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Von Klassizismus bis Barock: In der Altstätter Altstadt herrscht ein bunter Stil-Mix

Die Altstätter Altstadt zeigt: Verschiedene Baustile müssen einander «nicht beissen».
Gert Bruderer
Werner Ritter beim Untertor, wo ein Bordell geplant war: «Jede Entwicklung hat Altstätten denn doch nicht nötig.» Bild: Gert Bruderer

Werner Ritter beim Untertor, wo ein Bordell geplant war: «Jede Entwicklung hat Altstätten denn doch nicht nötig.» Bild: Gert Bruderer

Dies ist die Quintessenz einer Stadtführung mit Werner Ritter, dem ehemaligen Kantonsrat, der neuerdings der Museumsgesellschaft vorsteht. Als Stadtführer ist der historisch bewanderte Zeitgenosse, der seine Scharfzüngigkeit nicht verloren hat, eine Wucht. Insgesamt viermal besteht die Möglichkeit, sich während der Altstätter Kulturwoche Staablueme mit Werner Ritter auf den Themenweg «Historische Gebäude und Kulturen» zu begeben. Dieser Themenweg ist eine Neuheit – jedenfalls als Route mit zugehörigem Leporello.

Kein Ballenberg- Museum von Häusern

Schon der kurze Aufenthalt auf dem Rathausplatz macht klar: Die klassizistische Kirche der Katholiken (die bis 1906 auch den evangelischen Einwohnern diente), die Rokoko-Reburg, in der sich die Bibliothek befindet, das erst vierjährige, mit klassizistischen Elementen angereicherte Rathaus, das spätgotische Bürgerhaus gleich um die Ecke und ein nahes Barock-Gebäude am Engelplatz passen bestens zusammen und zeugen doch von der Entwicklung einer Stadt, von der Werner Ritter sagt: «Es ist kein Ballenberg- Museum von Häusern.»

Bis in die jüngere Zeit gab es Ställe im Städtli

Für den Wandel ist der Era-Graba das beste Beispiel, also der schmale Streifen hinter den Häusern der Markt- und der Obergasse. So genannte Ehgräben wie dieser wurden einst zur Beseitigung von Fäkalien und Abfallprodukten aller Art benutzt. «Vor 500 Jahren wäre ich mit Ihnen höchstens in Gummistiefeln hergekommen», meinte Ritter zu seinem Publikum. An Altstättens Obergasse befand sich bis vor einigen Jahrzehnten eine ganze Reihe von Ställen, denn neben dem Gewerbe spielten der Acker- und Rebbau im Ort eine bedeutende Rolle. Der letzte Stall mitten im Städtli, der «Rössli»-Stall, verschwand erst im vorletzten Jahrzehnt. Auch der wunderschöne Weberwinkel ist kein Ort, der früher Wonne auslöste.

Kein Bordell beim Untertor

Bis weit ins 20. Jahrhundert hinein gab es hier eine Metzge­rei, eine Stadtmühle sowie eine Gerberei, was mit keinem angenehmen Geruch verbunden war. Barocke Malereien an der Obergasse, das spätbarocke Haus zum Raben, die schmalen Häuser am Engelplatz, die ihre heutige Gestalt im 18. Jahrhundert bekamen, oder das mittelalterliche Untertor sind weitere Beispiele für die stilistische Vielfalt der Altstadt.

Dass beim Untertor, diesem letzten von ursprünglich drei Stadttoren, in jüngster Zeit, entgegen des ernsthaften Plans, kein Bordell entstand, ist ein Verdienst auch Werner Ritters, der am Sonntag bei der Führung meinte: «Jede Entwicklung hat Altstätten denn doch nicht nötig.» Hingegen hielte er die geschichtsträchtige Breite mit ihrem Kreisel und ihrer stark auf den Verkehr ausgerichteten, lieblosen Gestaltung für entwicklungsfähig.

Für die Breite sieht Ritter Potenzial

Dass Stadtpräsident Ruedi Mattle in Begleitung seiner Gattin an der ersten Führung mit Staablueme-Vertretern und Sponsoren teilnahm, nutzte Ritter für einen Wink mit dem Zaunpfahl. Bei aller Liebe zur Gattin «gäbe es für den Stadtpräsidenten doch auch noch die Aufgabe, den grossen Platz wachzuküssen», denn die Breite hätte Ritters Ansicht nach «das Potenzial, zu einem der schönsten Plätze der Ostschweiz zu werden – mit Betonung auf ‹hätte›». Mit der grössten unmittelbar anstehenden Weiterentwicklung der Stadt hat Werner Ritter selbst zu tun, als Präsident des Museums Prestegg. Nun stehe fest, wann der Ausbau beginne. Am 2. September erfolgt der Hammerschlag.

Hinweis

Themenweg: Führung mit Werner Ritter am Donnerstag, 15. August, 18 bis 19 Uhr, sowie am Samstag, 17. August, von 14 bis 15 Uhr. Das handliche Leporello liegt beim Staablueme-Kunstcontainer auf.

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