wichtigkeit von Strukturen im Alltag von Kindern und Jugendlichen steht ausser Frage. Schulkinder in den ersten Klassen können sich noch nicht selbst organisieren. Aber auch Schülern der Oberstufe fällt es mitunter schwer, den Tag mit unterschiedlichen Aufgaben zu strukturieren.

Regeln wichtig auch in Homeschooling-Phase

Fällt, wie jetzt geschehen, der Unterricht in den Schulen weg, ist es um so wichtiger, Kinder und Jugendliche zu führen. Seitens der Lehrer durch Nachfragen, Kontrolle, Lob, Unterstützung und durch Regeln. Die Homeschooling-Phase lässt sich nicht als regelfreier Raum verstehen. «Um die Unzuverlässigen habe ich mich in Absprache mit den Schulleitern gekümmert», gibt Marion Heeb an. Meist seien die Jugendlichen froh gewesen um die Hilfe.

Heeb ermunterte Eltern, die um Rat nachsuchten, auch dazu, Alltagsstrukturen aufrechtzuerhalten bzw. dem Alltag in Coronazeiten neue, den Umständen angepasste Strukturen zu geben. Die Eltern hätten die achtwöchige Ausnahmesituation grösstenteils gut gemeistert, Allerdings hätten sie teils grosse Angst vor dem Coronavirus gehabt und ihre Kinder deshalb gar nicht mehr vor die Tür gelassen. Dabei wäre es gut gewesen, mit der Familie mal einen Spaziergang zu machen oder in den Wald zu gehen.

Diese Beobachtung teilt auch Yves Munz. Da Mitte März erst wenige Informationen über das Sars-Cov2-Virus vorlagen, seien derartige Ängste aber nachvollziehbar. Manchen sei dann irgendwann «die Decke auf den Kopf gefallen», aber selbst in den Frühlingsferien sei es «erstaunlich ruhig» gewesen, gibt Munz an.

Film mit Ferientipps verschickt

Die Schulsozialarbeit (SSA) Oberes Rheintal hat Angebote für die Ferienzeit in einen kurzen Film verpackt und den Schülern gemailt. Verbunden mit dem Hinweis, sich bei Problemen an die SSA zu wenden. Marion Heeb weiss von einigen Jugendlichen aus der Oberstufe, die sich von familiären Aufgaben überfordert fühlten. «Da sind die Eltern berufstätig ausser Haus und das älteste Kind muss auf die jüngeren Geschwister aufpassen», schildert sie. In Notfällen habe dann ein Schulsozialarbeiter mit dem Jugendlichen einen Spaziergang unternommen, um durch ein Gespräch Entlastung zu schaffen.

Positiv bewerten sowohl Yves Munz als auch Marion Heeb die Tatsache, dass Schülerinnen und Schüler wieder in die Schule wollen. «Viele freuen sich», sagt Marion Heeb. Diese neue «Lust an Schule» wird auch Yves Munz als «positive Coronaerfahrung» in Erinnerung bleiben: «Die Schüler haben es gut gemacht, einzelne fast zu gut, da sie sich zu oft nur drinnen aufgehalten haben.»